Kindergeburtstag: Nudelsalat und Spiele

Es ist vollbracht! Der erste Kindergeburtstag von Ella und Edgar ist vorüber. Und um es vorweg zu nehmen: Es hat alles geklappt wie geplant. Aber es war auch ein kleiner Kraftakt. Ein selbstverschuldeter aber. Schließlich hatten wir uns ja vorgenommen, den Kindergeburtstag so zu feiern, wie in Deutschland. Und da ich noch keinen Laden gesehen habe, in dem man Frikadellen und Nudelsalat bekommt, war die Herstellung natürlich unser Job.

Vier Kilo Hackfleisch? Der Mann an der Fleischtheke im Supermarkt fragte vorsichtshalber nochmal nach. Offenbar keine haushaltsübliche Menge, die ich da bestellt hatte. Aber was will man machen: 19 Kinder waren eingeladen, also die ganze Klasse 1R2 und noch einzelne andere. Inklusive der Eltern. Würden also alle kommen, wären rund 60 Personen zu verpflegen. Dafür braucht es ja schon was.

Also: Frikadellen, kleine Schnitzel (geht übrigens viel schneller als Frikadellen), Nudelsalat (klassisch und mediterran, Kartoffelsalat (schwäbisch und anders), Tabouletsalat, Krautsalat (selbstgemacht, viel Lauferei mit der Suche nach ganzen Kümmelkörnern verbracht), Hummus, Gemüsesticks. Unser Kühlschrank stieß an seine Grenzen. Zum Glück kam Cristina am Samstagmorgen noch zum Schnippeln vorbei.

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Spielen.

Ein paar Schüsseln hatte sie auch dabei. Auch von Christine, die in der Nachbarschaft wohnt, hatten wir uns vorsichtshalber ein paar Schüsseln ausgeliehen. Von Julia die Springform. Wäre Carina nicht mittags schon mit dem Auto vorbeigekommen, würden wir wahrscheinlich jetzt noch wie die Ameisen den Kram hin- und herschleppen. Darum: Vielen, vielen Dank an die vielen Helfer!!

Ella hatte am Morgen einen passenden Vergleich. „Kommt mir vor, als hätten wir heute Weingarage“. Die Weingarage ist ein Fest, dass ich mit Freund und Nachbar Wolfgang von nun knapp 2 Jahren beim Bier aus der Taufe gehoben hatten. Im Grunde handelt es sich dabei um einen ambulanten Weinausschank in unserer Frankfurter Garage mit Saumagenbrötchen, Spundekäs und Leberwurst. Das Ganze für den guten Zweck, wobei der eigentlich ein Selbstzweck ist: Wir feiern gerne und suchten einen Grund.

Und was machen wir dann? Ein paar Spiele hatten wir uns um Vorfeldüberlegt. Plumpssack, Reise nach Jerusalem, Apfelsinen- bzw. Luftballontanz, sowas eben. Doch so wahnsinnig viel Programm brauchte es gar nicht. Ein paar Stifte noch zum Malen, etwas Malkreise, ein paar Luftballons und das Fest konnte steigen.

Zunächst etwas für Brasilien völlig untypisches: Den Kuchen gab es zu Beginn des Festes. Von der ursprünglichen Idee, die Kuchen selbst zu backen, waren wir abgerückt. Einerseits wegen des Zeitaufwands, zum anderen weil unser Backofen seit, ja, inzwischen Monaten spinnt und immer wieder ausgeht, wenn man ihn braucht. Deshalb kauften wir den Kuchen dann doch zu.

Der, ebenfalls vor nun fast sechs Wochen bestellte Ofen wurde übrigens am Samstagmorgen geliefert, mitten im größten Chaos. Aber immerhin: Endlich ist er da, nun können wir bald wieder Brot backen – sofern wir das Teil angeschlossen bekommen (Gasherd!).

In Brasilien kommt der Kuchen zum Schluss. Die ganze Feier über steht der Kuchen auf einem Tisch, darf aber nicht angefasst werden. Am Ende kommen alle zusammen, singen „Parabens“ (Happy Birthday), verputzen Kuchen und Süßkram und gehen anschließend heim. Damit es nicht zu Missverständnissen kam, hatten wir die Eltern in der Einladung darauf hingewiesen, dass es den Kuchen zu Beginn gibt, wie eben in Deutschland üblich und alle danach gerne noch bleiben dürfen, weil das Fest eben dann erst beginnt.

Besonders hübsch war übrigens die musikalische Gestaltung. Karolin und Tiago hatten ihre Geigen dabei. So gab es sowohl zum Singen, als auch später bei der „Reise nach Jerusalem“ (übrigens auch mit einer Elternrunde) Livemusik.

Erkenntnisse des Tages:

Gehe bei der Essensplanung niemals von der maximal zu erwartenden Personenzahl aus, sonst isst Du noch Wochen danach Nudelsalat und Frikadellen.

Gleiches gilt für die Getränke. Wer Lust hat auf ein Bier – jederzeit, wir haben noch jede Menge da.

Apropos Bier: Einmal gekühltes Bier muss auch weiter gekühlt bleiben, sonst verliert es an Geschmack, wie mir Rodrigo erklärte. Drum ist unser Kühlschrank jetzt voller Bier, denn natürlich hatte ich alle Dosen ins Eis geworfen. Die Argementation merke ich mir!

Weniger scheint manchmal mehr zu sein. Wenn man sieht, dass einige Kinder großen Spaßdaran hatten einfach zu malen oder mit Luftballons zu spielen.

Was das Geschirr betrifft, müssen wir uns noch etwas einfallen lassen. Die großen Berge weggeworfener Teller, Becher und Bestecke lassen einen überzeugten Mülltrenner doch zusammenzucken.

Ein beliebtes Geschenk bei Kindergeburtstagen scheinen T-Shirts zu sein. Finde ich einen sehr hübschen Brauch, denn die waren alles sehr cool!

Ichglaube niemand hat unsere Art, den Geburtstag zu feiern, als missionarisch empfunden. Falls doch: So war es nicht gedacht. Wir wollten einfach so feiern, wie wir es zu Hause auch immer getan haben. Mit unseren kleinen und großen Freunden.

Das wichtigste: Ella und Edgar gingen am Abend zufrieden und erschöpft ins Bett.

Es bleiben 364 Tage zum erholen.

Die Weingarage lebt! Nicht nur in uns als Referenzfest für alles, was da nun noch kommen mag. Auch in Echt. Am 1. Oktober wird es in Rödelheim die dann fünfte Auflage geben. Ein Jammer ist zwar, dass wir das nur aus der Ferne betrachten können, aber es ist toll zu sehen, dass das Fest schon eine kleine Tradition geworden ist. Näheres findet Ihr in Kürze auch hier.