Curacao, Teil 2: Jetzt geht es um die Wurst – und den Käse

?

Schöner Name für einen Allesreiniger.

Kommen wir zur Wurst. Zur Leberwurst. Nach der Taxifahrt am Ankunftsmorgen ist klar: Ein Mietwagen muss her, zumal das Hotel doch rund 4 Kilometer vom Zentrum Willemstads entfernt liegt. Einen Verleih gibt es gleich im Hotel. Für 41 Dollar pro Tag (Mit dem Taxi einmal hin und her kostet schon mehr) sind wir mobil. Nach etwas mehr als einem halben Jahr sitze ich wieder hinter dem Steuer unseres Kleinwagens. Stelle fest: Sollten wir uns entschließen, in Deutschland nach der Rückkehr wieder ein Auto zu kaufen – viel mehr braucht man wirklich nicht.

Da Getränke selbst aus dem Coffeeshop des Hotels, eine Art Kiosk, sehr schnell sehr arm machen würden (1,5 Liter Stilles Wasser 4 Dollar. Und wie viele braucht davon eine vierköpfige Familie an heißen Tagen?) steuern wir durch die Straßen von Willemstad und suchen einen Supermarkt.

Supermärkte besuchen wir in jedem Reiseziel. Nirgendwo erfährt man mehr über Lebens- und Essgewohnheiten der lokalen Bevölkerung als in Supermärkten. Außerdem ist es spannend, die örtlichen Produkte zu entdecken.

Centro heißen die dort und sind ziemlich groß. Gleich nach Betreten wird uns klar: sieht echt aus wie in Europa. Spätestens an der Käsekühltheke wird uns klar: Wir sind in Europa. Meterweise holländischer Käse – Gouda in allen Reifestadien – und das nicht etwa teuer wie in Brasilien (200 Gramm circa 5-6 Euro) sondern ganz normale Preise.

?

Super. Markt!

Wir haben doch einen Kühlschrank auf dem Zimmer? Also ist der Entschluss schnell gefasst. Frühstück und Abendessen wird es die nächsten 10 Tage überwiegend auf dem Zimmer geben.

Morgens: Fruchtjoghurt, das tatsächlich nach den abgebildeten Früchten schmeckt und nicht wie ein McDonald’s-Milchshake. Müsli nur aus Haferflocken, Trockenfrüchten, Nüssen und nicht mit undefinierbaren Krokantklumpen, Äpfel (Elstar!) und Frischmilch.

Abends: Brot, Käse, Salami, Hummus oder andere Dips, Leberwurst (für Edgar zu 95% der Brotaufstrich des Urlaubs. Ich habe noch nie ein Kind so viel Leberwurst essen sehen). Kurzum alle die guten Dinge, von denen wir, als wir durch die Regalreihen streiften bemerkten, dass wir sie doch ein wenig vermisst haben. Und nun nach Herzenslust einkaufen. Die nächsten Tage werden wir immer wieder Gründe finden, den Centro oder später Albert Heijn-Supermarkt anzusteuern. Am Ende haben wir, glaube ich, alle in Willemstad gesehen.

Koffer voll mit Pesto, Haribo und Nutella

Natürlich loten wir schnell aus, wie viel Platz in den Koffern auf dem Rückflug haben werden und wie man problemlos nach Brasilien importieren können. Wir entschieden uns für mehrere Gläser Pesto (kostet in Rio ein Vermögen), zwei Maxi-Gläser Nutella (reicht bis 2017 und im Vergleich zu brasilianischen Preisen ebenfalls sehr günstig), Kalbsleberwurst in Dosen und jede Menge Haribo – denn der Kindergeburtstag von Ella und Edgar steht bevor.

Bei Salami und Käse sind wir zögerlich, wollen ja nicht vom Zoll hopsgenommen werden. Wie sich zwei Wochen später herausstellen sollte, ist unsere Sorge unbegründet. Anne, eine niederländische Niederländisch-Lehrerin, die seit acht Jahre in Rio lebt, klärt uns auf. Seit Jahresbeginn können auch Käse und Wurstwaren nach Brasilien importiert werden (bis zu 8 Kilo pro Person), vorausgesetzt, sie sind fest verschweißt. Schade.

Münztausch mit Anne

?

Kaufrausch.

Anne haben wir übrigens kennengelernt über Edgars zweite große Leidenschaften: Das Sammeln der Olympiamünzen. In den vergangenen Jahren hat die Zentralbank Real-Münzen mit Olympiamotiven herausgegeben. 17 verschiedene.

Vierzehn hatten wir schnell beisammen, zumal Ella und Edgar jeden Ladenbesuch dazu nutzten, um an der Kasse nach den „moedas das olimpiadas“ zu fragen. Inzwischen ist ein ganzes Marmeladenglas voll zusammengekommen. Natürlich mit jede Menge Doppelten. Uns fehlte noch Schwimmen und Rugby, dafür hatten wir Maskottchen Tom und diverse andere mehrfach.

Ich startete einen Tauschaufruf in der Facebook-Gruppe „Gringoes buy and sell“ (über diese vertickten wir schon unsere überschüssigen Möbel) und bekamen recht schnell Antwort von Anne. Übergabeort: Die Praxis von Wiebkes Zahnarzt in Copacapana. Zeitpunkt: Vor der Behandlung. Die jetzt letzte fehlende Münze mit der Olympiafahne (Schwarzmarktpreis bis zu 300 Reais) konnte ich bei einem Münzhändler in Deutschland finden (deutlich günstiger), die werden Ella und Edgar demnächst als Überraschung erhalten.

Zurück zum Käse: Wir wissen also nun, was wir kommendes Jahr vom Heimaturlaub aus Deutschland mitbringen werden.