Machu Picchu – ein Besuch sollte gut geplant sein

Ob nun Weltwunder, „neues Weltwunder“ (eine nicht-wissenschaftliche Beschreibung) oder nur archäölogische Stätte oder Touristenattraktion. In Südamerika kommt man an einem Besuch der früheren Inkastadt Machu Picchu im Heiligen Tal in der Nähe von Cusco nur schwer vorbei. Es ist vielleicht die Sehenswürdigkeit schlechthin in Südamerika. Der Weg dorthin ist mit etwas Vorlauf zu planen, ist aber auch bestens organisiert.

Ganz harte machen sich zu Fuß auf den Inka-Trail, um sich den Blick auf Machu Picchu zu erwandern und letztlich auch hart zu verdienen. Wer den Inka-Trail laufen will, muss aber hart im Nehmen sein. Drei Pässe gilt es zu queren, mit Höhen von 4198 m, 3998 m und 3700 m. Die Luft ist schon in Cusco (3400 m) recht dünn, man wird sehr schnell kurzatmig. Wer den Trail laufen will, sollte gut trainiert und vorbereitet sein. Mal eben vom Büro auf den Trail wird nicht funktionieren. Rosa, unsere Reiseführerin hat schon etliche Menschen sich die Seele aus dem Leib kotzen sehen, die Anstrengung und Belastung wird vielfach unterschätzt.

Anreise

Weitaus angenehmer reist es sich in der Bahn an. Von Cusco führt eine Bahnlinie hinein ins heilige Tal. Es ist die einzige massentaugliche Verkehrsverbindung. Mit dem Auto geht nichts. Es gibt drei Bahnlinien, die sich diese Goldstrecke teilen. Die Züge sind immer weitgehend ausgebucht. Es ist daher sehr empfehlenswert, die Tickets länger im Voraus über das Internet zu buchen (z.B. Perurail  oder Incarail ). Für die Tickets für Machu Picchu gilt ebenfalls: früh drum kümmern . Denn die Unesco, die die archäologische Site als ein Kultur- und Naturerbe führt, hat vor einiger Zeit gefordert, die Zahl der rund 3000 Besucher täglich einzudämmen. Seit Juli diesen Jahres erfolgt der Einlass im Zweischicht-Betrieb. Morgens, 6-12 Uhr, und mittags, 12-17 Uhr). Ein Erwachsener ausländischer Besucher zahlt zurzeit (Oktober 2017) 70 US-Dollar für den Eintritt.

Busse vor Ort

Der Bustransfer von Aguas Calientes (Zugendstation) bis hinauf (8 km) kostet extra (Hin- und Rückfahrt zurzeit 20 US-Dollar , man kann aber auch laufen. Dafür sind knapp 30 Busse im Pendelbetrieb im Einsatz, die die Serpentinen kunstvoll hinaufscheppern. Auf dieser Strecke verkehren ausschließlich die offiziellen Busse. Wer hin will muss früh raus.

Wir entschließen uns um 6 Uhr von unserem Hotel aufzubrechen. Als wir zur Bushaltestelle kommen, ist die Schlange schon gute 100 Meter lang. Doch es geht zügig voran. Die ankommenden Busse wenden, fahren zum Haltepunkt und nehmen 29 Passagiere mit. Danach brausen sie los. Der Ablauf ist sehr reibungslos (Tipp: in Fahrtrichtung rechts sitzend, hat man den schöneren Ausblick).

Machu Picchu kann man sicher auf eigene Faust besichtigen, einen Guide würde ich aber dringend empfehlen, vorausgesetzt, es ist ein guter. Deshalb sollte man mit den Personen, die sich am Eingang als Guide anbieten, vorsichtig sein. Tourguide ist kein geschützter Berufsbegriff, die Qualität kann sehr unterschiedlich sein. Hier wieder die Empfehlung: Vorher suchen und buchen. Unser Guide hier, wie auch auf dem Rest der Reise, war von Condor Travel. Kann ich guten Gewissens weiterempfehlen. Mitunter sind sogar deutschsprachige Guides verfügbar. Englisch sprechen aber fast alle.

Ist man erstmal drin (die Abfertigung am Eingang ist flott, vorausgesetzt man hat seinen Reisepass griffbereit), steht man schon sehr bald vor der ziemlich beeindruckenden Ausgrabungsstätte. Wer hier wann was entdeckt hat – so genau scheint das niemand zu wissen, ist recht kompliziert und würde den Rahmen sprengen. Dafür gibt es Bücher zum nachlesen. Erstmal rein.

Einbahnstraße ohne Mülleimer und Klos

Die Anlage ist als Einbahnstraße geplant. So wird versucht, die Touristenströme halbwegs im Zaum und auf den ausgewiesenen Wegen zu halten. Setzt sich doch mal wieder ein Video-Blogger oder Selfie-Verrückter über die Regelung hinweg, um die ultimative Perspektive zu finden, gibt es einen Anpfiff. Überall auf dem Gelände gibt es Wächter, die darauf achten, dass sich die Besucher respektvoll verhalten und nicht auf den Ruinen rumklettern. Sie haben – unschwer zu erraten – jede Menge Arbeit. Mülleimer gibt es kaum, den wird man erst am Ausgang los. Toiletten gibt es ebenfalls nur am Eingang.

Noch’n Tipp: So früh wie möglich kommen. Gegen Mittag ist Rushhour in Macchu Picchu. Dann sind manche Wege völlig verstopft. Und auch das Café ist voll. Die Preise sind für peruanische Verhältnisse schwindelerregend, für europäische Besucher bewegt es sich noch halbwegs im Rahmen, wenn man bedenkt, wo man sich befindet. Ein großer Hotdog für umgerechnet 4 Euro ist kein Schnäppchen, macht aber auch nicht gleich arm.

Auf zum Sonnentor

Wer den Massen aus dem Weg gehen will, sollte die Kurzwanderung zum Sonnentor wählen. Auf dem letzten Stück des Inka-Trails geht es dann eine Dreiviertelstunde auf grobem Pflaster links hinauf. Einfach nach dem Eingang links den Pfad nach oben nehmen. Dort, wo dann alle stehen und Selfies knipsen, nochmal links abbiegen und zunächst entlang der Mauer laufen. Nach wenigen hundert Metern seid Ihr fast alleine. Und: Am Ende angekommen, belohnt Ihr Euch mit einem fantastischen Panorama des Urubamba-Tals mit den berühmten Ruinen.

Beste Reisezeit ist übrigens von April bis Ende Oktober. Im November beginnt dann die Regenzeit. Da soll es dann ziemlich feucht und neblig werden.

Unterkünfte, Essen und Trinken

Besucher von Machu Picchu müssen quasi eine Nacht in Aguas Calientes einplanen. Das merkt man. Die Auswahl an Unterkünften im 4000-Einwohner-Dörfchen das,oh Wunder, ausschließlich vom Tourismus lebt, ist groß. Und natürlich nimmt man es auch hier von den Lebenden. Wären ja auch schön doof, wenn sie das nicht täten.

Gastronomisch gibt es auch jede Menge Auswahl. Für Südamerika ungewöhnlich ist es, auf der Straße von Leuten mit Speisekarten angequatscht zu werden, die einen in ein Restaurant lotsen wollen. Pizza, Burger, Pasta gibt es da für vergleichsweise kleines Geld, die Konkurrenz ist halt groß. Auch Cuy, also Meerschweinchen, findet man auf der Karte. Ruhig und zurückgezogen kann man sich dort kaum bewegen. Aguas Calientes ist ein kleiner Partyort. Die Touristen tun ihr Übriges.

Es ist schon ein ausgesprochenes Glück für Machu Picchu, dass es so tief abgelegen liegt, dass sich die Besucherströme gut kanalisieren lassen. Was die Behörden auch konsequent tun. So lässt sich der Besucherdruck, der jährlich wächst, halbwegs in geordnete Bahnen lenken und die geheimnisvolle Stadt noch einige Zeit für die Nachwelt erhalten. Wer aber hin will, sollte dennoch nicht warten. Es wird im Zweifel immer enger dort oben.