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Küchenimprovisation: Grüne-Soße-Muckefuck

Wenn ich als Kind Vertreter meiner Großelterngeneration über die Nachkriegszeit reden hörte, begannen Sätze oft mit „Wir hatten ja nix…“. Klar, alles war kaputt, Nahrungsmittel knapp – da musste man improvisieren. Ein beliebtes Beispiel war der so genannte Muckefuck. Ein Ersatzstoff für Kaffee, den es schlicht nicht gab. Oder der legendäre Knollibrändi – ein Branntwein aus irgendwelchen Wurzeln (Zuckerrüben, Kartoffeln, egal).

Für Kaffersatz verwendete man Pflanzen wie Kaffeewicke, Lupinen (dachte, die seien giftig), Möhren, Dattelkerne (ob die nach dem Krieg leichter zu kriegen waren?), Traubenkerne, Erdmandeln, Spargel, Hagebutten, Vogel-Kirschen (giftig!!), Kartoffeln, Mandeln und Zuckerrüben.

Weit weniger entbehrungsreich ist natürlich unsere Situation – wobei auf einige Lebensmittel müssen wir auch hier wohl oder übel verzichten. Dass ist nicht weiter schlimm, handelt es sich doch nicht um wirklich wichtige Dinge wie Medikamente oder Grundnahrungsmittel – eher Sachen aus der Kategorie „nice to have“ wie Waldmeistereis, Laugenbrezel, Quark oder Kalbsleberwurst. Ohne diese ist ein Leben ohne weiteres möglich, schließlich gibt es ja andere Dinge, aber es freut einen doch umso mehr, wenn man dem scheinbar unabkehrbaren Schicksal ein Schnippchen schlagen kann.

Etwa, als ich nun den „Grüne-Soßen-Muckefuck“ erfand.

Eine Freundin hatte uns eingeladen. Zu einem Wohnzimmerkonzert. Kleine Runde, nettes Ambiente. Einzige Voraussetzung: Wir sollten etwas Fingerfood mitbringen. Kein Problem. Äh, wirklich?

Gesund oder fettig, textete ich zurück. Wenn es nach ihr ginge, gesund. Okay, Gemüsesticks. Und ein Dip muss her.

Bei Hortifruti, ein Supermarkt mit überwiegend Obst und Gemüse kaufte ich alles, was ich zu brauchen glaubte: Dill, glatte Petersilie, Knoblauch, Joghurt, Frühlingszwiebel. Frische Minze hatten wir noch. Frischkäse und Mascarponecreme auch (ohne die wäre das Ganze zu wässrig).

Das Grünzeug habe ich dann mit dem Pürierstab und etwas Joghurt kleingemacht, anschließend mit dem restlichen Joghurt, Frischkäse und Mascarpone (Pfeffer und Salz) zu einem schön cremigen Dip verarbeitet.

Überraschend der Geschmack. Gut, ich bin kein waschechter Frankfurter, aber für mich könnte das glatt als eine Art Ersatz-Grüne-Soße, oder eben Grüne-Soße-Muckefuck, durchgehen. Auch Wiebke, gebürtige Frankfurterin und knallharte Vertreterin der Saura-Sahne-Fraktion (versuch hier mal saure Sahne zu kriegen!) fand das Ergebnis so ansprechend, dass sie die Reste zu später Stunde nach dem Konzertabend auf dem Balkon mit Resten des ebenfalls selbstgebackenen Vollkorn-Nuss-Brots aus der Tupperdose heraustunkte.

Beim Brot besteht meiner Meinung noch Nachbesserungsbedarf, das war mir nicht gelungen. Vermutlich werde beim nächsten Mal eine Hälfte des Vollkornmehls durch normales helles Weizenmehl ersetzen. Vorausgesetzt ich finde noch einmal halbwegs bezahlbare Walnüsse, die obendrein nicht muffig schmecken.

Was heißt bezahlbar? Nüsse sind, wie vieles andere, schon extrem teuer. Walnüsse werden ab einem Kilopreis von 130 Reais verkauft, etwa 40 Euro. Macadamianüsse (die wir, vor allem ich, in Deutschland sehr schätzte, kosten gar200 Reais, also 60 Euro. Selbst Cashews, im Discounter die Büchse für 2 Euro, kosten hier ein kleines Vermögen.