Olympia: Nun sind auch wir endlich dabei

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Mexikanischer Edelfan.

So, Curacao kann warten, jetzt ist Olympia. Wurde ja auch Zeit. Erstaunen, Sorgen um meinen Geisteszustand, ja sogar blanke Angst und tiefes Unverständnis hatte ich in den Augen der Menschen gesehen, als ich erzählte, dass wir Anfang August in Urlaub fahren, statt die Olympischen Spiele zu schauen.

Nun, geschaut haben wir sie ja – im TV. Die Eröffnungsfeier sahen wir beispielsweise im Freien auf einem Platz in Willemstad. Dazu gab es den ekelhaftesten Fisch, den ich jemals essen musste. Das Tier konnte nichts dafür, aber wir hatten einen Fehler begangen, der einem nach jahrelangem treuen Kochprofis-Schauens (RTL2, immer donnerstags 20.15 Uhr) nie hätte passieren dürfen: Wir aßen in einer, Achtung!, Sportsbar, in der vier andere Leute saßen und die über eine vierzeitige Speisekarte verfügte. Anfängerfehler. Selbst schuld. Der Fisch war so zu Tode frittiert, dass man mit der Gabel nur gewaltsam das Fleisch von den Gräten lösen konnte.

Die bisherigen Wettkampftage verfolgten wir am Abend im Hotelzimmer. Leider gab es nur amerikanische Sender zu empfangen, die außer an Tennis, Basketball und Schwimmen mit amerikanischer Beteiligung wenig Interesse am restlichen olympischen Geschehen zeigten. So sind wir, was das deutsche Abschneiden bislang angeht, ziemlich blank.

Eigentlich hätte ich ja schon am Samstag losziehen wollen, aber die Fluggesellschaft Insel Air machte gestaltete uns die Rückreise (dazu demnächst mehr) derart strapaziös, dass wir abends total platt früh zu Bett gehen mussten.

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Seifenblasen lassen selbst Soldaten friedlicher erscheinen.

Erstkontakt Copacabana

Aber jetzt: Sonntag! Raus aus den Federn, rein ins Gewühl. Erster Olympiakontakt für uns auf dem Olympiaboulevard. So hat man für die Dauer der Spiele die Promenade am Strand von Copacabana umgetauft, an dem das ambulante Beachvolleyball-Stadion seinen Platz hat. Und der Megastore natürlich.

Erster Pluspunkt: Ich hatte befürchtet, dass man für die Fahrt mit der Metro, egal wohin, während der Spiele die speziellen Olympiatickets bräuchte. Ging aber auch so. Wäre auch etwas happig gewesen – 25 Reais kostet die Tageskarte, die normale Fahrt 4,10 Reais – für die eine Station.

Ziemlich voll auf der Avenida Atlantica. Nicht, dass das an sonnigen Sonntagen hier besonders leer wäre – aber das bunte Gewusel ist anders. Auffällig viele Besucher haben ihre gelb-grünen Trikots hervorgeholt – vom Säugling bis zur alten Damen tragen alle stolz die brasilianischen Farben. Die Stimmung ist fröhlich, fast überschwenglich und –ja – es wird viel Englisch gesprochen. Die Volunteers, die an allen Ecken stehen oder auf Hochsitzen sitzen, sprechen Englisch, die Straßenverkäufer haben zumindest die für sie relevanten Zahlen zwischen 5 und 100 gelernt und auch die kleinen Imbisswagen sind sehr bemüht, das Geschäft nicht an Sprachbarrieren scheitern zu lassen. Nicht, dass wir nach einem halben Jahr nun hier nicht klarkämen. Aber trotzdem irgendwie schön zu hören. Bekloppt, ich weiß. Aber wenn nicht gerade Olympia ist, findet man kaum jemanden, der Englisch spricht. Jetzt weiß ich: Die tun nur so.

Schon mal klären, wo wir hinmüssen

Einen Stadtplan bekommen wir in die Hand gedrückt und eine Karte für die Verkehrsmittel. Denn Donnerstag und Samstag müssen wir ja nach Deodoro raus und am Montag wollen wir ja gleich los nach Barra in das Olmpiazentrum. Besser mal vorher klären, wie wir hinkommen.

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Gunnar Jauch.

Vom sportlichen bekommt man in Copacabana wenig mit. Das ärgert den schweizer Seifenblasenmacher Gunnar Jauch sehr. Ihn interessiert vor allem, wie das Finale im Tennisdoppel der Damen zwischen Martina Hingis und Timea Bacsinszky (SUI) und den Russinnen Jelena Wesnina und Ekaterina Makarowa ausgeht ist nicht in Erfahrung zu bringen. Vielleicht ganz gut. Denn hätte er gehört, dass die Russinnen Gold holten…

Doch Jauchs Ärger verfliegt schnell. Denn schon bleibt das nächste Grüppchen stehen und staunt über die gewaltigen Seifenblasen, die der Schweizer mit zwei Angelruten aus dem Eimer mit Seifenlauge zieht – so etwas sieht jeder gerne, vor allem Kinder. Deshalb macht Jauch dies auch seit zwei Jahren hauptberuflich.

Die Kosten sind gering: Ein paar Milliliter Spülmittel („Am besten ist Fairy Lemon“, sagt er), etwas Gleitmittel und Wasser. Die Mixtur hat er im großen Kanister mitgebracht. Er lebt bis Ende August bei seinem Cousin in einer Parallelstraße zum Strand. Da muss er sein Equipment nicht weit schleppen.

Die Seifenblasenruten sind Marke Eigenbau – verbunden mit Schnüren, zwischen denen sich die Lauge sammelt und die herrlichen Blasen macht, wenn man sie nur langsam durch die Luft schwenkt.

Überall trifft man Fans des FC

Da staunt auch der Schwimmtrainer aus Tanzania, den ich leider nicht nach seinem Namen gefragt habe. Seine Wettkämpfe sind schon vorüber. Am Dienstag geht es zurück via Dubai nach Darassalam. Für ein Selfie ist aber noch Zeit. Schnell drückt er mit einem Prospekt seines Heimatlandes in die Hand, den ich bitte gut sichtbar in der Hand halten möge.

An einem Bierpavillon winkt mir jemand mit einer DIN-A-4-formatigen FC Köln-Fahne zu. Überall trifft man jecke Fans vom Effzeh. Gut so! Da muss ich mal vorbei. Shake hands, alles klar, ja, prima, tschö. Übrigens nicht das einzige Mal, dass ich an diesem Nachmittag auf mein FC-Trikot angesprochen werde.

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Wir machen beim Video mit, dafür muss das Team mit auf’s Foto.

Auf dem Weg zurück schwimmen wir gegen den Strom. Massen von Menschen, wieder gelb-grün, strömen Richtung Beachvolleyball. Heute noch wird ein brasilianisches Team antreten. Wir laufen in ein Kamerateam. Sie seien vom Onlineportal Yahoo und würden für dieses ein Video produzieren, in dem Ausländer portugiesische Slangbegriffe aussprechen sollen. Ob wir Lust hätten mitzumachen? Klar, haben wir. Was auch gar nicht schlimm. Ella hielt das Mikrofon, Wiebke und ich lasen die Begriffe vor. War nichts Schlüpfriges dabei, hoffe ich. Wenn wir es in das Video schaffen sollten, werde ich natürlich noch den Link einfügen.

Überhitzter Münzmarkt

Am Copacabana-Palace wieder abbiegen Richtung U-Bahn. Für Ella noch schnell ein Nutella-Tapioca gekauft, für Edgar Popcorn. Bei einem Straßenhändler fragen wir nach, was denn die 1-Real-Münzen mit Olympiamotiv kosten sollen (Edgar sammelt sie seit Wochen und hat bis auf 2 alle beisammen)? Der komplette Satz (18 Münzen) 250 Reais, das Album (leer) 55 Reais. Ja ne, ist klar. Dann lieber weiter die Kioskbesitzer nerven.

Am Montag geht es weiter, wir fahren hinaus in den Olympiapark nach Barra. Dort finden die meisten Wettkämpfe statt. Kurze Zwischenbilanz: Die Skepsis vom Anfang ist weg, die Brasilianer geben die fröhlichen und begeisterungsfähigen Gastgeber und alles sind super druff! Macht echt Laune, dieses Olympia.