Opa und Oma sind da!

Mann, waren die Kinder aufgeregt. Seit Tagen wachen sie in aller Herrgottsfrühe auf und zählen die Tage rückwärts runter, wie früher ausscheidende Wehrpflichtige. Oma und Opa aus Frankfurt hatte sich als Besuch angekündigt. Und was Wochen und Monate eher wie ein theoretisches Konstrukt außerhalb der Vorstellungskraft der Kinder lag, wurde nun konkret.

Bislang hatten wir einmal Besuch. Jan, ein früherer Kollege, und Daniela begann ihre Rundreise in Rio. Das war easy, zumal die beiden in einem Hostel unterkamen und sich teilweise selbst schon Programm gebucht hatten. Gut: Oma und Opa würden auch im Hotel absteigen, eine Schlafcouch haben wir (noch) nicht, würden wir ihnen aber auch nicht zumuten wollen, weil einfach der Rückzugsraum fehlt. Aber für das Programm sind wir zuständig. Macht aber nichts, uns macht sowas Spaß und wir haben auch schon jede Menge Ideen.

Fast jedes Gespräch begann mit dem Satz. „Ich freue mich schon, wenn Oma und Opa kommen“ oder „wenn Opa und Oma da sind, müssen wir das und das machen“. Je näher der Tag rückte, desto hibbeliger und aufgeregter wurden die Kinder. Samstagmorgen beim Einkauf fragt Edgar: „Sind Oma und Opa schon im Flugzeug?“ Abends, nach einem gemeinsamen Filmabend sagt er: „So, jetzt schnell einschlafen und schon sind sie da. Im Schlafen vergeht die Zeit als wäre es eine Minute nur.“

Begrüßungsbanner an der Türe

Aus Papier haben sie extra ein Banner gebastelt, für die Wohnungstüre. „Herzlich willkommen in Brasilien, Oma und Opa!“ steht darauf – Brasilien in den Landesfarben ausgemalt, Oma und Opa in schwarz, rot, gold.

Wiebke steht am Sonntag um 4.20 Uhr auf- der Flieger soll um 5.05 Uhr landen, Mauro – Karlas Mann und seines Zeichens Taxifahrer – will um 4.45 Uhr vor der Türe stehen. Kurz nachdem Wiebke durch die Wohnungstüre ist, höre ich Gemurmel. Die Kinder sind wach. So nervös sind sie sonst nur an ihrem Geburtstag und Weihnachten. Ella drängt mich, nun endlich das Banner an der Türe zu befestigen, um sich anschließend nochmal hinzulegen und einzupennen – in Wiebkes Bett. Edgar, inzwischen auch rübergekommen, liegt wach, versucht sich ruhig zu verhalten, was nicht richtig klappt. Er fummelt mir an der Nase herum, dreht und wendet sich, zupft die Decke weg, atmet schwer. Gut, dann bin ich halt jetzt auch wach.

Viertel nach Sechs springt Ella auf. Ob sie was gehört hat? Geht eigentlich nicht. Sie hüpft zur Wohnungstüre, öffnet sie. „Sie kommen!“ kommt sie zurück ins Zimmer geflitzt. Just in dem Moment, als sie die Wohnungstüre öffnete, öffnete sich auch der Aufzug. Ausgezeichnetes Timing. Der Kaffee ist auch schon durch, als von der Türe ein fröhliches „Halo-hoo!“ erklingt. Opa und Oma sind da.

Kinder sind gleich voll da

Auch wenn ich den Kindern eingebläut hatte langsam zu machen, Oma und Opa nicht sofort und komplett zu vereinnahmen, sie erst einmal nach dem langen Flug ankommen zu lassen – all das war schnell vergessen. Nach fast 9 Monaten kein Fremdeln, kein nix. Pure Freude auf allen Seiten. Schön zu sehen! Ella und Edgar sind aus dem Stand auf 100 und beginnen mit ihrem Programm, Oma und Opa alles, wirklich alles, erzählen zu wollen.

An dieser Stelle ein großer Dank an alle, die den beiden Geschenke, Lebensmittel und sonstige Dinge mitgegeben haben. Vielen Dank!!

Nach Frühstück, einem Kaffee und ausgiebigem Klönschnack wagen wir uns an die Stadt. Kleine Runde zum einstimmen. Kleine runde heißt: Ein Blick auf die Schule (sind ja Ferien, rein konnten wir nicht. Außerdem war’s ja Sonntag), kurz durch die Markthalle und Kokoswasser für alle. Ich glaube Oma und Opa reicht auch der eine Versuch. Aber immerhin versucht! Zurück in unserer Wohnung und ab ins Hotel.

Am Nachmittag ziehen Wolken auf. Nichts bedrohliches, es bleibt trocken. Wir fahren nach Copacabana an den Strand. Baden kommt sowieso nicht in Betracht, da macht es nichts, dass es mit 21 Grad geradezu frisch ist. Und zum aklimatisieren ist das auch besser.

Oma und Oma sind wie wir: Auch sie nähern sich einem neuen Land gerne kulinarisch an. Erster Kontakt beim Mittagessen: Picanha vom Grill, Reis, Bohnen, Farofa. Jetzt gibt es Flüssiges. Caipirinha bzw. lokales Bier – Brahma. Dabei lassen wir es erst einmal bewenden. Mit der Metro zurück nach Botafogo. Alle wollen eigentlich nur noch früh ins Bett. Verständlich: War eine kurze Nacht. Und jetzt sind Oma und Opa ja erstmal da.