Brasilien: Ab August keine Cola und Limo mehr in Schulen

Es klingt fast zu schön um wahr zu sein: Coca-Cola, Pepsi und der brasilianische Ableger des Getränkeriesen Ambev wollen an Schulen keine Limonaden und Softdrinks mehr verkaufen. Und das sogar schon vom kommenden August an. Das teilten die Unternehmen vergangene Woche mit. Künftig soll es statt Cola und Limo dann verstärkt Wasser, Säfte, Kokoswasser und Milchgetränke geben. Aber: Das gilt nur für Schulen mit einem überwiegenden Anteil an unter 12-jährigen Schülern.

Brasilien ist der drittgrößte Markt für Coca-Cola, AmBev ist der größte Getränkeabfüller Lateinamerikas und, neben einem Brauereiimperium, auch Hersteller von Erfrischungsgetränken. So besitzt es die Vertriebsrechte für den Brasilianischen Markt an zahlreichen Marken der PepsiCo und ist Marktführer für Guaraná.

Aus dem Nichts kam dieser Schritt aber nicht: Im März hatte die Vereinigung der brasilianischen Getränkeabfüller, die Associação Brasileira das Indústrias de Refrigerantes e de Bebidas não Alcoólicas (Abir), den Unternehmen empfohlen, Kinder unter 12 Jahren nicht mehr als Werbezielgruppe zu berücksichtigen. Damit folgte sie einem globalen Trend auf diesem Markt. 2015 war die Produktion von Erfrischungsgetränken in Brasilien um 5,9 Prozent zurückgegangen.

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Kokoswasser schmeckt eh besser.

In der gemeinsamen Erklärung der drei Hersteller begründen sie den Strategiewechsel in ihrem Schulprogramm damit, dass sie einen Beitrag zu gesünderer Ernährung leisten wollen. „In Pausen haben Schüler Zugang zu Cafeterias ohne ihre Eltern. Kinder, die jünger als 12 Jahre alt sind haben nicht genug Reife, unbewusste Konsumentscheidungen zu treffen“, heißt es in der Erklärung der Getränkeabfüller, die natürlich auch die neu ins Programm aufgenommenen Getränkesorten in ihrem Portfolio haben. Erst Anfang Juni hatte Coca-Cola den Kauf des Soja-Getränkeherstellers Ades für rund 575 Mio. USD verkündet. Für die Hersteller dürften sich also die Umsätze lediglich verlagern. Außerdem kündigten die Abfüller an, spezielle Getränkebehältermit 250 ml Inhalt anzubieten. Bisher sind es in der Regel 350 ml.

Zudem ist in einigen brasilianischen Bundesstaaten, etwa in Paraíba der Verkauf von Softdrinks an Schulen gesetzlich verboten.

Brasilien hat in Sachen Übergewicht aufgeholt

Hintergrund für die Entscheidung ist sicher auch die Tatsache, dass Brasilien eines der Schwellenländer ist, dass einen rasanten Anstieg an Adipositas in der Bevölkerung zu beklagen hat. Der Anteil an Übergewichtigen Menschen in der Bevölkerung liegt laut einer Erhebung des Brasilianischen Gesundheitsministeriums von 2015 bei 52,5 Prozent. Der Anteil adipöser Menschen in Brasilien liegt demnach bei 17,9 Prozent. Als adipös gilt laut Deutscher Adipositasgesellschaft, wessen Body-Mass-Index (BMI) über dem Wert 30 liegt. Der BMI setzt das Gewicht in Verhältnis zur Körpergröße. Wer mag, kann das hier nachrechnen. Der BMI wurde 1996 von der Weltgesundheitsorganisatin WHO definiert und ist nicht unumstritten. Sicher ist das Verhältnis zwischen Größe und Gewicht nicht das alleingültige Kriterium. Und über die definierten Werte kann man sicher trefflich streiten. Nichtsdestotrotz ist es ein internationaler Standardwert. Und sagen wir mal so: Werte über 35 sind auch für den Laien als ungesund erkennbar, also ab Stufe 2.

Bei den Kindern gilt etwa ein Drittel aller Fünf- bis Neunjährigen als übergewichtig, 16,6% der Jungen und 11,8% der Mädchen gelten als adipös.

Im südamerikanischen Vergleich ist Brasilien damit noch gut bedient. Spitzenreiter in dieser Gewichtsklasse ist Chile (25,1%) von Paraguay (22,8%).

Ob die Getränkehersteller mit ihrer Ankündigung einen nachhaltigen Beitrag zur brasilianischen Volksgesundheit leisten – man darf es bezweifeln, wie eine Studie aus den USA belegt. Dort untersuchte man die Auswirkungen eines Softdrinkverbots an Schulen wissenschaftlich. Ergebnis: Wer in der Schule keine Limo oder Cola kaufen kann, kauft sie anderswo. Solange sich die Ernährungsgewohnheiten nicht grundlegend ändern, ist ein Verbot mehr oder weniger für die Katz.

 

Ergänzt: 27.06. 11.30 Uhr Ortszeit), 29.06. 7.45 Uhr.