Nach fast 300 Tagen entdeckt: Es gibt sie doch, die gute Pizza!

299 Tage in Brasilien. 299 Tage Suche nach einer vernünftigen Pizza. Seit vergangenen Freitag wissen wir: Es gibt sie doch. Haleluja!

Pizza essen war bislang in Rio kein sonderliches Vergnügen. Zumindest, wenn wir sie nicht selbst buken, sondern im Restaurant essen wollten. Doch wir probierten es immer wieder und liefen jedes Mal auf’s Neue vor die Wand. Beim allerersten Mal bekamen wir prompt das falsche Modell geliefert. Die Kindern mussten Pizza mit Gorgonzola essen.

Grundsätzlich unterscheidet sich die Pizza von der daheim. In aller Regel werden sie in großen silbernen Blechen gebacken. Jedoch, so macht es den Eindruck, geradeso lange, dass der Teig nicht mehr roh ist. Tomatensauce wird wenig bis gar nicht verwendet, dafür jede Menge Käse. Mozzarella soll es sein, ist aber ein Käse „Typ Mozzarella“ – ziemlich geschmacksneutral, dafür schön abdeckend.

Pizza-Rodizio ist auch beliebt. Kellner kommen alle paar Minuten mit Pizzablechen an den Tisch, immer eine andere Geschmacksrichtung. Am Largo de Marchado in Flamengo brüstet sich ein Restaurant damit, 200 verschiedene Geschmacksrichtungen im Angebot zu haben. Darunter solch exotische Geschmacksrichtungen wie Pizza Sushi. Kann man sich dann so vorstellen: Ein ganz normales Stück Margarita mit einer eingebackenen Sushi-Rolle. Klingt komisch? Schmeckt auch so!

Und zum Abschuss jedes Rodizios gibt es süße Pizzen: Mit Schokostreuseln, Banane, Kokos, Erdbeeren, Smarties.

Pizza hat für uns einen durchaus rituellen Charakter. Ganz zu beginn, als die Kinder noch ganz klein waren, trafen wir uns sehr oft freitags zum Wochenabschluss mit Freunden. Und zum Abendessen gab es Pizza. In der Regel die gute, von Rustikale in Rödelheim. Irgendwie wurde das zur Tradition.

Voll auf Entzug

Derartige Qualität war bislang hier weit und breit nicht zu finden. Wir trauerten der guten alten Rödelheimer Pizza regelrecht hinterher. Der Entzug ging sogar soweit, dass ich neulich bei einer Diskussion in einer Facebook-Gruppe eine Preiserhöhung von Rusticale standhaft verteidigte.

In allerlei Gruppe in den sozialen Netzwerken fragte ich nach Tipps für gute Pizzerien. Einen Teil testeten wir, wir wurden enttäuscht. Also selberbacken? Macht zwar Spaß, geht schnell und schmeckt auch gut – ist aber nicht dasselbe.

Dann kam Wiebke mit einem Tipp. In Laranjeiras soll es, in der Nähe eines kleinen Platzes, eine nette Pizzeria geben: Luigi’s.

Also: Babysitterin gefragt, ob sie Freitagabend Zeit hat und ab zum testen. Gefunden hätten wir den Laden alleine nie. Der Platz liegt in keiner Ecke, wo man sich hin verirrt, wenn man dort nichts zu suchen hat. Und auch an dem Restaurant wären wir beinahe vorbeigelaufen. Ein kleines Schildchen, größtenteils verdeckt durch irgendein Gewächs.

Ein überdachter Innenhof, ein paar Tische innen. Schön mit weißer Tischdecke. Das Ambiente leicht abgenutzt aber nicht abgerockt odergar pilzig. Gemütlich eher.

Um es kurz zu machen: Die Pizza war genauso, wie sie sein soll und wie wir sie aus Frankfurt kennen. Schöner knuspriger Holzofenboden, guter Belag (roher Schinken und Rucola) – perfekt. Jetzt ist alles gut!

 

Kleiner Nachtrag: Ebenfalls empfehlenswert ist die Pizzeria Braz im Stadtteil Jardim Botanico. Hübsches Ambiente, gute Pizza!