Seit gestern mache ich meine erste Wurmkur

Wer sich in einem Blog wie diesem ein gutes Stück weit in sein Leben hineinschauen lässt, sollte auch über sich selbst lachen können. Drum stört es mich auch nicht, wenn ihr jetzt gleich laut aufschreit „Wie eklig!“ oder „baaaah!!“ oder „ich muss kotzen!“ Wer zart besaitet ist, möge auf den nächsten Post warten.

Es geht um das Thema Gesundheit. Ein Kollege von mir, der Salinenluftabfüller Stefan Butz aus Bad Kreuznach schockte die Facebook-Community vor einiger Zeit mit einem lakonischen Post: „Ich habe mir ein Haustier zugelegt. Es ist ein Krebs.“

Um es gleich zu sagen: Mir geht es gut! Alles klar, macht Euch bloß keine Sorgen! Ich habe mir nur ein paar harmlose Würmer eingefangen und fühle mich deshalb wie ein Straßenköter. Rein körperlich fehlt mir nichts – keine Schmerzen, nada. Trotzdem mache ich seit gestern und noch bis einschließlich Dienstag, eine Wurmkur.

Würmer? Kommt das denn nicht nur bei Tieren vor? Offensichtlich ja nicht. Sonst hätte ich die ja nicht. Scheinbar ist das beim Menschen gar nicht so selten. Denn schon bei einem der ersten Kontakte mit unserer hiesigen Hausärztin riet die uns dazu, mindestens einmal jährlich eine Wurmkur zu machen. Rein prophylaktisch.

Bei Kindern scheint das, auch in Deutschland, durchaus häufiger vorzukommen. Bei Erwachsenen seltener. Ursachen sollen unter anderem schlechte Hygienezustände sein. Nun, wer schon einmal einen brasilianischen Supermarkt besucht hat, der weiß, was das heißen kann. Ich habe schon Kakerlaken auf dem Förderband laufen sehen. Und als ich einmal im Supermarkt Campeao 500 Gramm Hackfleisch bestellte und der Typ mit der blutverschmierten Schürze und dem speckigen Einweghandschuh, der ein Einwochenhandschuh zu sein schien, nahm, um das Fleisch in einen nicht porentiefrein ausschauenden Fleischwolf zu drücken, sah ich mich im Geiste die nächsten drei Tage auf dem Klo verbringen. Die Bolognesesoße kochte ich anschließend besonders gut durch.

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Dieses Mittel soll helfen.

Das Hackfleisch aus dem Kühlregal ist aber auch nicht viel besser. Wenn es dort verpackt liegt, hat es einen Verwendungszeitraum von – ohne Quatsch – 14, in Worten: vierzehn Tagen aufgedruckt. Ich konnte es zunächst selbst nicht glauben. In Deutschland muss ein Paket Hackfleisch (diese Schaumschalen mit Folie) innerhalb von spätestens drei oder vier Tagen verbraucht sein. Sonst Sondermüll. Warum das hier, wo es viel heißer ist, die ganze Verarbeitungshygiene scheinbar nicht allzu ernst genommen werden muss, zwei Wochen sein dürfen – keine Ahnung. Ich kaufe es jedenfalls nur, wenn es maximal den zweiten Tag im Regal liegt.

Das Wort Kühlkette scheint man im Einzelhandel hier nicht zu kennen. Tierteile werden aus Transportern, die so aussehen, als wäre tags zuvor noch jemand mit ihnen umgezogen transportiert. Natürlich ohne Kühlung, um anschließend unverpackt quer über den 10 Meter breiten Gehweg und quer durch den ganzen Laden geschleppt zu werden. Kein Witz.

Und als mir Sprachlehrerin Karla einmal erklärte, weshalb sie nie direkt an der Bierdose trinkt –nämlich, weil ein Bekannter von ihr einmal gestorben ist, weil die Dose mit Rattengift verunreinigt war – wundert mich der Wurmbefall gar nicht mehr so sehr. Im Gegenteil: Ich finde, wir haben ziemlich lange ohne Würmer ausgehalten.

An die Möglichkeit, mir die Tierchen möglicherweise beim Obdachlosenfrühstück eingefangen zu haben, hatte ich bisher überhaupt noch nicht gedacht. Ich hatte mir immer eingebildet ich hätte die Hände hinterher immer sehr gründlich mit Seife gewaschen.

Hinweis für Medikamente per Whatsapp

Übrigens: Wie man überhaupt an den Verdacht kommt, dass man Würmer haben könnte, das könnt ihr mal googeln. Gibt da einen schönen Aufsatz beim Netzdoktor und bei der Apotheken-Umschau.

Egal, ist wie es ist. Per Whatsapp konfrontierte ich die Ärztin mit meiner Vermutung. Kurze Zeit drauf kam Diagnose und Rezept. In der nächsten Apotheke solle ich mir Albendazol besorgen, 1 x täglich, drei Tage lang. Gegebenenfalls wiederholen eine Woche später.

Mein Medikamentenwunsch löste in der Apotheke schon einmal keinen Lachkrampf aus. Schnell hatte ich die drei Ampullen erhalten. Vom Preis her zu schließen scheint es ein Massenpräparat zu sein, dass sich wirklich jeder leisten können muss. Eine Anwendung kostete knapp 4 Reais, etwas mehr als 1 Euro.

Also Merke: Ganz offensichtlich muss man hier bei der allgemeinen Hygiene noch ein wenig vorsichtiger sein. Drum: Hände möglichst oft und immer mit Seife waschen. Sonst gibt es unliebsame Mitbewohner. Die sollen zwar nicht weiter schlimm sein. Aber angenehm ist der Gedanke daran auch nicht.