Rio2016: „Amateure“ sollen Anschlag geplant haben

Wenn bislang über das Thema Sicherheit mit Blick auf die Olympischen Spiele berichtet wurde, dann war dieser Blick immer nach innen gerichtet. Auf die wieder heftiger aufflammenden Verteilungs- und Machtkämpfe der Drogenkartelle in den Favelas Rios oder die Angst vor Überfällen Kleinkrimineller Banden auf Handys, Bargeld, Kreditkarten der Olympia-Touristen. Mit dem internationalen islamistischen Terror hatte sich der Sicherheitsdiskurs bislang in der Öffentlichkeit noch nicht groß beschäftigt. Das ist seit ein paar Tagen anders.

Am vergangenen Donnerstag, 21. Juli, vermeldeten brasilianische Sicherheitsbehörden die Festnahme von zehn Tatverdächtigen Personen. Sie sollen anscheinend Anschläge auf die Olympischen Spiele geplant haben.

Eine Verbindung zum IS scheint es aber nicht zu geben. Die Verdächtigen hätten dem Islamischen Staat die Treue geschworen und den Kauf von Waffen via Internet vorbereitet, sagte Justizminister Alexandre de Moraes bei einer Pressekonferenz. Direkten Kontakt zum IS sollen sie aber nicht gehabt haben.

Bei den Festnahmen handelte es sich um einen Präventionsschlag der Sicherheitskräfte.

Sie seien festgenommen worden, weil sie über ihre Computer Internetseiten aufgerufen hatten, die mit dem IS direkt in Verbindung stehen.

Die Tatverdächtigen wurden in neun Bundesstaaten festgenommen, standen allem Anschein nach nur über die sozialen Netzwerke Whatsapp und Telegram in Kontakt miteinander, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.

Persönlich hätten sie sich nicht gekannt.  Zwei weitere Verdächtige würden noch gesucht, fügte de Moraes hinzu, der die Gruppe als „absolute Amateure“ bezeichnete.

Olympia im Fokus von Terroristen

Bislang haben Brasilianische Behörden keine Erfahrung mit islamistischen Terroristen, dafür liegt Südamerika, liegt Brasilien weltpolitisch zu weit ab vom Schuss. Moraes räumt aber ein, dass die Spiele Brasilien auch in den Fokus von Terroristen gerückt haben könnten. Schließlich nähmen an den Olympischen Spielen Mannschaften aus Ländern teil, die sich aktiv an der Terrorismusbekämpfung speziell in Syrien und im Irak beteiligen. Brasilien ist zurzeit nicht in der Anti-Terror-Allianz involviert.

Wie die Behörden weiter mitteilten, hätten sie brasilianischen Sicherheitskräften im Vorfeld der Festnahmen mit französischen, deutschen, britischen, israelischen und US-amerikanischen Geheimdiensten zusammengearbeitet. Anscheinend beobachtet die brasilianische Bundespolizei rund 100 weitere Personen wegen möglicher Verbindungen zum IS, berichtet Reuters weiter.

Am Abend des selben Tages musste auch ein Sprengstoffkommando in den Stadtteil Botafogo ausrücken. Dort war eine herrenlose Plastiktüte aufgefallen, berichtet die Zeitung O Globo.  Aus Sorge, es könne sich möglicherweise um einen Sprengstoffbehälter handeln, war die Straße Voluntarios de Patria gegen 21 Uhr vorsorglich gesperrt worden und das Sprengstoffkommando alarmiert worden. Die Sperrung wurde nach einer Stunde wieder aufgehoben.

Ähnliches hatte sich bereits vergangenen Montag in der Avenida General San Martin im Stadtteil Leblon ereignet. Ein Porteiro hatte einen verdächtigen Koffer entdeckt und die Polizei alarmiert.

Sicherheitsbehörden sind sensibilisiert

Die Sicherheitsbehörden sind jedoch sensibilisiert. Im April wurde im Nachrichtendienst Twitter ein Tweet entdeckt, der eine Gefährdung Rios andeutete und den Experten als authentisch einstuften.

Die mögliche Bedrohung durch Terrorismus ist für die Brasilianer neu. Eine große Angst vor islamistischem Terror in der Bevölkerung, wie sie in Europa zu beobachten ist, spielt in Brasilien bislang keine Rolle. Für die Brasilianer sind die USA und Europa weit weg, Islamismus ist bislang unbekannt. Deshalb wird versucht, die Bevölkerung von Rio im Vorfeld der Spiele zu sensibilisieren. In den vergangenen Wochen wurden in der Südzone und im Stadtzentrum Handzettel verteilt, in denen Bewohner zu wachsamen Beobachtungen verdächtig und nervös erscheinender Personen aufgerufen wurden.

Für die Sicherheit der Olympischen Spiele sind mehr als 80.000 Sicherheitskräfte der Polizei und des Militärs im Einsatz – mehr als doppelt so viele wie vor vier Jahren in London.