Hennes Redentor singt für die Deutsche Welle

Morgens, halb 10 in Brasilien, genauer: Rio de Janeiro, Copacabana, Avenida Atlantica Höhe Posto 5. Wer sich so früh morgens dort alleine wähnt, liegt falsch. Gleich neben dem Poste jede Menge grüne Männchen – die örtliche Anwaltsgilde hat seine Mitglieder zum sportlichen Miteinander aufgerufen. Ob sie schon gelaufen sind, oder erst noch starten wollen? Wurscht. Wir sind wegen Wichtigerem hier.

Anfang der Woche kam eine Mail von Georg. „ Jetzt wird es ernst Männer, wollen wir das machen?“ fragte er darin. Die Deutsche Welle hatte Kontakt zu ihm aufgenommen. Für ihr Bundeslige-Magazin Kick-off suchen sie Fußball-Fanclubs aus aller Welt, die bereit sind, sich in 1 Minute Sendezeit zum Affen zumachen und irgendwelche Fangesänge zu singen. Und irgendwie haben sie dort spitz bekommen, dass es ja in Rio seit einiger Zeit den 1. FC Köln Fanclub „Hennes Redentor“ gibt. Und den wollen man nun fragen, ob er nicht vielleicht… Also von mir hatten die das nicht. Doch egal. „Welch Frage!“ lautete meine Antwort. Also gut: Treffpunkt Samstag 10.30 Uhr Copacabana, an besagtem Posto 5.

Der Taxifahrer hat seine helle Freude an uns. Drei Mann im Trikot, Wiebke mit rotem T-Shirt. Wem das nicht eine Steilvorlage zum Smalltalk über Fußball ist, gehört entweder zu den 0.001 Prozent Brasilianern, die sich tatsächlich nichts aus der Kickerei machen (einen dieser Minderheit zu treffen, käme jedoch einem Lottogewinn gleich), oder manisch depressiv.

Unser Taxler ist keins von beidem. Welcher Club das sei? Aha, Köln – nie gehört! (er lacht herzlich). Er sei Fan von Fluminense. Ob wir auch brasilianische Teams mögen? Da sind wir uneins. Ella mag Flamengo, Edgar Fluminense und ich eher Botafogo (wir wohnen im gleichnamigen Stadtteil, ansonsten lässt mich die Liga eher kalt). In Rio bedeutet diese Streuung eine Trefferquote von 75%.

Was wir denn so am Strand wollten? Will er wissen. Wir erklären, dass wir Teil eines Fanclubs sind, uns dort treffen, um zu singen. Inzwischen sind wir in Leme, nicht mehr viel Zeit, alle Einzelheiten zu klären. Wieviele wir denn seien? Insgesamt? Na so um die 10?!? Er lacht wieder. „Na, dann passt ja euer Fanclub in einen Kleinbus!“ Kurz drauf wünscht er uns viel Spaß und braust weiter. Wir sind natürlich die ersten.

Kurz nach Eingang der Mail begann die große Rotation. Vier waren wir bei der Gründung. Daniel ist zurzeit noch in Europa unterwegs. Bleiben nur noch 3. Fällt dann noch einer aus? Gottogott. War die Zusage vielleicht doch etwas voreilig? Gut, Wiebke und die Kinder… Aber 10-15 sollten wir schon sein. Zum Glück haben wir begeisterungsfähige Freunde und Bekannte. Marco, Carioca und an sich eher wenig fußballaffin, braucht nicht lange überredet zu werden. Er wird kommen. Cléo, unsere Babysitterin, auch. Vielleicht an der deutschen Schule wer? Wiebkes Kollege Olaf muss ich wohl etwas überrumpelt haben. Er ist ja eigentlich Mainz-Fan und was, wenn das die Freunde in Deutschland erfahren? Er kommt trotzdem. Volker, ein weiterer Kollege Wiebkes, der auch die Fanclub-Idee bislang interessiert verfolgt hatte, steht auch pünktlich am Strand. Dazu noch ein paar Wackelkandidaten, die sich noch nicht festlegen wollten.

Bremer, Mainzer, Freiburger – alle helfen aus und singen mit

Isaac (eigentlich Werder) kann Georg die Bitte nicht abschlagen und kommt, außerdem der Freiburger Michael. Thomas, der eigentlich schon abgesagt hatte, ist auch plötzlich da, hat aber wenig Zeit – wir müssen uns sputen.

Als die Reporterin eintrifft, liegen schon diverse Accessoires – darunter Handtücher und der legendäre FC-Kulttoaster von Georg – im Sand, markieren unser Revier. Ein Glück hat Georg Boxen für das i Phone – wir können also Halbplayback singen.

Drei Mal singen wir die Hymne, stets mit wechselnden Statisten; Strandverkäufer, die sich gerne in den Dienst der guten Sache stellen, auch wenn sie keinen Ton davon verstehen, was da gerade um sie herum wirklich passiert. Doch die Leute sind fröhlich, sind verkleidet und haben Spaß, ein Bisschen wie beim Karneval – das passt dann doch ganz gut. Dass es inzwischen relativ voll am Strand geworden ist – egal, wir schmettern unbeirrt die FC-Hymne. Einer der rennenden Anwälte, der uns einige Zeit beobachtet hatte, nimmt plötzlich Anlauf und hoppelt gorillamäßig durch die Optik. Netter Spezialeffekt.

Eine knappe Stunde später ist der Dreh im Kasten. Gut so, denn nachmittags wollten wir ja zum Wieninger gehen, dort war Schnitzeltag. Ein würdiger Ausklang.

Und wann ist das nun zu sehen? Aller Voraussicht nach am Sonntag, 20. August, auf der Deutschen Welle beim Magazin Kick-off. Weil das aber wohl niemand empfangen kann, werden die Videos auch auf der Facebookseite der Deutschen Welle: https://www.facebook.com/pages/Deutsche-Welle-DW-TV/180977382000480 

Und da es auch einen Preis zu gewinnen gibt, möchte ich Euch bitten, das Video dort möglichst zahlreiche  zu liken und zu teilen!