Weihnachten im Sommer – einmal Stimmung, bitte!

In sechs Tagen beginnt der erste Advent. Während ich mich sonst immer darauf freute, dass der verkackte November dann endlich rum ist und Weihnachtsdekoration das Wintergrau überstrahlt, sitze ich nun hier in Shorts, barfuss und schwitze. Das ist freilich erst der Anfang. Dieses Jahr ist Weihnachten für uns anders. Im Hochsommer.

An die umgedrehten Jahreszeiten kann ich mich nicht gewöhnen. Die Ferien, von Weihnachten bis Ende Januar, sind für mich die Winterferien, obwohl sie hier die großen Ferien sind. Wenn wir im kommenden Jahr nach Deutschland reisen werden, wird das aus brasilianischer Sicht im Winter sein. Irgendwie kriege ich das nicht aus der Birne.

Wenn also nun Weihnachten kommt, wird drei Tage zuvor der Sommer begonnen haben. Wie werden wir die Tage verbringen? Wie werden wir feiern? Werden wir überhaupt so etwas wie Weihnachtsstimmung verspüren – können?

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Heiligabend am Strand, et Föttche verbrannt…

Zumal wir in den letzten Jahren einen ganz netten, stressfreien Modus gefunden hatten (seit ich keine Sonntagsdienste mehr machen musste und zwischen den Jahren freinehmen konnte). Heiligabend erst zum Krippenspiel in St. Antonius, danach Bescherung bei uns. Nächster Tag Brunch mit Wiebkes Familie, am 26. dann nach Altendorf, meine Familie sehen. So, glaube ich, konnten wir allen Erwartungen halbwegs gerecht werden.

Fängt ja schon an mit dem Baum. Tannen gibt es hier natürlich keine. Gäbe es sie, sie wären innerhalb weniger Tage vertrocknet. Der Brasilianer hat daher eine Plastiktanne. Schön im kitschig-amerikanischen Stil. Ganz mein Geschmack: Gold, Glitzer, Kunstschnee. Kann man zurzeit überall kaufen, kostet so ab 20 Euro umgerechnet (ungeschmückt!) –also auch nicht echt billig. Klar, wiederverwertbar, aber wo sollen wir das Teil bloß zwischenlagern?

Noch wehre ich mich innerlich dagegen, aber ich fürchte, wir werden nicht umhin kommen.

Dann wird es ja auch nicht früh dunkel sein, sondern lange hell. Kerzen oder sowas machen dann wohl wenig Sinn. Aber einen Adventskranz will ich trotzdem haben.

Dass Glühwein wenig sinnvoll sein dürfte, juckt mich dagegen nicht. Ich bin ohnehin kein Freund dieser Lorke. Da bevorzuge ich eine schöne Caipirinha.

Doch was werden wir an Heiligabend machen? Ehrlich gesagt: keine Ahnung. In der deutschen Gemeinde wird es einen Gottesdienst geben. Denke, da werden wir schon hingehen. Sonst kommt ja irgendwie gar keine Stimmung auf. Vielleicht verlegen wir den Waldspaziergang an den Strand.

Kommenden Samstag wird Wiebke Plätzchen backen gehen. Das hat sie mit Karoline (auch Deutsche) angeleiert, in der norwegischen Gemeinde. Ja, die gibt es tatsächlich.

Gestern haben sich Wiebke und die Kinder hingesetzt und aus alten Teeschachteln einen Adventskalender gebastelt. Dazu tönten Christmas Carols aus dem Rechner. Ein Adventskonzert soll es auch noch an der Schule geben. Es wird also schon versucht, weihnachtliche Stimmung herzustellen – notfalls mit Watte oder Sprühschnee.

Da es bei uns kein traditionelles Weihnachtsessen gibt, werden wir uns da wohl auch eher spontan entscheiden. Vielleicht lassen wir die Kinder sich etwas wünschen. Nur für den ersten Weihnachtstag haben wir bereits einen festen Plan. Dafür habe ich bereits einen Tisch in einer Churrascaria bestellt.