Neue Leichtbahn VLT: Blackout bei der Jungfernfahrt

Es will aber auch zurzeit nichts richtig gelingen. Pechsträhne könnte es der arglose Beobachter nennen, dass Rios brandneue Leichttram VLT gleich am ersten Einsatztag, vergangenen Sonntag, 5. Juni, 20 Minuten ohne Strom blieb. Na ja, nicht ganz. Eigentlich blieb sie ja sogar 14 Tage ohne Strom. Denn der ursprünglich für Mitte Mai avisierte Starttermin war damals kurzerhand verschoben worden.

Dabei war man doch so stolz gewesen, nach Dubai die erste außereuropäische Stadt zu sein, in der eine Tram fährt, die ihre Energie nicht aus Oberleitungen bezieht. In Dubai fährt bereits seit 2014 ein identischer Zug. Die Zufriedenheit dort mit dem neuen Verkehrsmittel ist hoch, wie Mattar Al Tayer von der Verkehrs- und Transportdirektion Dubais kürzlich der Zeitung O Globo stolz berichtete. Nur in puncto Sicherheit habe es anfangs ein paar Problemchen gegeben. So sei es mitunter zu Zusammenstößen mit Autos gekommen, weshalb einige Kreuzungen auf der Strecke sogar nachträglich ganz für den Autoverkehr gesperrt werden mussten.

20160419_133905

Vor einigen Wochen waren die Tramgleise noch ruhig.

Um dies einzudämmen wurden außerdem die Strafen für Unfallverursacher eingeführt, ebenso für Leute, die Müll auf die Gleise werfen, oder die Gleise außerhalb der erlaubten Flächen überqueren. 960 Dollar kostet das laut O Globo in Dubai. Ein derartiger Strafenkatalog wäre sicherlich auch im Sinne der chronisch klammen Stadtkasse Rios.

Allerdings ist laut Al Tayer der Überwachungsaufwand enorm. 230 Polizisten sollen dort den Tramverkehr überwachen und zusätzliche 800 Kameras.

In Dubai ist die Strecke gerade einmal 11 Kilometer lang. In Rio fährt die Tram auf insgesamt 28 Kilometern Länge durch die Stadt, verbindet die Innenstadt mit dem Seehafen und dem Innenstadtflughafen Santos Dumont. Die Tram soll eines der Vermächtnisse der Olympischen Spiele an die Stadt Rio de Janeiro sein und die Straßen im Centro entlasten helfen. Begleitet wurde die Eröffnung von Protesten. Sie kritisierten die Bahn als überflüssig und zu teuer.

Die 16 Kilometer lange Verlängerung der Metrolinie hinaus nach Barra lässt hingegen weiter auf sich warten. Eigentlich hätte deren Eröffnung bereits im vergangenen November sein sollen. Von offizieller Seite gibt man sich aber weiterhin zuversichtlich, dass die Metro pünktlich zum Start der Spiele die Innenstadt Rios mit dem Austragungsschwerpunkt Barra de Tijuca verbinden wird.

Immerhin fließt bereits seit 28. Mai der Verkehr auf der ausgebauten Küstenautobahn zwischen Rio und Barra. Die gut 5 Kilometer lange zweispurige Erweiterung wurde neben der bestehenden Straße auf Stelzen errichtet. Die Verantwortlichen erhoffen sich durch die Erweiterung eine Kapazitätserweiterung von bis zu 30 Prozent auf dieser chronisch überlasteten Nord-Süd-Achse. Laut Stadt fahren wird die Strecke bisher täglich von bis zu 85.000 Pkw genutzt

Vom 31. Juli bis 22. August, also während der Spiele, wird der gemeine Verkehrsteilnehmer von der Straße nicht viel haben. Dann nämlich wird über die Verbindung die so genannte Olympic Lane eingerichtet. Auf dieser dürften dann nur Atlethen und Funktionäre staufrei fahren.