Curacao: Keine Langeweile auf nur 444 Quadratkilometern

p1060367Die Insel Curacao hat eine Fläche von 444 Quadratkilometer, so groß, wie die schwedische Gemeinde Merikarvia, oder, manchen vielleicht mehr vertraut, der Rheinisch-Bergische Kreis in Nordrhein-Westfalen, rund um die MetropoleBergisch Gladbach.

11 Tage mit Kindern auf einem überschaubaren Eiland – gibt es da denn genug zu sehen und zu erleben? Als ich einer früheren Kollegin von den Plänen erzählte sagte sie: „Da ist nicht viel los, die Insel ist relativ klein. Außer ein paar Stränden ist da nicht viel.“

Fehler!

Denn auch für Menschen, die nicht mit Tauchflossen geboren wurden, gibt es viel zu sehen.

Das Aquarium

Das Aquarium  wird als das große Highlight der Insel angeboten. Der Eintritt ist nicht ganz billig. 21 US-Dollar zahlt ein Erwachsener, 11 ein Kind. Dafür gibt es dann überwiegend Fische in Aquarien zu sehen. Alle halbe Stunde verkünden Durchsagen eine neue Attraktion: Füttern der Hummer, Füttern der Flamingos, Seelöwen- oder Delfinshow. Bei manchen Sachen darf man mitmachen, etwa beim Füttern der Flamingos. 10 Sekunden Schüssel halten, Foto, fertig, nächster. Kostet immerhin keinen Aufpreis. Am besten fanden wir das Schiff mit Glaswänden, von dem aus man allerlei Getier in einem großen Außenbecken betrachten kann. Das ist wirklich cool.

Außerdem gibt es eine Delfinacademy. Ehrlicherweise müsste es jedoch heißen, das Aquarium ist an die Delfinacademy angeschlossen, denn damit wird richtig Geld gemacht. Wer es sich leisten kann und will, darf im Außenbecken schnorcheln oder sogar mit Delfinen schwimmen. Hat aber auch seinen Preis: Eine Runde mit Delfinen schwimmen kostet aktuell 174 US-Dollar – für Erwachsene und Kindergleichermaßen. Ein Scubatauchgang gleich 264 US-Dollar. Der Eintritt für das Aquarium ist dann aber schon drin.

Bei Dingen wie Seelöwen- und Delfinvorführungen bin ich stets skeptisch. Ist es eine harmlose Touristenattraktion oder grenzt das an Tierquälerei? Was definitiv nicht unbedingt sein muss, ist ein Delfinkussfoto für 20 Dollar.

Straußenfarm

p1060330Bleiben wir bei den Tieren. Auf Curacao gibt es die größte Straußenfarm außerhalb Südafrikas, behaupten zumindest die Betreiber. Wir machten den Ausflug dorthin am letzten Tag. Ein tagfüllendes Programm ist das ohnehin nicht. Rauf auf einen rumpeliges Gefährt, das ausschaut, als hätte jemand versucht einen Landrover mit einem Zuckerrübenschlepper zu kreuzen. Die Fahrt ist im Eintrittspreis von 17 USD pro Erwachsenem drin. Ein stolzer Preis finde ich, bei einer Familie kommen schnell 60 USD nur für den Eintritt zusammen. Die Fahrt dauert eine halbe Stunde etwa, zwischendurch darf, wer will, Strauße füttern, sich nachher auf Straußeneier stellen etc. Vor einigen Jahren haben wir eine ähnliche Tour in Oudtshoorn, Südafrika, gemacht. Aber irgendwie kam mir das dort etwas authentischer vor. Sei’s drum.

Rein ins Auto, ab zur Aloe-Farm. Zum Glück liegt die direkt nebenan und schon auf dem Rückweg. Braucht wenig Zeit. Vier Tafeln, auf denen die Heilkraft der Pflanze erklärt wird und ein Shop, in dem die Produkte verkauft werden. Fand ich bisserl lieblos.

Christoffel Park

p1060110Etwas im Westen der Insel, eine halbe Stunde Fahrt von Willemstad, liegt der Christoffel Nationalpark mit dem höchsten Berg des Eilands (375 Meter). Mit dem Auto lässt sich der Park erfahren – an diversen Stellen sind Haltebuchten eingerichtet. Möglich ist es auch zu wandern, hinauf auf den Berg. Für Naturfreunde sicher ein Tipp.

Kleiner Essenstipp, wenn man schon mal in der Nähe ist: Jaanchie’s Restaurant. Schrulliges Restaurant, schrulliger Typ, dieser Jaanchie – wenn es überhaupt “der”Jaanchie ist. Immerhin gibt es den Laden schon eine Weile. Vollgestopt mit allerhand Devotionalien (Fußballschals aus Holland) und Nippes, hat man am offenen Fenster gleich einen ganzen Zoo zu Besuch. Zu essen gibt es lokale, so genannte Krioyo-Küche mit Fisch und Karibischem Reis (mit Bohnen), oder Deftiges wie Goulasch. Für mutige hat er Leguan-Stew im Angebot. Ich traute mich aber nicht.

Hato-Höhle

p1060145Gleich neben dem International Airport von Curacao findet man die Hato-Höhlen, eine Tropfsteinformation. Aber keine Angst – die Flugbewegungen auf diesem Miniaturflughafen halten sich sehr in Grenzen, man wird also nicht gestört. Überlaufen kann man diese Attraktion nicht nennen. Neben uns nehmen noch zwei Holländerinnen an einer Führung teil.

Die Kalksteinhöhlen sind nicht nur hübsch anzuschauen, sie haben auch Geschichte. Während der Sklavenzeit – Curacao war einer der Hauptumschlagplätze in der Karibik – versteckten sich hier entlaufene Sklaven nahegelegener Plantagen. Lange blieben sie dort jedoch nicht unbemerkt, denn zum einen mussten sie immer wieder hinaus, um an Nahrung zu kommen. Außerdem ist es in den Höhlen so dermaßen finster – und es gibt jede Menge Fledermäuse – dass sich die Entflohenen entschieden, lieber außerhalb der Höhle die Nacht zu verbringen.

Ein wirklich sehenswertes Ausflugsziel. Dort gibt es auch einen Rundweg, auf dem man typische Pflanzen und Tiere kennenlernen kann, in erster Linie natürlich Kakteen und Leguane, Leguane und Leguane.

Blue Curacao

p1060044Klar, von dem blauen Likör hat in seiner Pubertät bestimmt jeder schon einmal einen zünftigen Kater davongetragen. Für viele ist die Brühe das Einzige, was ihnen zur Insel Curacao einfällt. Muss doch ein riesen Touristengeschäft sein, denkt man sogleich. Doch denkste!

Die Besichtigung des letzten Herstellers im Landhaus Chobolobo  kann man sich getrost sparen. Sofern man das „Landhaus“ – es befindet sich mitten in Willemstad – überhaupt findet. Beschilderungen sind jedenfalls so gut wie keine vorhanden. Erst nach mehrmaligem fragen fanden wir es. Von außen wirkt e ansprechend. Strahlend gelb, freundlich, einladend. Doch der Eindruck trog. Die Führung habe vor 5 Minuten begonnen, wir können leider nicht hinzustoßen. Doch wir könnten uns die Herstellung ja auf eigene Faust anschauen. Na gut.

Herstellung ist übertrieben. Eine Scheune, in paar antike Geräte, enggedruckte Infotafeln – total abtörnend. Die soeben gestartete Gruppe, ein älteres Paar, hat es schon zur zweiten Tafel geschafft. Wir beginnen zu lesen, entschließen uns am Ende aber doch zum Schweinsgalopp.

In der Abfüllung, der Raum vor dem Shop, sitzen fünf Frauen gelangweilt an einem Metalltisch und warten darauf, dass sie irgendwann ein paar Etiketten aufkleben dürfen.

Wie schade. Dabei sollte doch eine solche Spezialität mehr zu bieten haben, als diesen traurigen, vorgestrigen musealen Ansatz. Lust auf eine Produktprobe hatte ich danach auch keine mehr.

Sklaverei Museum

p1060202Museen gibt es eine ganze Reihe – eines für Schifffahrt, eines für Postwesen (untergebracht im ältesten Haus der Stadt. Die Kinder fanden dieses am schönsten) und eben das Museum für Sklaverei. Das entstand auf eine private Initiative hin. Der niederländische Millionär Jakob Gelt Dekker kam Ende der 80er Jahren nach Curacao, um einen Freund zu besuchen. Im Stadtteil Otrabanda kaufte er ein kleines Haus. Seine Idee: Das ganze Altstadtkarree nach und nach zu einem Luxusresort umzubauen. Was er auch tat.

Bei seinen Recherchen über die Gebäude stieß er auf die Geschichte just dieses Fleckens. In unmittelbarer Nähe, so fand er heraus, hatte sich einst der große Sklavenmarkt Willemstads befunden –der größte der Karibik. Damit diese Geschichte nicht in Vergessenheit gerät, entschloss sich Gelt Dekker, in das Resort das Museum für Sklaverei zu integrieren.

Das Museum nähert sich diesem Aspekt vornehmlich auf ethnologischem Weg. Die Ausstellungsstücke hat der Niederländer von seinen Reisen mitgebracht. Hübsch anzuschauen ist es auf alle Fälle.