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Wasserfälle von Iguacu: Gewaltiges Naturschauspiel

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Der Teufelsschlund.

Ginge es alleine nach der Höhe, wären die Wasserfälle von Foz do Iguacu vermutlich nicht ein solcher Anziehungspunkt für Touristen. 75 Meter messen sie und landen damit im weltweiten Ranking der höchsten Wasserfälle unter ferner liefen. Übrigens genauso, wie die Niagarafälle. Der Angel Fall in Venezuela, der seit 2009 nicht mehr nach einem amerikanischen Buschpiloten benannt ist, sondern seinen Urnamen zurück Kerepakupai merú zurück hat, misst beispielsweise mit 979 Metern Fallhöhe mehr als das 12-Fache.

Was macht also die Faszination dieses Ortes auf der Grenze zwischen Brasilien und Argentinien aus, dass dort alljährlich eine Million Touristen hin pilgern und den Ort, nach Machu Pitchu in Peru, zur wichtigsten Touristenattraktion Südamerikas macht?

In Iguacu macht es nicht die Höhe, sondern die Breite. 2700 Meter breit sind die Fälle. An normalen Tagen sollen sich dort rund 1700 Kubikmeter Wasser pro Sekunde (!) in die Tiefe stürzen. Aber die Zahlen sind es nicht alleine. Die Fälle von Iguacu sind ein Gesamtkunstwerk der Natur.

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Ankunft bei Wolken und Wind.

Vor unserer Ankunft verheißt derBlick auf die Wettervorhersage nichts Gutes: Vereinzelt Gewitter, Regen. Immerhin nicht kalt: 26-28 Grad. Aber die Wasserfälle im Regen sehen? Bei strahlendem Sonnenschein in Rio fliegen wir los. Bei Wolken und Wind landen wir.

Wir sind entschlossen, mit dem Taxi zum Hotel (Wyndham) in der Stadt zu fahren. 60 Reais soll der Transfer kosten. Wir stehen im Foyer des Flughafens und versuchen uns zu orientieren, als sich von hinten dezent ein Mann nähert und uns auf Englisch anspricht. „Need transfer to your hotel?“ Als er den Preis von 90 nennt, im Großraumtaxi, also günstiger als zwei Mal 60, sind wir dabei.

Was wir vorhaben in Iguacu, fragt er weiter. Nun: brasilianische Seite, Vogelpark, Itaipu-Staudamm und am zweiten Tag die argentinische Seite. Wie wir uns fortbewegen möchten? Anfangs hatten wir noch an einen Mietwagen gedacht, wobei die Aussicht, selbst zu fahren, nicht so prickelnd war. Deshalb hatten wir umgeschwenkt auf öffentliche Verkehrsmittel.

Statt Bus nun Minivan

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Glück gehabt mit dem Wetter.

Der Mann machte uns ein Angebot: Das Großraumtaxi inklusive Guide, der auch bei den ganzen Formalitäten hilft und Rücktransport zum Flughafen. Verglichen mit dem ursprünglichen Mietwagenpreis klingt das Paket okay. Wir stimmen zu und sind fortan aller Sorgen ledig.

Wobei auch die Erkundung mit öffentlichen Verkehrsmitteln problemlos möglich ist. Die Stadt Foz do Iguacu ist auf Tourismus ausgelegt und hat eine wirklich gute und übersichtliche Infrastruktur. Als ausländischer Tourist wird man jedoch ordentlich abkassiert. In Argentinien kostet der Eintritt für Gringos 330 Pesos (65 Reais, knapp 20 Euro), für Einheimische 200. Christel und Werner gehen nicht als Rentner durch, weil der Discount nur für einheimische Rentner gilt. Immerhin erhalten Wiebke und ich mit unserer „Permanencia“, also dem brasilianischen Ausweis, auch wenn dieser zeitlich begrenzt ist, einen kleinen Abschlag, zahlen nur 250 Pesos. Aber wir sind nun schon hier und wollen natürlich auch alles sehen, also rein.

Zum Glück sind wir nicht in der Hauptsaison angereist. Denn die Wege, auf denen die Touristen in geordneten Bahnen gelenkt werden sollen, sind auch so schon ziemlich voll. Und an den Aussichtspunkten müssen wir mit Wartezeiten leben. Auch, weil jeder Dödel sich 17 Mal für sein Instagram-Profil in Selfie-Pose legen muss. Das nervt schon ein wenig. Zwischen November und Februar würde ich die Fälle jedoch meiden. Oder viel Geduld mitbringen.

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Typisches Souvenir.

Doch das Warten lohnt sich. Die Ausblicke sind spektakulär. Auf brasilianischer Seite bauen sie sich dramaturgisch auf – erst der Blick auf die gegenüberliegende Seite, später steht man dann vor der donnernden Wasserwand. Im Hintergrund zu erahnen dort ist der Teufelsschlund, der aber von der argentinischen Seite deutlich besser zu sehen ist.

Dorthin führt ein etwa 1 km langer Metallsteg über die ausladenden Wasser der Rio Iguacu bis hin zur Aussichtsplattform gleich an der Fallkante – ein echtes Spektakel, wenn man sich dann mal einen Platz in der ersten Reihe erkämpfen konnte. Nicht blöd ist es, sich ein Regencape mitzunehmen, denn die Gischtwolken werden hin und wieder über die Zuschauer geblasen. Das erfrischt zwar, ist aber nicht gut für Kamera und technisches Gerät.

Vom Eingang liegt der Teufelsschlund rund 7 km entfernt. Doch man muss nicht alles laufen. Den größten Teil der Strecke kann man in einer kleinen Bimmelbahn fahren. Die fährt alle 15 Minuten. Aber Wartezeiteneinrechnen muss man auch hier. Denn laufen tun tatsächlich nur rund 1 Prozent der Besucher.

Ein deutschsprachiger Blog beantwortet viele Fragen zum Thema Wasserfälle von Iguacu.

Ein paar Tipps in Kürze:

Akku des Fotoapparats aufladen. Gegebenenfalls zusätzliche Speicherkarte mitnehmen

Ein Regencape dabei haben. Kann man aber auch dort aus dünnem Plastik kaufen.

Man läuft recht viel, deshalb bequeme Schuhe anziehen.

Genügend Getränke dabei haben, gerade im Sommer (November bis März)

Überall laufen Quati herum – possierliche Pelztierchen, in etwa vergleichbar mit Waschbären. Sie sind an die Menschen gewohnt, haben daher wenig Angst und sind entsprechend dreist. Sie durchwühlen die Mülltonnen nach Essbarem, gehen aber auch gerne an Rucksäcke. Deshalb Augen offen  halten und nicht füttern. Kratzer und Bisse sind schmerzhaft.

Transfer zu/von den Wasserfällen. Busse fahren regelmäßig und in kurzem Takt. Taxis gibt es auch, aber nicht sehr viele.

Vor dem Besuch auf der argentinischen Seite unbedingt vorher Pesos wechseln. Eintritt kann dort nur in bar gezahlt werden und auch nicht per Kreditkarte.

Zeitbedarf: Brasilianische Fälle 2-3 Stunden, für die argentinische Seite ruhig einen ganzen Tag einplanen.

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Der Staudamm aus der Luft.

Beim Itaipu-Staudamm kann man eine Panorama- und eine technische Tour buchen. Bei der Panorama-Tour wird man im Bus durch die Gegend gegondelt, auch über den Damm. Man erfährt jedoch nicht sehr viel darüber, wie das mit der Stromgewinnung genau funktioniert. Kosten. Rund 35 Reais. Das erfährt man bei der technischen Tour. Die ist länger und mit rund 75 Reais pro Kopf auch deutlich teurer.

Ein paar Daten erfährt man trotzdem:

Zweitgrößter Staudamm der Welt. Größtes Wasserkraftwerk der Welt (nach Leistung). Bauzeit rund 35 Jahre, maximal 40.000 Bauarbeiter. Der Damm gehört zu gleichen Teilen Paraguay und Brasilien. Alles muss paritätisch geregelt werden. Von den 3000 Mitarbeitern sind 1500 Brasilianer und 1500 Paraguayaner. Theoretisch erhalten auch beide Lände 50% des erzeugten Stroms (14.000 Megawatt). Doch Paraguay braucht nun einen Bruchteil und verkauft einen Großteil zurück nach Brasilien. Mehr auf der Homepage des Staudamms (auch auf Englisch).

Die angekündigten Gewitter kamen auch. Jedoch glücklicherweise nur in der ersten Nacht. Da rumpelte es jedoch so anständig, dass in unserem Zimmer im 18. Stock die Fensterscheiben klirrten. Das nächste Gewitter gab es dann am Samstag. Aber das war eh unser Abreisetag. Glück gehabt.