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Sao Cosme und Sao Damiao bringen Süßkram

Eine Kindertraube am Straßenrand in der Rua Sao Clemente, kurz vor der Einbiegung in die Communidade Santa Marta. Die Kinder, Jungen zwischen 9 und vielleicht 13 Jahren wirken angespannt, beobachten den ankommenden Verkehr.

Ein schwarzer Pkw hält neben ihnen an – sofort stürmen die zehn, zwölf Kinder zu Beifahrerseite. Das ist dem Fahrer scheinbar zu viel, er fährt an. 15 Meter weiter bleibt er an der roten Ampelerneut stehen. Dort öffnet sich die Seitenscheibe. Eine Faust reckt eine kleine Papiertüte hinaus. Ein Junge sieht das als erstes. Er sprintet los, reißt die Tüte aus der Faust. Als der Junge sich umdreht lacht er – die Süßigkeiten gehören ihm.

Nein, hier wird keine Überfallszene geschildert, auch wenn in Copacabana vor einigen Tagen 40-50 Jungendliche wie eine Horde Affen stehende Busse angriffen. Dort sprangen sie in Windeseile durch die stets offenen Fenster ins Innere, nutzten die Verwirrung, entrissen den Passagieren Handys, Taschen, Geld, um kurz drauf genauso schnell wieder auf die Straße zu flüchten.

Die oben beschriebene Szene ereignete sich heute am Tag der beiden Heiligen Cosmo und Damiao. Und an deren Gedenktag ist es in Brasilien üblich, Kindern kleine Tüten mit Süßigkeiten zu schenken.

Die Zwillingsbrüder Cosmas und Damian wurden um 300 n. Chr. Im heutigen Syrien geboren. Später  waren sie Ärzte und Märtyrer, die der Legende nach Kranke unentgeltlich behandelten und viele von diesen so zum Christentum bekehrten.

Wegen ihres umfangreichen und selbstlosen Wirkens werden sie noch heute verehrt. Der Legende zufolge gelang ihnen sogar eine Beintransplantation, nämlich der Ersatz eines verfaulten Beines durch das eines verstorbenen Mohren.

Der Legende nach überlebten sie unversehrt alle Versuche des römischen Präfekten, sie bei der Christenverfolgung zu ertränken, zu verbrennen sowie mit Steinen und Pfeilen zu töten, und erlitten erst in der darauf folgenden Enthauptung das Martyrium. Cosmas und Damian zu einer Gruppe von Heiligen, die „heilige Geldverächter“ genannt werden, weil sie auf Entlohnung verzichteten.

Die Heiligen sind Schutzpatrone der Städte Essen und Florenz, einer Vielzahl medizinischer Berufe  sowie der Kranken, Friseure und Zuckerbäcker. Sie werden in Seenot, bei Geschwüren, Pest und Pferdekrankheiten angerufen.

Der Kult um die beiden Heiligenfand nach 1530 in Brasilien Verbreitung, er soll von Duarte Coelho Pereira nach Südamerika gebracht worden sein. An diesem Tag Kindern Süßkram zu schenken ist allem Anschein nach eine Tradition, die es vor allem in Rio gibt. Seit 1930 soll es diese geben. Hintergrund war das damalige Verbot afrikanischer Religionen.

In Deutschland gibt es diesen Brauch nicht. Süßkram gibt es da eher an Halloween (31.10.), St. Martin (11.11.) oder Nikolaus (6.12.).