Baulöwe Odebrecht will singen wie ein Kanarienvogel

Das große Aufräumen im Korruptionsprozess um den brasilianische Ölkonzern Petrobras geht weiter. Mehr als 50 hochrangige Politiker dürften in den kommenden Wochen und Monaten schlecht schlafen. Denn Marcelo Odebrecht, 47, der Vorstandsvorsitzende des Baukonzerns Odebrecht, der größte private Kontraktor Lateinamerikas, hat am heutigen Montag in Sao Paolo angekündigt, vor Gericht „zu singen wie ein Kanarienvogel“.

Odebrecht gilt als Schlüsselfigur im Korruptions- und Geldwäschegeflecht, das die Brasilianer „Lava Jato“ nennen, übersetzt bedeutet das „Autowäsche“. Der Bauunternehmer war bereits Anfang März wegen Korruption zu 19 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Offenbar scheint sich Marcelo Odebrecht nun eine Haftmilderung auszurechnen, wenn er beginnen sollte auszupacken. Groß etwas zu verlieren hat er ja nicht mehr.

Kurz nach seiner Verurteilung war eine Liste aufgetaucht, mit den Namen von rund 200 Politikern. Odebrecht hatte zudem vor Gericht bereits eingeräumt, dass es in seinem Baukonzert eine eigene Abteilung für Bestechungen gegeben habe. Diese habe eigene Strukturen gehabt und ein eigenes Budget, weitgehend autonom vom Mutterkonzern.

Interessant dann sicher auch, ob er etwas zur Rolle der Präsidentin Dilma Rousseff zu sagen hat. Bislang konnte ihr keine direkte Verbindung zu irgendwelchen Schmiergeldzahlungen nachgewiesen werden. Rousseff war jedoch von 2003 an mehrere Jahre Vorsitzende des Aufsichtsrats bei Petrobras.