Nun ist Katze Kafka da

Der 17. Oktober ist der „Tag des Handels“, drum haben alle großen Geschäfte zu. Gut, dass Isaac vorgsorgt hat und vor seiner Abreise bereits eine 14-Tages-Ration Katzenfutter besorgt hatte. Isaac ist seit Freitagabend in Deutschland. Seit Sonntagfrüh sind wir deshalb nun zu fünft. Wir passen auf Kafka auf.

Kafka ist kein Kater, wie wir ursprünglich dachten. Liegt ja auch nahe. Nein, Kafka ist eine Katze. Ein gutes Jahr alt, geboren in Havanna auf Cuba und noch relativ neu in der Stadt. Aber: Unsere Wohnung kennt Kafka schon. Hier hat sie im August gewohnt, während wir auf Curacao waren. Somit werden die kommenden 2 Wochen für die Katze zum Heimspiel, irgendwie.

Von ganzalleine auf einen trubeligen Familienhaushalt mit zwei Kindern – diesen Startwollten wir Kafka ersparen. Also holte ich sie ab, während Wiebke, die Kinder, Oma und Opa die deutsche Gemeinde besuchten.

Ich hatte vorsichtshalber ein paar Leckerlis eingepackt. Keine Ahnung, wie leicht oder schwer es werden würde, Kafka in die Transportbox zu bugsieren. Ich kannte da mal eine Katze, bei derhätten auch keine Leckerlis genützt.

Während ich die Wohnungstüraufschloss, hörte ich sie maunzen. Eigentlich kannten wir uns nur sehr flüchtig, aber offensichtlich war sie froh, jemand menschliches zu sehen. Und da Christina und Isaac nicht greifbar sind, strich sie nun mir schnurrend um die Beine.

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Kafka erkundet sein Revier.

Ich wartete ein paar Minuten, bis ich sie in die Transportbox lotste. Klappt ohne Probleme. Liegt wohl daran, dass Kafka die Box auch sonst als Bett nutzt. Nach einer Viertelstunde saßen wir gemeinsam im Taxi. Das Geschaukel, während ich sie nach Hause trage, wollte ich ihr ersparen. Außerdem ist sie schon relativ schwer. Wer geht schon gerne mit einer vollen Einkaufstausche kilometerweis spazieren?

Bei uns angekommen, machte sich Kafka gleich auf, die Location zu checken. Ganz entspannt schlich sie die Wohnung ab – anscheinend erkannte sie sie tatsächlich wieder. Auch als der Rest aus der Kirche zurückkam und hereinplatzte, blieb Kafka entspannt. Sie legte sich unter den Esstisch und beobachtete das bunte Treiben.

Den Kindern hatten wir vorher versucht, einige Dinge zum Umgang mit Katzen einzuimpfen, damit Kafka nach den zwei Wochen nicht traumatisiert zu Christina und Isaac zurückkehrt: Katzen sind eigensinnig – wenn sie gestreichelt werden wollen, kommen sie. Katzen sind keine Kuscheltiere, die man ständig auf dem Arm trägt. Das kann eine Katze sogar ärgern. Katzen mögen es nicht laut und hektisch – in meinen Augen die größte Hürde, denn Ella und Edgar bewegen sich natürlich schon schnell durch die Wohnung.

Natürlich galt Kafka nun alle Aufmerksamkeit. Kafka hier, Kafka da, schau mal, was Kafka jetzt macht… Doch unterm Strich war das Bemühen der Kinder deutlich erkennbar. Ein Glück ist Kafka neugierig. Als Ella duschte, schlüpfte sie ins Bad und schaute zu. Was bei Edgar anschließend für leichte Eifersucht sorgte: „Bei mir hat Kafka nicht zugeschaut.“ Nun erkläre mal einer dem Jungen, dass er das nicht persönlich zu nehmen braucht. Aber auch das was schnell verflogen.

Wiebke erschrak, als sich Kafka später bei ihr auf die Bettkante setzte. „Lass sie doch“, sagte ich. „Boah, die Katze darf ja mehr als ich“, entgegnete Wiebke. Nach zwei Minuten merkte Kafka offensichtlich, dass sie dort nicht erwünscht war und schlich von dannen.

Mit Katze deutlich entspannter war auch der Morgen vor der Schule. Das übliche Gezeter und Genöle blieb weitestgehend aus, dafür beeilten sich die Kinder, um noch ein wenig Kafka beobachten zu können.

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass wir die beiden Wochen gut miteinander verbringen werden und die Kinder viel lernen darüber, was es heißt, ein Haustier zu haben.