Kategorie: Reportage

Kolumbien-Tapes, Vol. II: Besuch bei Roberto Escobar in Medellín

Der Name Pablo Escobar weckt in mir Abscheu und Faszination gleichermaßen. Ein Besuch in seiner Heimatstadt Medellín ohne im Stadtbild auf Spuren zu treffen? Kein Problem. Seit seinem Tod versucht die Stadt des ewigen Frühlings (wegen des angenehmen Klimas) den langen Schatten loszuwerden, den Escobar und sein gewalttätiges Medellín-Drogenkartell noch immer wirft – auch 25…




Kolumbien-Tapes, Vol. I: Bogotá – déjà-vu, das keines ist

Hundemüde und frierend betrete ich die Stadt, die, wenn ich es richtig mitbekommen hatte, vor vielen Jahren mal mein Zuhause hätte werden können: Bogotá. Es war Mitte der 80er Jahre. Auf der Streuobstwiese meiner Eltern, die damals noch eine Weihnachtsbaumplantage war, veranstalteten meine Eltern ein Grillfest für die Realschul-Klasse meines Bruders. Wir machten Schubkarrenrennen, umkurvten…




Sklavereimuseum – Stadt Rio dreht den Geldhahn zu

Das Museum „Cemeterio Pretos Novos“ ist das einzige seiner Art in ganz Amerika. Auf seinem Grundstück liegen bis zu 30.000 Sklaven begraben. Junge Sklaven, frisch in Brasilien angekommen, die „pretos novos“, die neuen Schwarzen. Einen solchen Ort gibt es sonst nirgendwo. Es hat Preise gewonnen. Zuletzt einen vierten Platz der Stiftung des Ölkonzerns Petrobras. Es…




Isla Palomina: Lebensmüde oder doch paranoid?

Es gibt Situationen, da beschleicht einen eine düstre Ahnung: Scheißidee. Was mache ich hier? Komme ich hier wieder heil raus? Bislang hatte ich dieses Gefühl in Brasilien und Südamerika ziemlich selten. In Callao, am letzten Tag unserer Peru-Reise war es soweit. Wir hatten einen Ausflug auf die Palomino-Inseln gebucht. Dort, vor der Küste Limas, oder…




Meine Achtung vor den Taxifahrern bröckelt

Bisher ließ ich nichts auf die Taxler Rios kommen. Im Gegenteil: Ich ergriff Partei, als mir wieder mal jemand die Vorzüge Ubers schmackhaft machen wollte. Altmodisch mag das sein, auch aus Respekt zu Sprachlehrerin Karla, deren Mann Taxifahrer ist. Aber auch, weil ich hoffe damit richtig zu liegen, dass Taxifahren – imVergleich zu  Uber –…




Tag der deutschen Einheit und die geistige Einheit der Welt

Es hatte sich ganz schön komisch angefühlt, an jenem Septembermorgen im Jahr 1998, als ich zur Frühschicht die Tankstelle in Meckenheim betrat. Zum ersten Mal in meiner aktiven Politikwahrnehmung sollte von jenem Tag an also nicht mehr Helmut Kohl Bundeskanzler sein? Mein erster kleiner Politkater. 19 Jahre später, 13.01 Uhr, Sonntagnachmittag. Ortszeit Rio de Janeiro….




Hennes Redentor singt für die Deutsche Welle

Morgens, halb 10 in Brasilien, genauer: Rio de Janeiro, Copacabana, Avenida Atlantica Höhe Posto 5. Wer sich so früh morgens dort alleine wähnt, liegt falsch. Gleich neben dem Poste jede Menge grüne Männchen – die örtliche Anwaltsgilde hat seine Mitglieder zum sportlichen Miteinander aufgerufen. Ob sie schon gelaufen sind, oder erst noch starten wollen? Wurscht….




Abstimmung gegen Präsidenten: Temers riskantes Spiel geht vorerst auf

Vor einem Jahr wurden in Rio die Olympischen Spiele eröffnet. Schon damals befand sich das Land in einer wirtschaftlichen und politischen Krise. Daran hat sich nichts verbessert – im Gegenteil. Das Land versinkt weiter im politischen Chaos, ein Ende ist nicht in Sicht. In Brasilien sah es dieser Tage so aus, als könnte die zweitgrößte…




Sportwetten mit Stil: Im Jockey Clube von Rio de Janeiro

Das Leben ist voller Symbolik und hübscher Zufälle. Die Eröffnungsszene des Films „Jenseits der Morgenröte“ (Portugiesisch: Adeus, Europa – irgendwie passender. Toller Film, übrigens!) spielt im Jockey Clube Rio de Janeiro. Eine beeindruckende Pferderennbahn aus dem späten 19. Jahrhundert. Als ich mit Wiebke am Samstagabend den Film im örtlichen Kino anschaute, war ich kurz zuvor…




Ein kleiner Beitrag für den Frieden in Venezuela

„Wir wollen Zukunft, verbrennt Maduro!“ So drastisch waren wir die vielleicht 30 Menschen gar nicht vorgekommen, die sich gegen 16 Uhr in der Nähe des Fortes Copacabana versammelt hatten, um gemeinsam protestierend über die Strandpromenade zu ziehen. Die meisten hatten Fahnen dabei – blau, gelb, rot mit weißen Sternen – die Farben Venezuelas. Andere trugen…