Die alberne Kafka – zwei Wochen mit einer Pflegekatze

?

So sieht kein Stress aus.

Katze Kafka ist tiefenentspannt. Eigentlich immer. Nur als ich sie vergangene Nacht aus Versehen auf dem kleinen Schlafzimmerbalkon aussperrte, kam das Tier in Wallung. Da scharrte und kratzte sie, um wieder schnell hereingelassen zu werden. Überhaupt ist Kafkas Biorhythmus anders getaktet. Tagsüber bewegt sie sich schleichend, liegt herum – chillt, sagt man neudeutsch – oder pennt gleich ganz. Kafka ist ausgesprochen nachtaktiv.

Geschlossene Türen mag sie nicht. Um nachts das Fenster auf lassen zu können, machen wir unsere Schlafzimmertüre zu. In Ruhe gelassen werden wir von ihr aber deshalb noch lange nicht. Es wird gemaunzt und gescharrt – bis Wiebke die Türe öffnet.

Danach spaziert Kafka durchs Zimmer: Unters Bett, aufs Bett, mitten zwischen uns. Ich dachte immer die Kinder nehmen eine Menge Platz in Beschlag. Eine Katze kann das aber offensichtlich auch. Witzigerweise tut sie das auch erst in den letzten paar Tagen. Zum Glück möchte ich hinzufügen, denn besonders scharf bin ich auf so einen brummendes Fellknäuel neben meinem Kopf nicht. Aber offenbar scheint sie sich ja mehr und mehr an uns zu gewöhnen.

Oder sie sucht den Kontakt, weil sie tagsüber zu wenige Streicheleinheiten bekommt? Es stimmt schon. Sind wir beide alleine zu Hause, kümmere ich mich relativ wenig um sie. Hier und da ein „Na, alles klar, liegst Du schön?“ und das war es in der Regel. Kafka dankt es mir trotzdem, indem sie mir immer wieder folgt. Koche ich, liegt sie in der Küche. Reinige ich das Bad oder sitze auf dem Klo, beobachten mich zwei Katzenaugen aufmerksam. Vor allem an Letzteres kann ich mich nicht gewöhnen. Auf dem Klo will ich alleine sein. Keine Kinder, keine Katze, kein nix. Punkt.

Hyperaktiv? Höchstens nachts

Kafka ist so tiefenentspannt, dass sie selbst beim Anblick des Staubsaugers ruhig bleibt. Kein aufgeregtes Wegstürzen, kein panisches Türmen – sie bleibt wo sie ist und schaut zu. Nur warten, bis der frisch gewischte Boden auch echt trocken ist, das mag sie nicht.

Humor hat sie auch. Kann eine Katze überhaupt Humor besitzen? Ich finde schon. Er geht in Richtung Klamauk und Slapstick. Als dieser Tage Eduardo vorbei kam, um die Bilder anzudübeln, erschien er mit einer großen Papiertüte, in der er die Bohrmaschine transportierte. Kaum war die Tüte leer, raschelte es. Als ich daraufhin in die Tüte hineinsah, sah ich nur noch Fell und zwei erwartungsvoll mich anschauende Auge.

Soll ich jetzt was sagen? Ei gutschi, wie niedlich, das hast Du aber fein gemacht. Oder besser: Oh Mann, Kafka, was soll das denn jetzt? Eduardo hatte Spaß. Offenbar liegt nur mein Humor nicht auf Kafkas Wellenlänge. Wobei: albern kann ich sonst auch ganz gut.

Fünf Minuten später rückten wir das Sofa von der Wand. Seit ein paar Wochen haben wir das pilzige graue Teil mit einer grünen Tagesdecke aufgehübscht (ich war eigentlich unterwegs einen Staubsauger zu kaufen, als ich die Decke sah. Für Ikea-Freunde: Typ Indira bloß mehrfarbig. Drei Mal ging ich in den Laden). Diese Decke ist so lang, dass sie auch an der Rückseite des Sofas bis fast zum Boden überhängt.

Meister des Slapsticks

Nachdem Eduardo das erste von zwei Löchern gebohrt hatte, bemerkte ich an einer Ecke der Überdecke eine Beule. Es ragte nur noch ein buschiger Schweif heraus. Kafka hatte sich hinter der Decke versteckt. Ich musste grinsen. Hauptsache Aufmerksamkeit. Darin unterscheiden sich Kinder und Katzen in solchen Situationen tatsächlich wenig.

Sind die Kinder daheim, bekommt Kafka die vermisste Aufmerksamkeit. Obwohl wir Ella immer wieder darauf hinweisen, sieht sie in Kafka scheinbar eine Art Kuscheltier, das man möglichst viel durch die Gegend tragen muss. Zum Glück weiß sich Kafka aber zu wehren.

Auch Wiebke, eigentlich noch mehr anti-Haustier als ich – und wenn dann auch eher zum Hund tendierend – gibt sich durchaus Mühe, Kafka in den Alltag zu integrieren. Manchmal streichelt sie sie sogar.

Dennoch bin ich durchaus froh, wenn ich Kafka in wenigen Tagen wieder Isaac und Christina zurückgeben darf. Und das nicht nur, weil ich natürlich hauptsächlich fürs Füttern, Sauberhalten und Würstchen in der Katzenkiste aufsammeln zuständig bin.

Fazit:

?

Kurz nach der Ankunft.

Eine Katze ist eine nette Abwechslung. Vor allem die Kinder konnten so mal das Leben mit einem Haustier üben.

Es kam wie befürchtet. Vollmundigen Ankündigungen a la „wir helfen auch“ folgten keine Taten. Ist aber okay – Kafka ist sehr pflegeleicht, finde ich.

Katzen haaren wie die Sau.

Stellt man einen Teller mit Katzenfutter auf den Balkon ist erstaunlich, wie schnell Ameisen das spitzkriegen und den Teller annektieren. Wohlgemerkt im 8. Stock.

Unser Bett ist nur 1,60 Meter breit. Das ist zu wenig für eine zusätzliche Katze.

Katzen scheinen eine Vorliebe für Slapstick zu haben.

Auf absehbare Zeit brauch ich kein Haustier.

Nein, auch kein ganz kleines.

Was ich von Katzenhaltung rein in der Wohnung in der Stadt halten soll, weiß ich immer noch nicht so genau.

Bei Hunden ist der Fall klar: Das ist Tierquälerei.

Deshalb kommt uns auch kein Hund ins Haus.

Auf Kafka aufpassen würde ich aber trotzdem wieder.