Confeitaria Colombo: Das Hofbräuhaus von Rio

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Pompös.

Die Confeitaria Colombo hat bei mir verschissen. Endgültig. In jedem Reiseführer wird ein Besuch in dem alten Kaffeehaus als Pflichtprogramm angepriesen. Doch der Erfolg scheint dem Laden ein wenig zu Kopf gestiegen zu sein.

Die Confeitaria hat in Rio zwei Filialen. Das Stammhaus im Centro – ein Art Deco-Café im alten Stil. Und ein Café am Forte Copacabana mit schönem Blick auf den Strand. Der ideale Platz für ein Frühstück mit Opa und Oma, dachten wir. Besser mal schnell reservieren. Denn nach einem Besuch dort während der Sommerferien wissen wir: Stehst du nicht ab 9.30 Uhr vor der Türe, bekommst Du um 10.05 Uhr keinen freien Tisch mehr und kannst auf eine kurze Warteliste hoffen.

Das Risiko wollte ich nicht eingehen und reservierte. Schriftlich. Für Dienstagmorgen (an Wochenenden sind Reservierungen gar nicht erst möglich). Ich schickte eine Mail. Einen Tag später die Rückfrage: Wie viele Personen denn? Keine Anrede, kein Hinweis, wer die Mail geschickt hatte. Hatte ich das nicht geschrieben? Nein, offensichtlich nicht. Also, Entschuldigung bitte, wir sind 6 Personen und würden gerne einen Tisch für 10 Uhr reservieren, schrieb ich mit der Bitte um eine Bestätigung. Kam nicht. Nicht Samstag, nicht Sonntag, nicht am Montag.

Keine Antwort auf Reservierungsanfrage

Egal, dachten wir, gehen wir halt in das Café in der Stadt zum Mittagessen. Von der Hotelrezeption der Schwiegereltern ließ Wiebke einen Tisch für 14 Uhr bestellen. Der Portier sprach Portugiesisch, Verständigungsprobleme sollte man ausschließen. Außerdem sollte man auch annehmen, dass etwas wie eine telefonische Reservierung dann auch klappen sollte. Naja, sollte.

Das soll jetzt kein Brasilienbashing sein, aber eine Lehre der bisherigen Zeit lautet: Du darfst nichts, wirklich nichts vorausgehen. Regel 2: Erwarte nicht, dass eine Reservierung oder Bestellung auf Anhieb klappt. Tut sie nicht. So auch hier.

Ein Sicherheitsmann, der mitten in der tosenden, hinein- und hinausströmenden Touristenmasse versuchte, den ordnenden Überblick zu behalten, schickte mich rechts in der Ecke zum Fahrstuhl. Denn im Café selbst seinen Reservierungen nicht möglich. Und völlig unnötig: Menschenmengen, die ich bisher nur aus dem Münchner Hofbräuhaus kannte (die dort aber dennoch meist  im Unterschied zu hier noch einen Tisch oder ein Sitzeckchen finden), meist englischen Idioms, stehen hier nämlich eine halbe Stunde oder länger in der Warteschlange, bis vielleicht endlich ein Tischlein frei wird. Hier würden Reservierungen nur den Workflow und Durchsatz bremsen, das will ja keiner. Aber unsere Wartezeit mit Selfies überbrücken wollten wir auch nicht, daher die Reservierung.

Der Fahrstuhl brachte uns ins Obergeschoss. Dort gibt es ein Restaurant. Weiße Tischdecken, Ambiente wie Anno Pief. Bei der Dame an einer Art Rednerpult mit dickem Buch wurde ich vorstellig. Schlag 14 Uhr, perfektes Timing, außerdem ziemlichen Kohldampf.

„Es gibt keine Reservierung auf Ihren Namen“

„Wie ist der Name?“

„Andreas.“

„Es gibt keine Reservierung auf den Namen Andreas für 14 Uhr.“

„Das ist unmöglich, wir haben extra vom Hotel aus anrufen lassen.“

„Es gibt keine Reservierung auf den Namen Andreas für 14 Uhr. Sehen Sie.“ Sie hielt mir die Liste hin –  tatsächlich. Wiebke wollte um 14 Uhr zu uns stoßen, war noch nicht da. Und nun? Würde sie uns hier oben finden?

Inzwischen kam ein anderer Kellner.

„Können wir denn dann so einen Tisch für sechs Personen haben?“ Es waren noch massig Tische frei, die Reservierungsliste erstaunlich kurz. Sollte kein Problem sein, dachte ich. Er nickte und ging. Da kam die Dame von vorhin zurück.

„Möchten Sie denn vielleicht jetzt eine Reservierung machen?“

„Wie lange dauert es denn?“

„Vielleicht eine halbe Stunde. Kann auch länger sein.“

„Einen freien Tisch jetzt haben Sie nicht?“ frage ich und deutete auf die freien Achtertische im für micheinsehbaren Teil des Restaurants.

„Nein, leider nicht.“

„Gut, dann eben in einer halben Stunde. Für sechs Personen, auf Andreas, bitte.“

Das Gehampel wird uns zu dumm

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Café Cave.

Doch eigentlich war uns das Gehampel längst zu dumm geworden. Wir ließen die Dame die Reservierung noch notieren. Doch als andere Gäste, die ganz offensichtlich ohne irgendetwas kamen, einfach durchgewunken und platziert wurden, war für uns die Banane geschält. Wir gingen.

Wiebke kam kurz rauf auch noch. Schnell noch ein paar Fotos gemacht, dann war es das mit der ach so tollen Confeitaria Colombo für uns.

Fazit:

Setzt nichts voraus. Selbst einfachste Handlungen bergen in Brasilien enorme Risiken. Die Confeitaria Colombo ist zwar hübsch anzuschauen, aber völlig überlaufen. Das macht keinen Spaß. Wer seinen Snack in ebenfalls stilvollem Ambiente wirklich genießen will, dem sei das Café Cave 50 Meter weiter empfohlen – kleiner, ruhiger, ähnlich gediegen. Kurzum: einfach nett. Mit künftigen Gästen werde ich jedenfalls in die Confeitaria nur noch zum Fotos machen gehen.

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