Vom ersten Schulfest brachten wir einen Ohrwurm mit

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Großer Auftritt.

Seit Samstag habe ich einen Ohrwurm. „Freunde fürs Leben werden wir für immer sein…“ hallt seither in Endlosschleife durch meinen Schädel. Es war das Lied, das Ella und Edgar für ihr erstes Schulfest eingeübt hatten: Freunde fürs Leben, Amigos para sempre.

Olympia steht vor der Türe und was lag da näher, als dies auch als Motto zu wählen. Es gab ein großes Zelt mit Bühne und alle Klassen führten etwas passendes zum Thema auf. Die ersten Klassen spielten Eröffnungsfeier, als Delegationen verkleidet, in den Farben der olympischen Ringe, sangen sie nach dem Einmarsch ihren Song.

Kommt Euch bekannt vor? Andrew Lloyd Webber hatte den Song für die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 1992 für Sarah Brightman und José Carreras geschrieben. Eine Musiklehrerin der Schule hatte ihn umgedichtet.

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Pausenhof als Kunstgalerie.

Das Fest war extrem aufwendig. Einen solchen Aufwand für ein Schulfest habe ich bislang noch nie erlebt. Der Sportplatz war zehn Tage vorher schon belegt – darauf wurde ein großes Festzelt gebaut. Kein Wies’n-Zelt – bei dem Wetter hier wäre das sicher zur Großsauna geworden. Ella und Edgar übten seit Wochen das Lied, malten im Kunstunterricht. Was sie da malten, das konnten alle ebenfalls bewundern. Rund um das Blumenbeet wurden die Kunstwerke der Schüler ausgestellt. Über alles Wegen waren vor Wochen schon Schnüre mit Glitzerbändern gespannt worden – Wahnsinn. Als ich neulich mal die Kinder abholte, waren die Jungs gerade dabei. Jeden halben Meter Leiter aufstellen, oben festknoten. Andere Seite aufstellen, festknoten, halben Meter weiter. Ich bekam schon vom bloßen Zusehen Höhenangst.

Damit das mit den Delegationen auch stilecht über die Bühne geht, brauchten die Klassen einheitliche Klamotten: gelbes T-Shirt (einfarbig, kein Muster), weiße Shorts und Panama-Hüte mit gelber Binde  – für die anderen Klassen analog dazu in schwarz, blau, rot und grün. Welch ein Aufriss für ein Schulfest, dachte ich. Aber irgendwie sah es echt besser aus, als alle schön einheitlich einliefen. Glücklicherweise wusste eine Mama aus der Klasse, wo es die Hüte gibt.

Alle Klassen hatten zudem Attraktionen vorbereitet – Spiele, Verkaufsstände, noch mehr Spiele, Getränkestand undundund. Tatsächlich alle, die zur Schule gehören, waren irgendwie im Einsatz.

Gleich zu Beginn fiel mir vor allem eines auf: man kennt doch schon eine ganze Reihe Leute hier. Natürlich, die meisten mit der Schule verbandelt. Das liegt auch an dem sehr familiären Umgang und Umgangston hier. Ständedünkel – Lehrer hier, Schüler da, Bedienstete woanders – gibt es hier weniger. Zeigt sich auch schon beim wöchentlichen Kick zwischen Lehrern und Schülern. Alle paar Meter traf ich auf Bekannte. Und das Schöne daran: Weil sich die Kinder auskannten und herumflitzten, blieb wirklich mal Zeit für den einen oder anderen Schnack.

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Beeindruckend, das Schulfest.

Aber erst mal was essen. Und war braucht man auf einem guten deutschen Schulfest. Klar, Kuchenbüffet, das gab es im ersten Stock im Prüfungsraum. Grillkram, logisch. Kalbsbratwurt mit Kartoffel- und Krautsalat war im Angebot –alles gleich aus der Hand der Metzgerei – Reibekuchen mit Apfelmus, Brezel aber auch kleine lokale Knabbereien: Fleischspieße, Pao de Queijo, Popcorn!

Mit der Wurst in der Hand hechtete ich hinüber ins Zelt, gerade noch rechtzeitig, vorbei am Vater eines Klassenkameraden, der mich fast schon überschwänglich abklatscht. So ist man hier, vornehme Zurückhaltung kennt man hier nicht, immer druff, so, als würde man sich schon Jahre kennen.

Die Musik setzt ein, die Mannschaften laufen auf. Am Ende sitzen und stehen sie auf der Bühne und schmettern aus vollem Herzen die frühere Olympiahymne „Freunde fürs Leben werden wir für immer sein..“ Edgar sitzt neben seinem Spezi Murilo, Ella mittendrin, daneben die anderen Knirpse, die mir seit der Einschulung, nach einigen Kindergeburtstagen und Klassentreffen schon ein bisserl ans Herz gewachsen sind. Im Publikum die Eltern, stolz mit dem Handy mitfilmend, so wie ich auch. Ja, irgendwie sind wir angekommen, hier, am anderen Ende der Welt, nach dem ersten Schulhalbjahr.

Da ist das, was ich an diesem Land, an diesen Menschen hier so bewundere: Ihre Begeisterungsfähigkeit. Es dauert keine vier Sekunden, dann sind alle voll da, gehen mit, singen mit, haben Spaß – leben den Moment. Hier braucht keine eine große Anlaufzeit, drei Takte Musik genügen völlig. Das ist es auch, was mich frohen Mutes für die Olympischen Spiele macht.

Auch wenn jetzt noch niemand so richtig einen Kopf dafür hat, oder große Vorfreude zu verspüren scheint. Ich bin hundert Prozent sicher: Wenn am 5. August die Spiele eröffnet werden, werden auch die Brasilianer da sein. Sie werden tanzen, singen, feiern – so, wie sie es immer tun. Egal, was wirtschaftlich oder politisch um sie herum passiert. Darauf haben sie ohnehin keinen Einfluss. Sie werden wunderbare Gastgeber des größten Sportevents auf unserem Planeten sein, garantiert.

Mit tut es fast ein wenig leid, dass nun Ferien sind und man viele die nächsten vier Wochen nicht sehen wird. Mit einigen sind wir verabredet – ich freue mich auf die nächsten Halbjahre und Schulfeste.