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Silvesterparty in Copacabana – das sollte man wissen

Reveillon nennt der Brasilianer Silvester. Und wie überall auf der Welt (vermutlich mit Ausnahme des so genannten Kalifats des selbst ernannten Islamischen Staats) wird der Jahreswechsel als große Sause gefeiert. Die größte Silvestersause Rios, wahrscheinlich ganz Brasiliens, findet am Strand von Copacabana statt. Klar, da müssen wir hin.

Dabei war es lange gar nicht sicher gewesen, ob die große Party, zu der alljährlich rund 2 Millionen Menschen, vornehmlich in Weiß gekleidet, an den knapp 4 Kilometer langen Strand pilgern, überhaupt würde stattfinden können. Die Stadt und der Bundesstaat Rio haben sich bekanntlich bei der Ausrichtung der Olympischen Spiele finanziell verausgabt und jede Menge Kohle floss zudem in diverse Privattaschen in letzter Zeit. Die Festnahme von Ex-Gouverneur Sergio Cabral vor einigen Wochen, und die seines Amtsvorgängers, legten das ziemlich deutlich offen.

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Für nichts ist zurzeit Geld da: Angestellte des öffentlichen Dienstes warten auf Gehalt, die Polizei auf Benzin und Klopapier, die Studenten darauf, dass sie irgendwann weiterstudieren können. Der städtische Zuschuss für den Erhalt der Christusstatue Cristo Redentor auf dem Berg Corcovado wurde kürzlich gestrichen und selbst der gewaltige Weihnachtsbaum, 20 Jahre lang das Wahrzeichen mitten auf der Lagoa, blieb eingemottet, obwohl zum Großteil von Sponsoren finanziert.

Es knirscht an allen Ecken und Enden, die Arbeitslosigkeit steigt, die Wirtschaft will nicht anspringen und die Regierung beschließt, die Staatsausgaben auf 20 Jahre einzufrieren. Deshalb aber auf die Silvesterparty verzichten? Nein, auf keinen Fall. Das spektakuläre Höhenfeuerwerk am Strand von Copacabana wird allenfalls etwas kürzer ausfallen. Statt 23 nur rund zwölf Minuten. Dazu gibt es ein Unterhaltungsprogramm mit Live-Musik und allem Pipapo.

Warum auch nicht. Denn auch wenn die Stadt über die Kosten jammert: Das Feuerwerk ist einer der touristischen Höhepunkte des Jahres in Rio. Knapp 850.000 Touristen werden in der Stadt erwartet, etwa ein Sechstel der Gesamttouristenzahl Brasiliens pro Jahr. Sie werden überteuerte Hotelzimmer in Kauf nehmen, essen und trinken wollen und das eine oder andere Souvenir geht am Ende sicher auch mit (hier geht es zu den 10 besten Souvenirtipps). Es wäre also tatsächlich ausgesprochen töricht von öffentlicher Seite, die Sause abzublasen. Die Einnahmen, die die Stadt über Steuern und abgaben erzielt, sollten einiges höher sein als die Ausgaben.

Dieser Menschenauflauf bedarf einigerlogistischer Anstrengungen. Bereits am Samstagvormittag wird die Avenida Atlantica gesperrt. Die Vierspurige Ader trennt den Strand von den Hochhäusern und Restaurants der ersten Häuserreihe. Ab 22 Uhr am Abend wird der komplette Stadtteil für den Individualverkehr abgeriegelt. Wer dann noch nicht am Strand ist, ist nicht nur praktisch zu spät, er sollte auch die Metro nehmen. Sie ist verkehrstechnisch die einzige Hoffnung an diesem Abend.

Damit es nicht schon früh zum Chaos kommt, werden spezielle Tickets für die Anreise verkauft. Sie sind jeweils nur in einem bestimmten Zeitkorridor von einer Stunde gültig (z.B. 19-20 Uhr etc.). Kosten tun diese nicht mehr als herkömmliche Fahrscheine, nämlich 4,10 Reais.

600 Polizisten sind im Einsatz, hinzukommen Kräfte der Militärpolizei. Vier medizinische Posten mit 120 Sanitätern und 40 Ärzten gibt es dem vier Kilometer langen Strandabschnitt. Um dem Müllaufkommen Herr zu werden, wird die städtische Müllentsorgungsfirma Comlurb 646 Mitarbeiter ab- und mehr als 1300 Mülltonnen aufstellen. Hinterher werden 27 Müllautos den Dreck wieder verschwinden lassen.

Die Party am Strand von Copacabana ist nicht die einzige Feier des Abends. Ähnliche sind in Flamengo, Barra de Tijuca und diversen anderen Orten geplant.

Ah, wir haben übrigens Glück gehabt. Der Kollege eines Freundes hat ihm die Schlüssel für sein Appartment dagelassen, mit dem Auftrag, dort doch möglichst zünftig zu feiern. Das soll nicht das Problem sein. Von der Wohnung hat man einen freien Blick auf den Strand und letztlich auch das Feuerwerk – quasi ein echter Logenplatz. Nur das mit dem Raclette werden wir sein lassen. Es sollen 36 Grad erreicht werden am letzten Tag des Jahres.