Kindergeburtstag: Eislaufen bei 35 Grad

Gegen 35 Grad Außentemperatur anzukühlen ist nahezu unmöglich. Erst recht, wenn die Oberfläche so groß ist, wie bei einer Eislauffläche. Eislaufen? In Rio? In den Tropen? Wie bekloppt ist das denn?

Die Eisfläche ist stumpf – die Maschine zum glätten gibt es hier nicht. Und sie ist wellig, das bekommt man vor allem beim Kurvenlaufen zu spüren. Und an manchen Stellen stehen gelbe Klappschilder zur Warnung. Aber nicht: Vorsicht, frisch gewischt! Sondern: Achtung: Loch im Eis. Etwa einen Zentimeter unterhalb der Eisdecke kann man die Kühlleitungen sehen.

Ökologischer Irrsinn

Wie gesagt: Es ist völlig bekloppt in einem Land wie Brasilien überhaupt an so etwas wie Eislaufen zu denken ist, aus ökologischer Sicht völliger Unfug, wenn man den immensen Energieverbrauch bedenkt. Aber für derartige Aktionen ist Brasilien bekannt. Mich erinnert das an den Film „Cool runnings“ oder der Skilaugläufer aus Venezuela, der bei der WM das erste Mal auf Schnee fuhr und vorher nur trocken geübt hatte.

Doch wir brauchten etwas für den Kindergeburtstag. Ursprünglich hatten wir an einen Klettergarten gedacht. Denn wenn man schon die Kinder beider Schulklassen einladen muss, dann sollen sie sich wenigstens bewegen und auspowern und nicht irgendwelche geschlossenen Räumlichkeiten zerlegen.

Doch mit dem Kletterpark war nicht so leicht. Mit der Firma, die diese Geburtstagsfeiern im Kletterpark direkt organisiert, waren wir uns schon einig. Ich wartete bereits auf die Buchungsbestätigung. Doch so leicht geht das im bürokratisch verdorbenen Brasilien nicht. Erst einmmal, so erklärte man mit in der elften oder zwölften Mail, müsse ich die Parkverwaltung um Erlaubnis fragen, da es ein öffentlicher Park sei. Aber Ihr bietet das doch offiziell im Park selbst an, da sollte man doch meinen…. Nein, sollte man nicht. Bitte an die Parkverwaltung wenden.

Habt ihr Stühle dabei? Fragte einer der Parkmenschen.

Himmelswillen, woher soll ich das wissen, dachte ich.

Also, wenn diese Firma Stühle benutzt, dann haben wir Stühle dabei, schrieb ich zurück. Merkwürdig, dachte ich. Kennen die denn nicht dieses Unternehmen. Und klärt das Unternehmen nicht seinerseits schon alles Denkbare mit der Parkverwaltung ab? Warum muss ich das nun erledigen?

Reger Mailverkehr

Wir mailten uns noch einige Male, klärten weitere Details, bis der Parkwächter schrieb: Der nächste freie Termin ist am 7. Oktober.

  1. Oktober? Wir wollten doch den 16. September! Nein, am 16. September sei nichts frei, frühestens der 7. Oktober ginge. Tolle Wurst. Da weiß offenbar der eine nicht, was der andere tut, oder besser: es scheint ihn nicht zu interessieren.

Inzwischen bekomme ich eine Mail von der Partyfirma. Hat alles geklappt? Ich hab die Faxen inzwischen relativ dicke. Schreibe zurück, was die Kacke soll ob man mich verarschen wolle und dass mich dieses Gehampel stark an den Sozialismus erinnere. Google-Translator half mir dabei. Wir hatten mit Karla die Kraftausdrücke noch nicht durchgenommen.

Dem Parkheini schicke ich nur ein kurzes „nein, wir wollten am 16. September feiern, dann haben wir kein Interesse mehr“. Dochwas nun? Die Eltern der Whatsapp-Gruppe waren bereits informiert, schließlich mussten wir ja eine ungefähre Teilnehmerzahl angeben. Wir standen wieder ganz am Anfang, hatten aber zehn kostbare Tage verloren.

Geburtstag im Kindertheater? Ein Kochkurs? Klar war für uns nur, wir wollten diesmal nicht alles selbst organisieren und backen. Hingehen, feiern, gehen und andere aufräumen lassen – so war der Plan.

Welche Deko?

Wie wäre es mit Eislaufen? Fragte Wiebke. Aus oben genannten Gründen winkte ich ab. Außerdem ist die Eisbahn in irgendeiner Shoppingmall draußen in Barra. Doch nach ein paar weiteren Mails und anderen Rückschlägen fand ich Eislaufen irgendwann gar nicht mehr so schlecht. Nun überforderte uns nur noch die Auswahl der Dekoration des Festraums.

Thema Flamengo? Ella: Ja! Edgar: Nö.

Fluminense? Engar: Ja!!! Ella: auf keinen Fall.

Ella: Ich will Pferde!

Edgar: Wieso nicht FC Barcelona oderStar Wars?

Peppa Pig? Scooby Doo? Captain America? Spiderman? Nö, Ja, nö, nö, nö….

Kein Konsens in Sicht. Sollen wir mal fragen, ob sie auch d.p.a. machen? Das ist nix mit Zeitung, sondern eine TV-Detektivserie für Kinder, ähnlich den Drei ?. Edgar: Jaaa! Ella: Jaaa! – Gott sei Dank!!

Der Rest ist easy. Es gibt kleines Salzgebäck (Salgadinhos), Brigadeiros und eine Torte, dazu diverse Softdrinks. Alles mit drin. Nur noch bezahlen und auf Wiedersehen am 16. September. So mag ich das. Jetzt nur noch überweisen.

Das haben wir anscheinend für brasilianische Verhältnisse schnell gemacht. Denn nach dem Eislaufen (1,5 Stunden) durften die Kinder nebenan auch noch zwei Bowlingbahnen malträtieren (kann man nicht anders sagen). Aber da stets zwei Mattesse von der Bahn daneben standen und nichts sagten, war wohl alles okay. Wäre es eine Kegelbahn in Deutschland gewesen, hätte uns der Wirt hundertprozentig geköpft.

Bringt warme Socken mit – hatte Wiebke in der Einladungsnachricht an die Eltern geschrieben. Hatte wohl nicht jeder gelesen. Doch wir hatten vorgesorgt. Wer aufs Eis will bekommt Schlittschuhe (logisch), einen Helm (mit Haarnetz wegen der Hygiene – wobei Ellas Helm so stank, dass sie fast auf das Eis kotzte). Handschuhe, mit Innenhandschuhen aus Plastik und ab. Ein wenig sah es aus, als gingen wir nicht zum Eislaufen, sondern würden eine Wurstfabrik besichtigen.

Da die Resonanz auf dieses Event nicht so riesig war, wie zuvor beim Klettern, hatten wir noch ein paar Freunde zusätzlich eingeladen –aber wie dem auch sei: Die Kinder hatten Spaß, wir hatten wenig Arbeit. Also: alles be