Next exit Rödelheim: Große Erwartungen und lange Listen

Eigentlich ist es nicht länger als ein Urlaub. Drei Woche, die wir Rio verlassen werden. Doch die Kinder reden seit einiger Zeit ständig davon. „Ich bin schon ganz aufgeregt“, sagte Edgar vor ein paar Tagen. Am Freitag geht es auf Heimaturlaub. Anderthalb Jahre sind rum, seit wir losflogen. Was wir alles erlebt haben seither – ihr werdet es teilweise hier verfolgt haben. Nun also statt Frankfurt –Rio heißt es Rio – Frankfurt. Und auch wenn es eben nur die Winterferien sind. Es fühlt sich ein wenig mehr nach Abschied an. Ich weiß es genau: Sind wir erst mal wieder da, in Rödelheim, in Altendorf, dann wird Brasilien, Rio, plötzlich weit weit weg sein.Wie eine Episode.

Das innere Maßband

Es ist doch erstaunlich, wie man gewisse Dinge, die einen 40 Jahre lang prägten, nicht mehr loslassen. Jedes Mal wenn ich auf dem Laufband stehe und brav meine Strecke runtertrabe, versuche ich mir die nüchternen Zahlen der Digitalanzeige in erlebten Maßstäben zu verbildlichen. Nach ca. 20 Minuten bin ich bei 3 Kilometern. So weit war es von Altendorf bis zum nächsten größeren Ort Meckenheim. 5 km bis zum Tomberg und zurück, 6 km bis Rheinbach, der Ort, wo ich zur Schule ging. Diese Strecken bin ich tausende Male gefahren (worden). Immer wieder. Das brennt sich ein. Selbst als ich las, der Strand von Copacabana sei gute 3,5 km lang, packte ich mein gedankliches Maßband aus Kindheit und Jugend aus. Verrückt. Aber irgendwie ja auch ganz nett.

Die Souvenirs jedenfalls sind gekauft und verstaut, ebenso Dinge, die wir hier wahrscheinlich nicht mehr brauchen werden, aber gerne in Deutschland hätten – etwa die Cargo-Hose, die ich in Deutschland kaufte, die aber eher etwas für europäisches Klima ist. Hier geht man da drin kaputt. Und natürlich alle wichtigen Dinge für die Steuern. Wobei da ja das meiste digital geht heutzutage. Ja, und auch der Rechner. Ein wenig arbeiten werde ich leider auch müssen.

Souvenirs verstaut, Einkaufsliste geschrieben

Natürlich, die Erwartungen sind hoch. Riesig vielleicht sogar. Seit Wochen schon haben wir auf einer Einkaufsliste alle die Dinge gesammelt, die wir hier vermisst haben und die wir auf jeden Fall mit hierher nehmen wollen. Darunter so wichtige Dinge wie Hela Gewürzketchup, Spannbettlaken, Dosenleberwurst, allerhand Büromaterial (gibt es hier, ist aber sehr teuer).

Eigentlich sind es Kleinigkeiten. Nichts, ohne dass wir partout nicht weiterleben könnten. Inzwischen haben wir allerhand ausfindig machen können hier. So gibt es Apfelmus im Glas in dem einen Laden, die richtigen Gewürzgurken im anderen. Guten Käse hier, das besser Brot dort. Wurst haben wir uns komplett abgewöhnt. Dafür haben wir seit dieser Woche eine Bezugsquelle für Laugenbrezel. Und was man eben nicht beschaffen kann, wird improvisiert. Oder man freut sich darauf, es in den nächsten Wochen in Deutschland zu finden.

Vorfreude auf ein Döner

Gelb- und Fleischwurst vom Metzger, die Croissants und Kümmelbrötchen von Huck, Brioche vom Eifler, das Holzofenbrot von Graffs. Käse! Her damit – Commander Picard sieh Dich vor. Joghurt mit Früchten. Dass das darin nicht unbedingt echte Früchte sind, ist mir auch klar. Oder: Ein Döner.

Man muss sich das vorstellen: 6,5 Millionen Menschen leben in Rio de Janeiro, eine Hafenstadt, für viele Ankommende der erste Ort, auf den sie in Brasilien oder Südamerika einen Fuß setzen. Aber Döner? Döner gibt es hier nicht. Müsst ja gar nicht an jeder Ecke sein für zwei- dreifuffzich. Aber vielleicht so ein akzeptabler Laden in jedem Stadtteil? Ach was, in der Südzone würde ja reichen. Oder ein Thai-Restaurant. Ich ahne Euren ungläubigen Blicke aber echt, es ist so: Ein Thai-Restaurant konnten wir bisher in Rio noch nicht finden.

Immerhin Pizza gibt es hier – aber auch nicht so selbstverständlich oft und gut wie in Deutschland, oder bei Rusticale. Gott sei Dank haben die während unseres Urlaubs wenigstens eine Woche geöffnet. Oder einen Griechen, oder ein China-Restaurant. Gut, China-Restaurant gibt es: 1. In Worten: Eins! Ja. Uns was haben wir uns gefreut, als wir vor einer Woche in der Innenstadt, in einer quirligen Seitengasse im Geschäftsviertel Saara über einen chinesischen Imbiss stolperten. Dort gab es zwar hauptsächlich Bubbletea, aber auch Wantan. Immerhin! Aber wir freuen uns ja nicht nur darauf, uns die Bäuche vollzuschlagen.

Freude auf Familie und Freunde

Wir freuen uns auch sehr, möglichst viele Familienmitglieder, Freunde und Bekannte wiederzusehen – hoffentlich sind nicht zu viele zur selben Zeit im  Urlaub! Bei den meisten ist es ja nun auch schon ein Weilchen her. Um möglichst allen irgendwie halbwegs gerecht werden zu können, haben wir den Urlaub verplant. Ja, es klingt pervers, den Urlaub verplanen. Aber was willste machen, wenn dazwischen auch noch Arzt- oder Banktermine sein müssen. Hoffentlich klappt das alles so, wie wir, wie Ihr Euch das vorgestellt habt.

Nach Erholung klingt das aber nicht? Wer sagt das? Es wird zwar alles etwas geballt ablaufen, aber hey, es gibt auch eine ganze Menge zu erzählen, denke ich. Also, bis bald! Até logo!