Filmreife Befreiung eines Drogenbosses aus dem Krankenhaus

Filmreif wurde am frühen Sonntagmorgen ein mutmaßlicher Drogenboss aus einem Krankenhaus von Rio de Janeiro befreit. Laut Medienberichten sollen 25 schwer bewaffnete Männer in das Hospital Municipal Souza Aguiar eingedrungen sein, um den 28-jährigen Nicolas Labre Pereira de Jesus, genannt „Fat Family“ zu befreien. Er war vergangenen Montag dort eingeliefert worden, als er sich bei einem Feuergefecht in der Favela Morro Santo Amaro eine Verletzung im Gesicht zugezogen hatte. Die Polizei vermutet, dass „Fat Family“ der Brüder des Drogenbosses Marco Antonio Pereira Firmino da Silva aus Sao Paolo sein soll.

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Fahndungsaufruf der Polizei. Quelle: Polizei

Augenzeugen berichteten der Daily Mail, dass rund 25 Bewaffnete mit fünf Autos und vier Motorrädern vorgefahren waren und in das Krankenhaus gestürmt seien. Danach hätten sie sich in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine bewachte die Rezeption des Krankenhauses, die andere stürmte in den sechsten Stock des Gebäudes, um ihren Drogenboss zu befreien. Bei dem Feuergefecht wurden drei Personen – ein Patient, eine Krankenschwester, ein Polizist – verletzt. Der Patient, der durch einen Querschläger verletzt worden war, erlag im Laufe des Sonntags seinen Verletzungen.

Wie die Polizei am Sonntag mitteilt, konnten zwei der mutmaßlichen Befreier anhand von Aufzeichnungen der Überwachungskameras identifiziert werden. Nach ihnen wird zurzeit gefahndet, eine hohe Belohnung wurde ausgesetzt (siehe Fahndungsaufruf).

Weiterhin räumte die Polizei ein, Hinweise auf die geplante Befreiungsaktion vorab erhalten zu haben. Colonal Luiz Henrique Pires, Sprecher der Militärpolizei sagte am Sonntag, dass man daraufhin sogar die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt habe. Es sei jedoch unmöglich, nach jedem Hinweis 30 oder 40 zusätzliche Polizisten bereitzustellen. Zudem kritisierte er, dass die meisten Krankenhäuser Rios nicht ausreichend für die Behandlung von Polizeigefangenen ausgestattet seien. „Die staatlichen Krankenhäuser haben nicht die Struktur, solche Patienten zu behandeln“,sagte er der Nachrichtenagentur AP. Das sei jedoch kein neues Problem, ähnliche Vorfälle hatte es bereits vorher gegeben, so Pires.

Das Krankenhaus Aguiar war im Vorfeld der Olympischen Spiele modernisiert worden. Es ist einen von fünf Krankenhäusern in Rio, die man ausgewählt hatte, um dort Touristen während der Spiele zu behandeln. Es liegt in der Nähe des Maracana-Stadions. Außerdem steht es auf einer Empfehlungsliste der US-Botschaft für amerikanische Olympia-Touristen.

Erst am vergangenen Freitag hatte Gouverneur Francisco Dornelles für den Bundesstaat Rio de Janeiro den Notstand angerufen. Exakt 50 Tage vor Beginn der Olympischen Spiele setzte er damit der Bundesregierung in Brasilia die Pistole auf die Brust, forderte finanziellen Hilfe, da sonst grundlegende Aufgaben, darunter die öffentliche Sicherheit, nicht mehr zu gewährleisten seien. Noch am Wochenende hatte Interimspräsident Michel Temer 850 Mio. USD an Unterstützung zugesichert.

Die Ursachen für den finanziellen Engpass beschreibt Dornelles im Wesentlichen mit der allgemein schlechten wirtschaftlichen Lage in Brasilien. So soll es weniger Einnahmen bei den Mehrwertsteuern gegeben haben (zurzeit 17%). Auch an Öllizenzgebühren habe der Staat weniger einnehmen können zuletzt.