Egal wo: Mit Telefon und Internet gibt es überall Ärger

So verschieden das Leben hier in Brasilien manchmal sein mag. Eines scheint auf der ganzen Welt gleich zu sein: unfähige und nervraubende Telekommunikationsunternehmen scheint es überall auf dem Globus zu geben.

Mit 1&1 hatte ich mit Monate lange Briefwechsel geliefert, um meinen Mobilfunkvertrag vorzeitig mit dem Umzug von Deutschland nach Brasilien auflösen zu können. Natürlich kam man mir am Ende großzügig „aus Kulanz“ entgegen.

Dunkel erinnere ich mich an unseren Umzug von der Dreispitzstraße in den Biedenkopfer Weg. Selber Stadtteil, 300 Meter Luftlinie. Zunächst versprach die Dame im Telefon-Center irgendwo in der ostdeutschen Wallachei, dass mit dem Entertainpaket selbstredend alles zum Umzug pünktlich glattlaufe. Beim nächsten Anruf konnte niemand einen Auftrag finden. Beim dritten Anruf mussten wir uns sogar von unserer Festnetznummer verabschieden. Tja.

NET = Telekom = 1&1

Die Telekom heißt hier NET (gesprochen: Netschi). Klingt niedlich, ist aber ein gewaltiger Apparat, der zur Verselbständigung zu neigen scheint. Ich schiebe es gleich vorweg: Ich bin so froh, dass uns die Schule bei diesen lästigen Dingen hilft.

Die ersten zwei, drei Monate ging alles glatt. Warum auch nicht, der Vertrag ist ja nicht schwierig. TV-Basispaket, Wlan-Paket und Telefon. Das Telefon, wer mal anrufen mag 0055 21 3796 0555, ist fast immer ausgesteckt, weil es keine zehn Minuten nach Einstöpseln gedauert hatte, bis wir den ersten Spam-Anruf in der Leitung hatten. Genauer gesagt, hatten wir bislang ausschließlich Spam-Anrufe. Vormittags manchmal im 10-Minuten-Takt. Man erkennt sie zum Beispiel an der Vorwahl von Sao Paolo. Bis zu 20 Mal lassen die klingeln. Mindestens.

Rufen diese Menschen oder Band-Maschinen nachmittags an, machen sich die Kinder hin und wieder einen Spaß daraus, die Anrufer auf Deutsch zu veralbern. Sicher: Niemand arbeit gerne und freiwillig in einem Callcenter. Aber wer mit einer derartigen Penetranz bis zu 15 Mal am Tag versucht uns anzurufen, um uns etwas zu verkaufen, der hat sich ab und zu ein wenig Abwechslung verdient.

Das war bislang nur lästig. Da wir Pakete gebucht haben, dachten wir, der Rechnungsbetrag wäre immer gleich. Denkste.

Immer neue Kostenpunkte

Vor drei oder vier Rechnungen, sie kommt immer gegen Monatsende, muss aber drei Tage später schon bezahlt sein, sonst setzt es Strafzinsen, tauchten plötzlich vereinzelt Pay-Per-View-Positionen auf der Rechnung auf. Wir sollten also kostenpflichtiges TV-Programm zugeschaltet haben.

Ist natürlich Schmarrn, weiß nicht mal wie das geht. Vorsichtshalber fragte ich aber auch noch mal die Kinder, obwohl die nie einfach so fernsehen dürfen. Also die Rechnung Juliane von der Schule in die Hand gedrückt. Ein paar Telefonate später erhielten wir eine neue Rechnung mit altem Betrag. Kann ja mal passieren.

?

Screenshot.

Im Juni das selbe Spiel. Diesmal waren wir von vorn herein uns 100 Prozent sicher, dass der Fehler gar nicht bei uns sein kann. Wir hatten ausschließlich den frei empfangbaren Kanal 74 geschaut. Dort wurde die Fußball-EM übertragen. Der andere TV-Kram ist ein derartiges Trauerspiel, dass wir das am Anfang recht schnell ganz eingestellt hatten. Seither lebten wir eben von Fußball und Mediathek-Konserven.

Interessant ist, was man da so geschaut haben soll. Einen Film mit dem Titel „A Furia“ – ist das nun Horror oder Porno? Ganz gleich, es ist schon frech mit zu unterstellen, ich wäre so dumm, solche Filme in Wiebkes Abwesenheit zu glotzen, wenn die hinterher fein säuberlich in der Rechnung aufgelistet werden. Der geforderte Betrag war diesmal auch schon deutlich höher: das anderthalbfache der üblichen Rechnung.

Richtig die Schule ausgezogen hat es mir nun, als ich die Augustrechnung aus dem Briefkasten fischte. Da wollten diese NET-Heinis uns tatsächlich einreden, dass wir für über 500 Reais, rund 130 Euro, Zusatzprogramme geschaut hatten. Dabei waren wir überhaupt nicht zu Hause gewesen.

Anderthalb Seiten war die Rechnung lang und das Zahlungsdatum schon abgelaufen. Wieder musste Juliane ran. Man einigte sich darauf, dass NET am nächsten Tag einen Techniker vorbeischicken würde, um sich den Dekoder etwas genauer anzuschauen.

Pornos oder Horror?

Der Besuch dauerte 2 Minuten. Einschalten, Menü, Liste kostenpflichtige Zusatzprogramme: leer. Quittung, danke, Tschö. Nun warteten wir auf eine revidierte Rechnung und darauf, dass man nun doch endlich mal zu Einsicht käme, dass der Fehler irgendwo im großen undurchdringlichen NET-Dschungel liegen muss. An eine Art Entschuldigung mal ich gar nicht denken.

Stattdessen war ein paar Tage später morgens das Internet ganz weg. Abgeschaltet. Aber mit Smiley. In freundlichen Worten versuchte man uns darauf aufmerksam zu machen, dass ja noch eine Rechnung nicht bezahlt sei.

Die nächste Mail an Juliane musste ich aus dem Wlan im Café schicken.

Im Briefkasten ein Schreiben, dass man uns nun die Verbindung kappen werde. Das Schreiben übrigens erstellt, einen Tag, nachdem der Techniker hier war.

Juliane ist zäh. Denn am selben Tag abends lief das Internet wieder. Per Mail erhielt Wiebke die korrigierte Rechnung. Tatsächlich unser „Normalpreis“. Gleich hinterher die nächste Rechnung für September – klar, der Hickhack hatte nun fast einen Monat gedauert. Dumm nur: Der Preis darin lag wieder viel zu hoch, wieder waren irgendwelche Filme aufgelistet.

Das Telefon haben wir inzwischen ausgesteckt, TV schauen wir fast nie. Bräuchten wir das Internet nicht, wir wären längst fertig mit NET. Mal sehen, was als nächstes kommt.

Und eines steht fest: Sollte ich irgendwann in der Zukunft nochmals in ein anderes Land umziehen, dann werde ich vorher genau prüfen, ob das dort mit den Versorgern fluppt.