Fußballer Romário will Bürgermeister von Rio werden

Der brasilianische Fußballweltmeister Romário will Bürgermeister von Rio de Janeiro werden. Vergangenen Montag hat der 50-Jährige seine Kandidatur offiziell bekannt gegeben. Er will damit am 2. Oktober Nachfolger von Eduardo Paes werden. Bei seiner Vorstellung pries sich der 71-fache Nationalspieler als „saubere Alternative“ an – eine Anspielung auf die mehreren Dutzend Politiker, die in den Petrobras-Korruptionsprozess „Lava Jato“ verstrickt sind, inklusive des Interimsministers Michel Temer.

Den Einwand, über zu wenig Erfahrung als Politiker zu verfügen, wischt Romário beiseite. „Die die Erfahrung haben, sitzen alle im Gefängnis“, zitiert ihn die Tageszeitung O Globo. So ganz ohne Erfahrung steigt Romário nicht in den Ring. Romário hatte schon im Herbst seiner sportlichen Karriere mehrfach angedeutet, einmal in die Politik gehen zu wollen. 2009 machte er diese Ankündigung wahr und trat in Partido Socialista Brasileiro ein, für die er 2010 in Rio de Janeiro zum Kongressabgeordneten gewählt wurde.

So ganz unbefleckt verlief seine politische Karriere bislang aber nicht. So wird ihm vorgeworfen, während des Senatswahlkampf 2014, unerlaubte Unternehmensspenden erhalten zu haben. Die Ermittlungen stecken noch in den Anfängen.  Es geht um 100.000 Reais, die das Bauunternehmen Odebrecht gezahlt haben soll. Dessen Chef, der 47-jährige Marcelo Odebrecht, wurde im März zu mehr als 19 Jahren Haft verurteil, wegen Bestechung. Vor wenigen Tagen hatte er angekündigt, mit der Justiz kollaborieren zu wollen und zu „singen wie ein Kanarienvogel“. Er gilt als einer der Kronzeugen im Bestechungsprozess.

Es wäre freilich nicht nicht das erste Mal gewesen, dass dem „Besten Stürmer der Welt“ , so Legende Johann Cruyff einmal über ihn, seine laxe Einstellung zu Regelwerken Schwierigkeiten bereiten würde. Die Liste von Romários Skandalen ist durchaus beeindruckend. Er hat 2005 bei Freizeitkicks mit Drogenbossen auf dem Feld gestanden und einige Nächte in Polizeigewahrsam  verbracht, weil er Unterhaltsstreit mit einer Exfrau hatte. Auch in Clubs, in denen er spielte – Eindhoven, Barcelona, Fluminense, Flamengo, Vasco da Gama (drei der vier großen Clubs Rios) –  und in der Seleçao eckte der Exzentriker oft an. Die WM in Japan 2002 verpasste er, weil er im Clinch mit dem damaligen Trainer lag. Dreimal war Romário verheiratet, er hat sechs Kinder mit vier Frauen.

Nun will Romário also das ungeliebte Brasilia verlassen und als Bürgermeister in seine Geburtsstadt Rio de Janeiro zurückkehren. Der bisherige Bürgermeister Eduardo Paes war dann acht Jahre im Amt. Schon vor zwei Jahren hatte er angekündigt, nach seiner Amtszeit nach New York umziehen zu wollen.

Romário ist nicht der erste Sportler, der sich nach seiner aktiven Laufbahn an einer politischen Karriere versucht. Am weitesten hat es dabei vielleicht der frühere Bodybuilder und Schauspieler Arnold Schwarzenegger. Er war von 2003 bis 2011 Gouverneur des amerikanischen Bundesstaats Kalifornien. Ebenfalls hoch auf der Karriereleiter hat es der ukrainische Boxer Vitali Klitschko geschafft. Er ist seit Mai 2014 Bürgermeister von Kiew. Ein Kollege Romários, der frühere Weltklassestürmer George Weah aus Liberia – unter anderem war er Weltfußballer des Jahres und ist Afrikas Fußballer des Jahrhunderts – wollte 2005 Staatspräsident seines Heimatlandes werden.