Wir wünschen allen frohe Festtage

In 11 Tagen ist Weihnachten und in acht beginnt der Sommer. Was der bringen wird, ahnen wir seit ein paar Tagen. Es ist ziemlich heiß geworden.

Der Weihnachtsbaum steht bereits parat, wartet auf seinen Schmuck. Vollplastik trifft Glitteroverkill. Muss hier anscheinend so sein. Echte Tannen gibt es ja gar nicht. Meinetwegen. Wahrscheinlich werden wir die Tage ohnehin am Strand verbringen. Könnte schön leer sein dort, wenn alle feiern.

Heiß wird es aber auch politisch. Normalerweise fällt bei allem, was öffentlich von Belang ist, irgendwann früh im Dezember der Hammer und bis Anfang Februar tut sich dann nichts. Ein ganzes Land im kollektiven Sommerschlaf. Ob man sich das heuer auch genehmigen wird?

Sieht nicht so aus. Sicher haben einige irgendwo gelesen, dass es in Rio zu Auseinandersetzungen in den Straßen gekommen ist. Sicher war irgendwo von Straßenschlachten gar die Rede. Es stimmt. Es gehen zurzeit die Menschen auf die Straße, die seit Monaten auf ihre Löhne warten: Lehrer, Polizisten, Feuerwehrleute, Ärzte. Der halbe öffentliche Dienst wartet auf Kohle. Und der Bundesstaat ist pleite. Alle Kohle – und noch eine knappe Milliarde gepumptes Geld von der Zentralregierung – wurden verputzt. Das hat nicht nur mit Olympia zu tun.

Der Gouverneur, der während der Bauphase lange im Amt war sitzt inzwischen im Knast, sein Vorgänger auch. Und der Olympia-OB, Eduardo Paes hatte nicht nur Pech, dass seiner künftigen Wahlheimat (er wollte nach New York ziehen) nicht nur ein ausgesprochener Latino-Skeptiker (vorsichtig formuliert) vorsteht. Ihm wurden auch vor wenigen Tagen die Konten eingefroren – Korruptionsverdacht. Es geht um den Olympia-Golfplatz.

Die Justiz drückt zurzeit mächtig auf die Tube, weshalb auch Präsident Temer vermutlich seinen Weihnachtsurlaub stornieren muss – wenn er bis dahin überhaupt noch Präsident ist. Rein formal ist das an sich keine Frage, aber in den letzten Tagen und Wochen passieren täglich in politischer Hinsicht Dinge, die eigentlich unmöglich schienen, da mag sich zurzeit niemand festlegen. Das bleibt sicherlich eine heiße Kiste. Bis spätestens Ende 2018 – dann wird, formal zumindest, das nächste Mal turnusmäßig gewählt. Wie gesagt, man kann nicht sagen, ob das alles so eintritt.

Was bedeutet das für uns? Zunächst nichts. Die Leute sind mit sich selbst beschäftigt, irgendwie läuft der Betrieb ja weiter. Sicher, ist es bestimmt schlau, Augen und Ohren offen zu halten, aber das tun wir sowieso. Wir fühlen uns hier nicht unsicher.

Ansonsten ist das erste Schuljahr damit auch so gut wie rum. Am nächsten Dienstag gibt es Ferien. Für alle. Also ich habe ja eh den ganzen Tag frei, aber auch die Kinder und Wiebke. Da das Schuljahr rum ist, stehen erstmals an Weihnachten keine Korrekturen an und wir können die Sommerferien in voller Länge gemeinsam genießen.

Kurze Bilanz des ersten Jahres in Stichworten:

-Im Alter eine neue Sprache lernen mag gut zur Alzheimerprophylaxe sein, ist aber mühsam. Soll nicht heißen, dass es nicht gelingt. Aber es ich hätte mir gedacht, wir wären schon weiter. Bei den Kindern scheint es dann doch leichter zu gehen. Aber so spielerisch, wie alle das prophezeit haben, geht es dennoch auch nicht.

Es klappt auch halbwegs mit dem Schreiben. Etwa im Juni ging es los. Inzwischen habe ich Texte für ein rundes Dutzend verschiedener Medien in Deutschland geschrieben und war sogar drei Mal Interviewter. Mal schauen, wie das Interesse an Themen sich im nächsten Jahr entwickelt. Nicht, dass die anstehende Bundestagswahl allen Platz auffrisst. Wählt bitte keinen Scheiß!

Inzwischen kennen wir uns in Rio auch ganz gut aus. Kommt man vom Einkaufen, hört man überall, ach hallo, wie geht’s? Vom Friseur, Wassermann oder Elektrofritzen. Irgendwie ist das dann auch wieder nur ein großes Dorf. Und selbst in der weitläufigen Innenstadt oder am Strand treffen wir hin und wieder Bekannte. Irgendwie merkwürdig. Aber auch ganz nett.

Die Kinder werden in kleinen Schritten selbständiger. Edgar und Ella braucht man nur noch zum Fußball oder Schwimmen hinzubringen, muss nicht mehr warten, könnte in der Zeit also Besorgungen machen. Außerdem bewegen sie sich relativ frei im Wohnkomplex. Ella besucht ihre Klassenkameradin, Edgar geht runter zum Kicken.

Fazit:

Läuft alles.

Und bei Euch?

Schöne Feiertage wünschen wir Euch und natürlich allen einen guten Rutsch! Und wer in den nächsten zwei Jahren noch ein Urlaubsziel sucht – das Chaos hier sollte man mal gesehen haben.