Brasilien feiert das Junifest auch noch im Juli

Dem Mainzer ist seine Johannisnacht heilig – da wird um den 24. Juni, den Johannistag, ein ganzes Wochenende lang gezecht und gefeiert, auch wenn dieses Datum bedeutet, dass in Finthen kein frischer Spargel mehr gestochen wird.

Seit der flächendeckenden Verbreitung von Ikea-Möbelhäusern in Deutschland ist den meisten das Midsommar-Fest geläufig. Nein, das ist nicht der Name eines Sitzmöbels, sondern das Fest, das die Skandinavier zur Sommersonnenwende feiern und sich nach dem langen Winter endlich wieder ins Freie trauen. Wo es dann ja auch schön lange hell ist.

Brasilianer feiern auch gern. Der heilige Johannes ist hier der Sao Joao. Und dessen Fest wird natürlich auch gefeiert. Nur hier eben zum Winterbeginn. Tja, Südhalbkugel halt. Seit Karneval wissen wir überdies, dass Stichtage oder Daten für den Carioca eher unverbindlichen Preisempfehlungen gleichen, alles kann, kein muss. Karneval wird schon lange vor dem eigentlichen Wochenende gefeiert, und auch, wenn es sein muss, bis weit darüber hinaus. Am Aschermittwoch ist am Zuckerhut jedenfalls noch lange nicht alles vorbei.

Da das mit dem Stichtag, dem Johannistag, hier schwer einzuhalten sein wird, hat man sich überlegt, das Fest „Festa Junina“, also Junifest zu nennen. So bleibt ein ganzer Monat Zeit. Und weil das manchmal auch nicht auszureichen scheint, wird das „Festa Junina“ durchaus auch noch im Juli gefeiert. Eingeführt hatten das Fest übrigens die Kolonialherren aus Portugal.

Heute feiert es jeder. Das Muster ist relativ ähnlich. Da die Portugiesen im Nordosten in Brasilien landeten, soll das Fest ein wenig an die dortige, landwirtschaftliche Tradition erinnern: Es braucht also einer Art Stall, am besten strohgedeckt, als Festsaal.  Wer das nicht zur Hand hat, kann auch ein paar Strohballen platzieren – irgendwie muss es nur entfernt an einen Bauernhof erinnern. Männer verkleiden sich als Bauernjungen, mit karierten Hemden und Strohhüten. Frauen tragen Pferdeschwanz, schminken sich Sommersprossen und Zahnlücken – wie man sich die Landbevölkerung halt gemeinhin vorzustellen scheint.

Dazu gibt es eine Art Volksmusik mit Akkordeon, die ein wenig an den Zydeco erinnert, aber immer schön flott und tanzbar ist und Forró heißt. Auf gar keinen Fall fehlen darf ein irgendwie geartetes Lagerfeuer. Dazu wird Holz hübsch gleichmäßig aufgeschichtet. Schön rustikal ist das Fest auch kulinarisch: Es wird Likör getrunken, zu essen gibt es Maiskolben und Gegrilltes.

Gefeiert wird eigentlich überall – jeder macht sein kleines Festa Junina. So auch am Samstag bei uns im Wohnkomplex. Besonderes Highlight dort für die Kinder: Bullenreiten.