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Unfall bei der Sambaparade – ein Teilnehmer schildert seine Eindrücke

„Für mich war es ein Karneval, den ich gerne komplett vergessen möchte“, sagt Chris Quado Couto. Der 36-jährige Percussionist nimmt seit 2007 mit der Sambaschule Unidos da Tijuca an der großen Parade in Rio de Janeiro teil, gewann mit der Truppe diverse Male den Titel der besten Sambaschule.

Vergangenen Montag geschah es dann: Bei einem Wagen der Sambaschule stürzte ein aufgesetztes Stockwerk ein, zwölf Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Erstmals in der Geschichte der Sambaparaden ereignete sich ein solcher Unfall, heuer sogar der zweite. Denn auch am ersten Abend gab es verletzte, als ein Wagen die Kontrolle verlor und und in eine Menschenmenge fuhr.

Chris Quado Couto erinnert sich an den Abend:

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Bei der Parade vor einigen Jahren. Foto: Privat

„Es war grauenhaft. Ein Erlebnis, was man schnell wieder vergessen möchte. Anfangs haben wir gar nicht gewusst, was passiert ist. Wir dachten zunächst nur, es hätte ein Problem gegeben und wussten gar nicht, dass da ja auch verletzte sind. Wir haben nur gesehen, dass der Wagen stand und sich nicht bewegt hat.“

„Dann fuhren irgendwann zwei Krankenwagen durch. In dem Moment wussten wir, da ist etwas ernsthaftes passiert.“

„Dann haben wir versucht, zu sehen, was war. Das ganze war aber nicht einsehbar, wir mussten ja spielen. Es war nicht zu erkennen. Irgendwann haben wir gesehen, dass Feuerwehrleute auf dem Wagen sind und irgendwie hineingeschaut haben.“

„Ein ganzes Geschoss der Wagenaufbauten ist eingebrochen und in den Wagen hineingefallen. Wir haben versucht weiterzuspielen. Wir haben nachher erst erfahren, was wirklich passiert ist.“

Social Media

„Wirklich sehr schade ist, was sich nachher in den Sozialen Medien etwa auf Facebook abspielte. Posts wie ‚das geschieht Tijuca recht“ oder ‚hoffentlich steigen sie jetzt ab‘ wurden dort geschrieben. Klar gibt es eine Rivalität. Aber es geht doch in erster Linie um die Menschen, die sich da verletzt haben und sogar in Lebensgefahr schwebten. Das kann ich ehrlich gesagt nicht verstehen.“

„Denke, da sollte es in erster Linie um die Leute gehen, die da gerettet werden müssen.“

„Aus Deutschland hat man nur gehört: Da ist ein Unfall, viele Verletzte, trotzdem ging es weiter – wie kann man nur. Natürlich hat das auch wieder ein schlechtes Licht auf Brasilien geworfen.“

Abbrechen oder weitermachen?

„Allerdings: Erstens ist es nicht so einfach, eine Parade abzubrechen. Das ist ja so noch nie passiert. Wer würde das entscheiden? Jemand von der Sambaschule? Der Präsident der Harmonia? Der Präsident der Liga? Oder die Feuerwehr? Schwer zu sagen, wer da entscheidet.

Zweitens, denke ich, dass es besser was, weiterzumachen. Denn das Sambodromo hat keine richtigen Ausgänge. Das ist ein bisschen, wie ein Gefängnis. Nach hinten geht nicht – da stellt sich schon die nächste Sambaschule auf. Nach vorne geht nicht, da ist der Rest der Sambaschule. Leute, die aufgehört hätten, hätten mitten auf der Straße gestanden. So leid es mir tut, aber so gut wie ich die Brasilianer kenne, wären die sofort mit dem Handy zur Unfallstelle gelaufen um zu gucken und ein Live-Video auf Facebook zu posten. Deswegen glaube ich, war es schon besser so.“

„Wir hätten im nächsten Jahr versucht, wieder aufzusteigen. So ist das Leben, sowas passiert.“

Wer ist Schuld?

„Weiß nicht, wo man einen Schuldigen suchen soll. Wenn da jemand etwas für konnte, dann vielleicht der Ingenieur, der den Wagen gebaut hat. Oder der TÜV. Die Wagen werden ja geprüft. Die sollten den ganzen Bewegungen standhalten.“

„Sehr trauriger Karneval aus verschiedenen Gründen.“