Studie: Brasilien bei Unternehmensinsolvenzen Weltspitze

Brasilien macht weiter Schlagzeiten. Negative, versteht sich. Laut dem Kreditversicherer Euler Hermes (EH) führt Brasilien die Weltrangliste des jährlichen Zuwachses an Insolvenzen an. 22 Prozent mehr Pleiten 2016 könnten es demnach in diesem Jahr werden.

Die Situation wird verschärft durch einen ebenfalls schwächelnde Wirtschaft in China, wo die Zahl der Insolvenzen bei 20 Prozent liegen, dort ebenfalls ein Rekordwert. China ist der wichtigste Handelspartner Brasiliens. Ganz zu schweigen vom schrumpfenden Bruttoinlandsprodukt. Euler Hermes geht davon aus, dass dies im laufenden Jahr um 3,5 Prozent schrumpfen wird.

Wirtschaft hat viele Schwachpunkte

Vier Dinge sehen die Analysten als Schwachpunkte der brasilianischen Wirtschaft: Die unzureichende Infrastruktur, fehlende Investitionen, hohe Inflation und eben die vielen Insolvenzen, die vor allem immer mehr größere Unternehmen betreffen. . In den vergangenen zwölf Monaten bis März 2016 haben sich die Pleiten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fast verdoppelt von 154 auf 296 Fälle (+92%). Bei den kleineren Unternehmen liegt der Zuwachs im gleichen Zeitraum mit rund 32% deutlich niedriger“, sagt Ludovic Subran, Chefvolkswirt bei EH.

Doch nicht alles, was der Wirtschaft zusetzt, findet im eigenen Land statt. Viele Rohstoffpreise sind gesunken, besonders der niedrige Ölpreis schmerzt Brasilien. Der Real hat binnen 18 Monaten fast die Hälfte seines Wertes eingebüßt.

„Für Unternehmen wird der Zugang zu Krediten immer schwieriger und teurer – der durchschnittliche Zinssatz liegt inzwischen bei mehr als 20%“, sagte Subran. „Die hohen Steuern und die bürokratischen Hürden untergraben die Wettbewerbsfähigkeit der dortigen Unternehmen zusätzlich zu den sowieso hohen Produktionskosten und dem herrschenden Fachkräftemangel in vielen Bereichen. Die Produktion fiel zuletzt um 13% und die Auslastung liegt weit unter dem Langzeitdurchschnitt. Zusammen mit der Korruption, sozialen und politischen Unruhen sowie einer großen Kluft zwischen Arm und Reich tragen diese Aspekte zum ungünstigen Cocktail bei, der das Land zuletzt in eine schwere Rezession geführt hat.“

Viel hängt von der politischen Entwicklung ab

Ob es Interimspräsident Michel Temer gelingen wird, das Ruder wirtschaftlich herumzureißen, muss sich erst noch zeigen. Temer hat bereits einen rigiden Sparkurs angekündigt. Dieser Sparkurs könnte eine weitere Welle der Unzufriedenheit auslösen, zumal Brasilien als Gastgeber der Olympischen Spiele in Rio besonders im Fokus der Welt stehen wird.

Dass er diesen freilich auch fahren wird deutet sich darin an, dass er bereits wissen ließ, bei der nächsten regulären Wahl nicht als Präsidentschaftskandidat fungieren zu wollen. Popularitätswerte können ihm also relativ egal sein. Als einen der ersten Schritte kündigte Temer bereits an, den US-amerikanische Unternehmen uneingeschränkten Zugang zum Ölmarkt zu geben. Auch Steuererhöhungen gelten inzwischen als sicher.

Anzeichen für Hoffnung gibt es aber auch

Vagen Grund zur Hoffnung gibt traditionell das gewaltige Potenzial des Landes, das jedoch auch bereits seit Jahrzehnten beschworen wird. Steigende Binnennachfrage, eine relativ gut diversifizierte und entwickelte Industrie und natürlich die großen natürlichen Rohstoffschätze machen Analysten und Investoren Hoffnung. Auch die Tatsache, dass viele Investoren auch in der Krise im Land geblieben sind, nähert Hoffnung auf Besserung.

„Es gibt aber auch viel, das Hoffnung macht – Brasilien wird unserer Einschätzung nach langfristig auf jeden Fall zurückkehren als attraktiver Wachstumsmarkt“, sagte Subran. „Die Frage ist nur wann.“

Und das liegt im Wesentlichen daran: Wann in Brasilien wieder politische Stabilität einkehren wird. Wann das sein wird, darauf mag zurzeit kaum jemand wetten.