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Karneval in Rio 2017: Tipps, Tricks und alle Blocos

IMAG1156Von Karneval kann man ja halten, was man will. Es gibt Menschen, die verlassen die Stadt fluchtartig und weiträumig, andere zahlen sauteure Flüge und überteuerte Hotels, um den Mythos Karneval in Rio zu erleben. Ich bin Jeck. Nein, ich komme aus dem Rheinland, das Jecksein habe ich mir abgewöhnt. Es ging mit meinem beruflichen Werdegang einher.

Als freier Mitarbeiter einer Lokalzeitung im Rheinland wares natürlich oberstes Gebot, vom 11.November an bereit zu stehen. Proklamationen im Dutzend, ab Januar der Sitzungskarneval. Ich erinnere mich mit Schaudern an Weiberfastnacht (Schwerdonnerstag anderswo), wenn man zu fortgeschrittener Stunde den Saal betritt. Die Luft, eine Mischung aus Bierdunst, Prosecco, süßlichem Eau de Müff; Kätzchen, Krankenschwestern, Teufelchen stehen auf Tischen und Bänken, johlen und klatschen bei jeder zotigen Büttenrede. Und wenn man richtig Pech hatte, kniffen sie dem jungen Reporter in den Po. Je oller, je doller. Die meisten wissen davon am nächsten Tag zum Glück nichts mehr. Filmriss, tilt, Format C.

Wenn ich dann, nachdem ich sieben bis neun Sitzungen abgetingelt bin, in die Kneipe stürzte, wo ich meine Kumpels beim Feiern wähnte; und beinahe beim Betreten in der Biersitsche ausrutschte –  war aufholen unmöglich.

Später in Mainz war es meine Aufgabe, nach dem Rosenmontagszug durch Urisflüsse und Erbrochenes zu waten, um die Abgründe dieses Brauchtumsfestes zu beleuchten. Irgendwann hat man dann keinen Bock mehr zu feiern. Muss ja auch nicht sein.

Erst mit den Kindern näherten wir – der Karneval und ich – uns wieder an. Klar, auch die Pänz sollen etwas von meiner kulturellen Herkunft mitnehmen (Edgar schwört seither auf die Bläck Fööss-Band, wie er sie nennt). Und Kamelle und sowas mögen die ja auch. So nutzten wir die Karnevalstage zum Abstecher im Rheinland und den Besuch einiger kleinerer Umzüge.

Dass natürlich Rio dann ein idealer Ort für ein derart gespaltenes Verhältnis ist – geschenkt. Die Stadt ist groß genug für uns beide, man kann sich prima aus dem Weg gehen. Höchstens die Sambaparade im Sambodromo würde ich mir anschauen, würde sie nicht die ganze Nacht dauern. Ein, zwei Sambaschulen, tschö mit ö, dicker Hammer, Nacht zusammen.

Dann gibt es noch die Blocos. Das ist der Straßenkarneval Rios. Menschen versammeln sich (ein paar hundert bis mehrere hunderttausend), trinken Bier, tanzen wie in Trance zur Sambamusik. Mich erinnert das mehr an Love-Parade als an Brauchtum. Manchmal setzt sich dann etwas in Bewegung. Oft aber auch nicht. Man steht herum, beobachtet, wartet – und es passiert nicht allzu viel.

Nichtsdestotrotz: Hier habe ich einen Link gefunden, der einen Großteil der Blocos der nächsten Tage auflistet. Wer also will, der kann sich nach Herzenslust ins Getümmel stürzen. Und am Aschermittwoch ist alles vorbei? Denkste! Mindestens eine Woche mach Karneval gibt es immer noch vereinzelt Blocos.

Ein paar Tipps noch:

Nur soviel mitnehmen, wie nötig. Kreditkarte und Dokumente zu Hause lassen. Geld in die Hosentasche. Taxigeld für Rückfahrt einkalkulieren.

Keine Getränke von Fremden annehmen (Stichwort: KO-Tropfen).

Wachsam sein – manchmal entstehen aus dem Nichts Gedränge und Aufruhr (wenn zB ein Taschendieb sich ungeschickt angestellt hat und erwischt wurde).

Immer wieder darauf achten, wo man sich aufhält. Nicht abdrängen lassen. Hat man die Orientierung verloren, besser Taxi rufen und heimfahren.

Zwischendurch auch mal ein Wasser trinken – es ist Sommer!

Ansonsten: Den Moment genießen!

Agenda dos Blocos de Rua do Rio de Janeiro em 2017