15781714_10154880804111974_3150994195404648368_n

Wiederbelebte Innenstadt: Spaziergang zwischen Aqua Rio und Praca XV

15726821_10154880803936974_8031395947982438501_n38 Grad. Die Sonne knallt. Gerade aus dem reichlich unterkühlten Taxi ausgestiegen, trifft einen die Hitze wie ein Brett – Temperaturunterschied von jetzt auf gleich 20 Grad. Gut, dass es nicht weit ist zum Aqua Rio, der neuen Attraktion Rio de Janeiros. Nur 200 Meter bis zum Eingang.

Auf dem Weg dorthin Sicherheitsleute. An der neuen Attraktion will man in Rio offensichtlich sicherheitsmäßig nichts anbrennen lassen. Nur 200 Meter weiter ankern die großen Kreuzfahrtschiffe.

An der Ecke steht ein Mann mit Megaphon: „Heute kein Eintritt mehr möglich“ ruft er immer wieder. Ich traue meinen Ohren nicht, frage nochmals bei ihm direkt. „Kein Eintritt heute?“.

„Nur, wenn sie schon eine Karte haben. Ist ausverkauft.“

15697535_10154880804081974_6360187313881710655_n13 Uhr, Affenhitze, Sonne knallt und das Ausflugsziel des Tages ist uns diesmal unerreichbar. Vielleicht ein Wink des Schicksals: Ich hatte in meiner Kamera ohnehin keine Speicherkarte. Dennoch quetschen wir uns hinein. Vorbei an der Warteschlange. Innen, so hieß es, könnten wir Tickets für einen anderen Tag kaufen.

Das Foyer ist voll, da fällt vor lauter Leuten selbst das ausgestellte Walskelett nicht auf. Rechts in der Ecke drei Ticketautomaten. 80 Reais pro Erwachsenem, 40 für ein Kind. Für brasilianische Verhältnisse stolze Preise. 240 Reais für eine Familie, also 70 Euro umgerechnet. Dennoch ist der Laden voll. Und es sind nicht nur ausländische Touristen. Immerhin scheint die Attraktion angenommen zu werden – nicht nur wegen der Klimaanlage.

15741042_10154880803846974_7880678902510977432_nDas Aqua Rio bildet den Endpunkt einer Fläche, die für die Olympischen Spiele aufwändig städtebaulich auf Vordermann gebracht worden waren. Zwischen der Praca XV und dem Aquarium ist der Boulevard Olimpico entstanden. Eine Flaniermeile, ausgehend vom olympischen Feuer an der Kirche Nossa Senhora de Montserrate (lohnt auch einen Besuch) bis zur Praca Maua mit dem spektakulären Museu do Amanha (Museum von Morgen), ein reptilartiger Bau an der Praca Maua.

Dort hält auch die neue oberirdische VLT-Bahn („gesprochen We-elli-te“), ganzer Stolz des scheidenden Bürgermeisters Eduard Paes, und eines der Kernprojekte zur Verbesserung der Infrastruktur. Am anderen Ende des Platzes befindet sich das Museu de Arte do Rio (Erwachsene 20 Reais, Kinder und Rentner 10 Reais) – ebenfalls sehenswert, zumal der Rundgang oben beginnt, auf der Dachterrasse, die einen spektakulären Ausblick bietet. 2013 wurde es eröffnet. Von den Personen, die zur Eröffnung gekommen waren (siehe Plakette am Eingang) ist fast niemand mehr im Amt oder sitzt sogar im Knast. Brasilien ist schnelllebig.

15740773_10154880804036974_4169498046994099398_nRechts daneben die Avenida Rodrigo Alves, ein Abschnitt, der mir bislang noch fehlte. Dort verläuft die Trasse der VLT – der Rest ist zum Flanieren angelegt. Sonnenschutz gibt es aber nur an der Meerseite des Boulevards, unter den Vordächern der alten Lagerhallen.

Beim Bummeln dort kommt man auch an dem großen Graffito des Künstlers Eduardo Cobra vorbei. Der Künstler hatte anlässlich der Spiele ein 3000 Quadratmeter großes Mural geschaffen. Darauf zu sehen sind Vertreter indigener Bevölkerung aller Kontinente.

Frisch restauriert und gentrifiziert trifft an dieser Ecke immer noch auf halb verfallen – eine reizvolle Mischung. Was ein wenig fehlt ist ein gastronomisches Angebot. Diese Lücke wissen aber die fliegenden Händler halbwegs zu schließen.

Die Lagerhallen entlang des Boulevards erscheinen weitgehend leer. In manchen wird gewerkelt, andere scheinen als Parkhäuser genutzt zu werden.

Die Umgestaltung des Areals hatte viel Kritik geerntet. Zu unrecht, wie ich finde.

15726960_10154880803996974_5340929108696185967_nAuf alten Bildern sieht man, dass dort, wo heute flaniert wird, eine Hochautobahn verlief. Die Ecke war laut, dreckig und unsicher, eine richtige Schmuddelecke, an sehr zentraler Stelle. Niemand hätte dort freiwillig einen Fuß hingesetzt. Die Autobahn wurde abgerissen, ein Tunnel nimmt die frühere Verkehrsachse auf. Überall finden sich Tafeln, auf denen das frühere und heutige Aussehen des Areals gegenübergestellt wird.