Neuer Präsident und 1. Hennes Redentor Cup

Ja, gutes Neues noch allerseits!

Ein halbes Jahr ist der letzte Eintrag her. Ein! Halbes! Jahr! Fuck. Es ist nicht so, dass in Zwischenzeit nichts passiert wäre. Das Gegenteil ist der Fall. Die Zwischenzeit wird immer weniger und das, was noch passieren müsste oder soll, wird immer mehr –  oder bleibt zumindest konstant hoch. Das hat mit diversen Faktoren zu tun. Allen voran: Wir haben nur noch wenige Monate Zeit, alles das zu sehen und zu erleben, zu konservieren und in uns aufzunehmen, was wir uns vorgenommen haben. Am 5. Juli fliegt uns die Lufthansa wieder nach Frankfurt. Fakt.

Ein wenig erinnert das an die Anfänge, bzw. das Ende der Vorbereitungen, als noch so viele Dinge zu erledigen waren, so viele Leute noch zu sehen. Es scheint tatsächlich immer in den selben Stress auszuarten.

Fassen wir kurz das letzte halbe Jahr zusammen. Nach dem Brand im Museum war hier Schluss. Ich gebe zu: Das Feuer hat mich fertiger gemacht als die Wahl dieses rechtsradikalen Irren zum Präsidenten. Die Wahl konnte man kommen sehen. Spätestens, als der Irre beim Wahlkampf von einem Verwirrten niedergestochen wurde, Anfang September, kippte das Ganze komplett. Nicht wie bei Trump, in der Wahlnacht selbst. Nein, hier konnte man dem ganzen Landen fast zwei Monate land seelenruhig beim Kollabieren zuschauen.

Was habe ichmich gestritten, mit Sprachlehrerin Karla. Nein, das war kein Unterricht mehr. Wir haben uns – ichso gut das eben geht, wenn man hochemotional mit limitierten sprachlichen Mitteln seinen gegenüber zu überzeugen, ach was, zu bekehren versucht – mehr als nur gestritten. Fruchtlos. Ich konnte meinen Punkt nicht anbringen, rannte stets gegen das Totschlagargument schlechthin: „Die PT war doch viel schlimmer.“

Wenn es einige Lehren aus der Wahl zu ziehen gibt, dann das: Ein großer Teil der Brasilianer hat sich nicht FÜR Jair Bolsonaro entschieden, sondern klar GEGEN die Arbeiterpartei PT, die unter Lula und Dilma Rousseff fast 15 Jahr lang am Ruder gewesen war. Nach einem kometenhaften Aufstieg in der ersten Dekade folgte etwa seit 2013 die lange harte Bruchlandung mit allem was dazugehörte: Ausufernde Korruption, wachsende Armut, Verlelendung, steigende Preise, kurzum: Die Brasilianer wollten ein Ende der moralischen und wirtschaftlichen Krise.

Legitim. Wer will das nicht? Ob der nun gewählte Jair Bolsonaro der richtige Präsident ist, oder nur der weniger falsche? Wer will das sagen. Keine Ahnung, wie er seine vollmundigen Versprechen (Beendigung der Korruption, Ende der Wirtschaftskrise) herbeizaubern will. Hatte aber am Ende auch keinen mehr wirklich interessiert. Wichtiger war: Nun ja nicht nochmal Lula oder die PT.

Welch anderes Porzellan der unehrenhaft entlassene Hauptmann aus Rio in den kommenden Monaten und Jahren umwelt-, sozial-, wirtschafts-, agrarpolitisch zerschlagen wird, das kümmerte am 28. Oktober auch noch niemanden.

Doch weiter. 28. Oktober – das war der Tag nach einem denkwürdigen Sportereignis hier in Rio. Die Elternmannschaft der deutschen Schule hatte nämlich kurz zuvor den 1. Hennes Redentor Cup gewonnen, der jemals in der Geschichte ausgespielt wurde. Als Gegner waren die Cargobulls, die Betriebssportmannschaft der Lufthansa nach Rio gekommen, um dem ganzen ordentlich sportliche Klasse und internationales Flair zu verleihen. Hat geklappt. Der Pott, eine Nachbildung des WM-Pokals, blieb allerdings hier in Rio.