Rio2016: Lasst die Spiele nun beginnen

Wie, Ihr fahrt weg? Ist doch Olympia! Natürlich gehören wir nicht zu denen, die Anfang August fluchtartig Rio verlassen werden, damit sie entweder ihre Wohnung für teurer Geld an Touristen vermieten können, oder weil sie Angst vor Terroranschlägen haben – auch wenn wir die ersten Wettkampftage tatsächlich aus der Ferne betrachten werden.

Nein, ich habe mich tierisch drauf gefreut, endlich, endlich einmal in einer Olympiastadt leben zu können, da werde ich mich doch nicht einfach so aus dem Staub machen. Wann erlebt man ein solches Spektakel denn mal hautnah? Die Fußball-WM war damals schon nicht schlecht. Die Fanmeile in Frankfurt, das Public Screening (Public Viewiing heißt übersetzt soviel wie das Aufbahren einer Leiche,deshalb benutze ich diesen Ausdruck ungerne) auf der schwimmenden Leinwand im Main. Also die in Deutschland. Das Sommermärchen. Aber Olympia! Herrschaftszeiten.

In Deutschland so schnell kein Olympia mehr

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Tom, eines der drei Maskottchen.

In Deutschland werden wir das auf absehbare Zeit jedenfalls nicht mehr erleben. München sorgt sich um die Kosten (die mit Abstand reichste Stadt Deutschlands!), Hamburg hatte ebenfalls die Buxe voll und deshalb die Bewerbung für 2024 wieder einkassiert. Und Berlin? Da ist man kohlemäßig ja etwas schmerzfreier unterwegs – ist ja eh‘ nix da – aber da würden ganz andere Probleme den Ablauf gefährden. Wer könnte denn garantieren, dass alle Sportstätten nicht erst vier Jahre nach der Eröffnungsfeier fertig würden, wenn überhaupt. Aber genug gekalauert. Olympia ist Pflichtprogramm, klarer Fall.

Tickets haben wir schon im März besorgt. Hätten uns gar nicht so zu beeilen brauchen. Er gibt selbst jetzt, wenige Tage vor Kick off noch einigermaßen Auswahl. Wer also kurzfristig noch ein Urlaubsziel braucht…

Wir werden und das Spiel um Platz 3 bei den Hockey-Herren anschauen und den Modernen Fünfkampf, beides Veranstaltungen, die erst gegen Ende stattfinden.

Doch auch so gibt es ja noch allerhand zu sehen und zu erleben. Eine Reihe Entscheidungen finden ja mehr oder weniger in der ganzen Stadt statt: Marathon, Radfahren, Triathlon, Gehen. In Ipanema gibt es ein großes deutsch-brasilianisches Begegnungszentrum mit Essen, Sport schauen allem Komfort und zurück. Da werden wir sicher auch mal reinschauen.

Atmosphäre genießen

oly4Vor allem möchte ich mir aber den Olympia-Park in Barra de Tijuca – hingefahren mit der dann tatsächlich fertiggestellten Metrolinie 4 – mal einen Tag lang anschauen und einfach mal schauen, ob Olympia tatsächlich eine so einzigartige Atmosphäre schafft, wie alle immer sagen. Einfach mal ein wenig herumflanieren, schauen, dabei sein, mittendrin sein. Das ist sicher für die Kinder auch ein tolles Erlebnis.

Wann gibt es das nochmal? 2020 ist Tokio, danach möglicherweise Paris oder Los Angeles, ganz sicher aber nichts um die Ecke. Und wenn das IOC ähnlich durchknallt wie die FIFA und das größte Amateursportfest der Menschheit vollends kommerziell ausschlachtet, dann wird man künftig im August in irgendwelche Golf- oder Schurkenstaaten reisen müssen. Nein, nein – Rio mag eine Reihe Probleme haben, die Olympia nicht gelöst hat, aber teilweise auch nicht lösen konnte, aber ich kann mir gut vorstellen, dass die Spiele, ähnlich wie die WM 2010 in Südafrika ein buntes ein fröhliches Sportfest werden. Vielleicht sind die Pannen im vorfeld, die sicherheits- und Gewaltdiskussion bald vergessen und vergeben. Das wünsche ich mir zumindest. Das hätte diese tolle Stadt auch mehr als verdient. Lasst die Spiele also beginnen!