Polizeistreik in Rio? – Fake-Dokument warnt vor Zuständen wie in Vitória

Zunächst machte die Nachricht bei Whatsapp die Runde. „Bevölkerung von Rio“ heißt es heute Vormittag darin. „Verlasst nicht Euer Haus am kommenden Freitag (10. Februar) von Tagesanbruch bis sechs Uhr nachmittags.“

„Rio wird chaotisch sein“, steht weiter darin. Grund: „Wir fordern die ausstehenden Gehälter an diesem Tag.“ Und außerdem wolle man das fehlende 13. Gehalt, Sonderzahlungen wegen Überstunden bei den Olympischen Spielen, Nachtzuschläge und weitere Gelder eintreiben, die der Bundesstaat Rio de Janeiro den öffentlichen Angestellten seit Monaten schuldet.

Hier schien nun den Polizisten der Geduldsfaden gerissen. Und um der Sache noch etwas Nachdruck zu verleihen, verglich man in dem Schreiben, das, was Rio dann bevorstünde, mit den Zuständen in der Stadt Vitória.

Dort, in der Hauptstadt des Bundesstaats Espirito Santo, streikt seit vergangenem Samstag, 4. Februar, die Militärpolizei. Zumindest ist das das Ergebnis. Da die Polizei in Brasilien kein Streikrecht hat, sind es die Angehörigen der Polizisten, die die Zufahrten zu den Kasernen der Polizei verbarrikadieren. Das Resultat: Polizisten können weder rein noch raus. Seit Tagen blockieren die Ehefrauen der Polizisten Zufahrtswege zum General Command of Espírito Santo PM, dem Zentrum der Proteste mit brennenden Autoreifen. Läden werden aufgebrochen und geplündert, Menschen, die sich noch auf die Straße trauen – ob zu Fuß oder mit dem Auto – werden überfallen, ausgeraubt, getötet. 75 Menschen kamen laut Zeitung O Globo innerhalb von vier Tagen ums Leben.

Der Streik dauert an. Am Dienstag entsandte die Regierung 200 Soldaten, um die Situation in der 320.00 Einwohner zählenden Stadt zu entschärfen. Dort haben sich die Proteste zu regelrechten Straßenschlachten ausgeweitet.

Unklar ist jedoch, in wie weit die in Rio kursierende Warnung echt ist, oder ob es sich um eine Fälschung handelt. Kritiker, die die Echtheit bezweifeln vermuten dahinter einen Versuch um Panik zu schüren, um so den Druck auf den Gouverneur zu erhöhen. Es gibt aber auch etliche Stimmen, die das Schreiben durchaus als ernst gemeint ansehen.

Laut einem Artikel des Boulevardblatts „Extra“ vom späten Nachmittag soll es sich jedoch um ein Gerücht handeln. Die Militärpolizei dementiert darin die Echtheit des vermeintlichen „internen Schriftstücks“.

 

Protest sei grundsätzlich legitim, nicht jedoch, indem man weite Teil des öffentlichen Lebens lahmlege, heißt es dort.

Das Dokument sei nicht von der Leitung der Militärpolizei verfasst worden heißt es auf der Facekookseite der  Organisation immer und immer wieder als Antwort auf die zahlreichen Kommentare.

 

Der Artikel war bis zum Abend mehr als 6500 mal geteilt worden. Wer aber das allem Anschein nach gefälschte Dokument in Umlauf gebracht hat, bleibt unklar.

 

Update,10.2.17, 20.20 Uhr.

Das Generalkonsulat hat heute diesen Brief an deutsche Einrichtungen geschickt.

„Vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse in Espirito Santo beobachtet das Generalkonsulat die Entwicklung der Sicherheitslage in Stadt und Bundesland Rio de Janeiro genauestens und steht im engen Kontakt mit den lokalen Sicherheitsbehörden und Generalkonsulaten anderer Staaten. Zugleich hat das Generalkonsulat seine Krisenvorsorge intensiviert.

Wir möchten Sie bitten, auch Ihrerseits über Vorsorgemaßnahmen nachzudenken.

So sollten Sie und Ihre Mitarbeiter an öffentlichen Plätzen die gewohnte Umsicht walten lassen, Demonstrationen und Menschenansammlungen meiden und sich über die lokalen Medien über die laufenden Entwicklungen und Ereignisse in Rio de Janeiro unterrichtet halten.

Selbstverständlich sollte sein, dass Sie und Ihre Mitarbeiter stets über einen ausreichenden Vorrat an Bargeld, Lebensmitteln und sonstigen Gütern des täglichen Bedarfs verfügen.

Schließlich möchten wir Sie auf die Möglichkeit hinweisen, sich in unserer elektronischen „Deutschenliste“ zu registrieren, um im Krisenfall zeitnah mit sicherheitsrelevanten Informationen versorgt werden zu können. Die Registrierung ist online über nachfolgenden Link möglich: http://www.brasil.diplo.de/Vertretung/brasilien/de/KonsularserviceNeu__dt/Deutschenliste_20und_20Krisenvorsorge__ELEFAND.html