Süßkram: Zum Nachtisch gibt es Romeo und Julia

Brasilianer mögen es gerne süß zum Dessert. Das passt uns prima. Denn nicht nur die Kinder lassen für ein Eis das beste Schnitzel gerne sausen; für einen hübschen Nachtisch haben Wiebke und ich auch meist noch Platz. Vor allem, wenn er einen so schönen Namen trägt wie dieser: Romeu und Julieta.

Romeu und Julieta, das tragische Paar aus Shakespeares wohl berühmtester Tragödie. Die beiden Spröße verfeindeter Familien passen perfekt zueinander, dürfen es aber nicht sein. Anders ist das beim Käse aus dem Bundesstaat Minas Gerais und Goiabada.

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Brasilianische Dessertauwahl. Auf 11 Uhr: Romeu und Julieta.

Die Goiaba-Frucht kennt man in Deutschland eher als Guave. Ihr Mus wird mit Zucker eingedickt und zu Goiabada verarbeitet. Es erinnert an eine Art Marmelade, ist jedoch sehr viel fester – man hat richtig Mühe, diesen rötlich-braunen Block mit dem Messer zu schneiden. Das handwerklich hergestellte Goiabada kann man an der Form erkennen, da es normalerweise zu Barren geformt wird und in kleinen Holzkästen verkauft wird. Ist die Masse eher rundlich, hat man es wohl eher mit industriell gefertigter Goiabada aus der Konserve zu tun. Muss aber geschmacklich nichts heißen.

Der Queijo (Käse) Minas ist ein, in jungem Reifezustand, weißer leicht salziger Käse, der optisch an Fetakäse erinnert, jedoch weicher ist – eher Richtung Mozarella, jedoch nicht so fasrig – und weniger salzig als der Verwandte vom Balkan.

Diesen Queijo kauft man entweder als Stück vom großen Laib geschnitten, oder in kleineren Plastikbechern. Dann ist er in aller Regel zusätzlich in eine Folie oder ein Papier gewickelt und in einer milchigen, leicht zähen Lake eingelegt. Das klingt jetzt nicht besonders lecker. Ist aber kein Problem, wenn man damit richtig umzugehen weiß und nicht wie wir den nicht aufgegessenen Käse wieder brav in das Papier einwickelt und zurück in die Lake wirft und sich dann wundert, warum er am nächsten Tag schon einen leicht vergorenen Eindruck macht.

Drei Regeln im Umgang mit Queijo Minas

Marco, ein brasilianischer Bekannter, den wir in der deutschen Gemeinde kennenlernten, klärte uns auf. Als wir ihn neulich zum Sonntagmittagessen einluden (Goulasch, mit hausgemachten Spätzle und Apfelmus) brachte er das Dessert mit – eben Romeu und Julieta. Und somit auch jenen Käse. Regel Nummer eins: Den Käse aus der Packung nehmen und erst einmal abwaschen. Eben, damit die zähe, leicht schleimige Lake abgeht. Regel Nummer zwei: Den Rest in den ausgespülten Becher geben und mit frischem Wasser auffüllen. Regel Nummer drei: Dies jeden Tag wiederholen, bis er eben aufgebraucht ist.

Drei im Grunde einfache Regeln, die wir allesamt natürlich nicht beachtet hatten bisher. Wie auch. Wir wussten ja von nichts. Hätten ja mal jemanden Fragen können. Etwa Sprachlehrerin Kora, die sich am anderen tag schlapp lachte, als ich ihr davon erzählte. Das ist das Ritual des Sprachunterrichts: Erstmal ausgiebig erzählen was amWochenende war. „Natürlich müsst ihr den Käse abwaschen!“ sagte sie. Manche machten dies sogar mit heißem Wasser, wie sie versicherte.

Doch zurück zum Dessert. Die Mischung aus leicht salzigem Käse und der nicht zu süßen Goiabada hat uns tatsächlich überrascht. Angenehm überrascht. Da verspricht der Name Romeu und Julieta tatsächlich nicht zu viel.

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Marco hatte und, wenn man schon mal dabei ist, gleich noch eine andere Variante mitgebracht: Doce de Leite. Das ist eine bräunliche zähe cremeartige Masse, die aus Milch, Zucker (ziemlich viel davon)und Vanille hergestellt wird. Manch einer benutzt sie als Brotaufstrich. Wen wundert’s, die Preise von Nutella in Supermarkten gleichen einem Daxkurs zu Brexitzeiten: Kaum ein Preis im Supermarkt, der eine derartige Schwankung aufweist, wie der Nutellapreis. Darum ist er für mich beim Einkauf eine Art Referenzwert geworden.

Das ist fast wie beim Gold. Sind die Nachrichten aus der Politik eher schlecht, schießt der Preis in die Höhe. Das bedeutet, dass ein Plastikbecher Nutella, Glas gibbet nicht, zu 350 g (in Deutschland 400 g) hier in aller Regel um die 20 Reais kostet, also günstig gerechnet, ca. 5 Euro. Deshalb gibt es bei uns Nutella auch nur am Wochenende, was aber in Deutschland auch nicht anders war.

Den absoluten Abschuss liefert zurzeit die Supermarktkette Campeao, eigentlich eher eine gündtigere Kette, mit der derzeit erhältlichen Brasil-Edition. 25,99 Reais will man dort für einen Becher haben. Bzw. wollte man. Nach wenigen Tagen hatte man die Verwegenheit dieser Preisgestaltung erkannt und reduziert, auf nun 21,99 Reais. Er war kein einziges Glas verkauft worden.

Sinkt der Goldpreis, bzw. der für Nutella, kommt es zu leicht irrationalen Hamsterkäufen. Da freut es einen umso mehr, wenn man in den Supermarkt spaziert, den, in dem es das Eisenbahn Kölsch gibt, ein weiterer Referenzpreis, und feststellt, dass dort eine Nutellaaktion läuft: 12,99 Reais der Becher. In Euro umgerechnet immer noch ein Frevel, aber für hiesige Verhältnisse bislang nie mehr unterboten worden.

Klar, man könnte sich auch Doce de Leite auf’s Brot schmieren. Doch deren karamellartiger Geschmack – mich erinnerte es an die Muh Muh-Bonbons mit der Kuh – ist meine Sache auf Brot nicht. Marco hatte eine Dose (natürlich nicht wiederverschließbar, 800 Gramm Inhalt, offenbar eine gängige Verbrauchsgröße in einem brasilianischen Haushalt) mitgebracht, um diese Abwandlung von Romeu und Julieta mit Queijo Minas zu demonstrieren. Käse mit Karamell hatten wir bislang so noch nicht kennengelernt – war aber ebenfalls eine sehr angenehme Überraschung. Und außerdem weiß ich jetzt, was das für ein braunes Zeug ist, das in der Schulkantine immer in der Nähe der Salatbar steht. Man muss halt einfach nur mal fragen.