Missionieren 2.0: Die Arche ist auf dem Weg nach Rio

Mit einer Arche rettete Noah die Tiere vor der Sintflut, vor dem Ertrinken. So steht es in der Bibel. Mit einem originalgetreuen Nachbau des legendären Holzschiffs will nun die amerikanische Noah’s Ark Foundation der Welt die Bibel und ihre Geschichten wieder ein Bißchen näherbringen. Und dafür nutzt sie die ganz große Bühne. Im September, zu der Eröffnung der paralympischen Spiele soll der Kahn in Rio de Janeiro festmachen.

Eigentlich hatte man zu den Sommerspielen am Zuckerhut vorbeischauen wollen, doch die Prefeitura (Stadtverwaltung) der Stadt habe darum gebeten, den Besuch doch bitte bis zum September zu verschieben, sagt Herald A.M.A. Janssen, Direktor der Noah Foundation. Schließich habe die Stadt genug damit zu tun, die Sicherheit der Sportler und der Gäste zu sichern. Janssen passt das auch gut. „Wir kommen dann zu denen, die weniger privilegiert sind.“ Für die Stadt sei das ein Vorteil ist er sich sicher.

Die Arche steht zurzeit noch in den Niederlanden. Gebaut hat sie Johan Huibers, gelernter Zimmermann und, laut Medienberichten, niederländischer Multimillionär. Vier Jahre und 2 Monate werkelte er von 2008 bis 2012 an dem Nachbau im Maßstab 1:1. Das heißt: Huibers verwendete die Maße, die in der Bibel genannt sind. In Natur bedeutet das gut 129 Meter lang, 23 Meter breit, rund 20 Meter hoch.

Huibers baute zwei Archen

Es ist Huibers zweite Arche. Die erste war entstanden, nachdem er eines nachts einen Albtraum durchlitten hatte. Im Traum wurde seine Heimat Nordholland von einem Hochwasser heimgesucht. „Im Traum hat er Verwüstung und Tod gesehen“,sagt Janssen. Es muss ein wahrlich infernalischer Traum gewesen sein. Als er erwachte stand für Huibers fest: Die Menschen brauchen Hoffnung. Und so begann er mit dem Bau der Arche, im Maßstab 1:2.

Mit dieser tourte er recht erfolgreich einige Jahre durch die Niederlande. Doch Huibers träumte heimlich weiter. Er wollte irgendwann die Arche im Originalmaßstab bauen. Doch dafür fehlte es an Geld. Doch da kam das, was Herald Janssen wie eine schicksalhafte Woche schildert.

Montags bekam Huibers einen Anruf, ob er die Arche verkaufen wolle. Er lehnte ab. Mittwochs meldete sich eine Werft und bot ihm so viel Material an, dass es für das Gerüst locker reichen würde. Freitags meldete sich zu allem Überfluss seine Bank und fragte, wie er denn das Geld anlegen wolle, dass er durch Eintrittskartenverkäufe eingenommen hatte. Huibers, so erzählte es Janssen, kaufte einen Blumenstrauß und fragte seine Frau, was sie von der Idee halte, die Arche zu verkaufen und eine zweite zu bauen. Kurz darauf ging es los.

Arche Noah hat mit Noah’s Ark Foundation nichts zu tun

Das Amphitheater. Copyright beide Bilder: Ark of Noah Foundation

Die kleine Arche verkaufte er, als die große fertig war. Auf ihr schippert heute noch der niederländische Schauspieler und Puppenspieler Aad Peters durch Europa und versucht auf seine Art und Weise, den Menschen die Bibel und ihre Geschichten näher zu bringen – ein Unterhaltungsdampfer im Auftrag des Herren, wenn man so will. Doch bei den Eintrittspreisen nimmt er Peters durchaus von den Lebenden. 24 Euro kostet umgerechnet der Eintritt für einen Erwachsenen. Die Familienkarte (2 Erwachsene, 2 Kinder) ist für stolze 70 Euro zu haben. Dort, bei der Arche Noah, gibt man sich mit Blick auf Noah’s Ark eher distanziert. „Wir haben auch nichts gemein mit der andere Arche, da wir ein kulturelles Projekt sind und nicht religiös“, sagt deren Managerin Mirjam Schepik auf Anfrage.

Doch so leicht schien sich die Erfolgsgeschichte zunächst nicht fortsetzen zu lassen . Schließlich kannten die Menschen in den Niederlanden die Arche bereits, die Besucherzahlen auf der großen Arche waren zu Beginn laut Janssen „nicht so toll“. Es musste also eine neue Idee her.

Wie viel der Eintritt auf der großen Arche kosten soll, steht laut Janssen bisher nicht fest. Zunächst einmal soll das Boot für seine große Aufgabe flottgemacht werden. Im Juni soll es über den Atlantik schippern – entweder geschleppt (40 Tage) oder huckepack auf einem Schiff, das sonst Erdölplattformen hinaus auf hohe See schleppt. Das wäre bedeutend schneller (14 Tage).

Erster Hafen in Südamerika wird die Stadt Fortaleza sein. Dort findet vom 20. bis 24. Juli das Halleluya Festival statt. Es soll zur Generalprobe für die Arche werden, ehe sie in Rio de Janeiro einläuft.

Dafür wird die Arche noch technisch aufgerüstet. Ist alles fertig, soll das Leben auf der Arche mit dem Smartphone oder dem Tablet erlebbar werden. So soll die Brücke von der Vergangenheit in die Zukunft geschlagen werden. Echte Tier gibt es keine. „Das ist schwierig mit den Tierhaltungsgesetzen“, sagt Janssen. Außerdem werden in Fortaleza die Mitarbeiter, die Volunteers und Sicherheitsleute auf ihre Aufgabe vorbereitet werden.

Spenden sollen die Kosten decken

Das ganze Unternehmen kostet sicher einen Haufen Geld. Genaue Zahlen mag Janssen aber nicht nennen. Um das Finanzielle kümmert sich die Noah’s Ark Foundation in Pasadena, Kalifornien, deren Vorstand Janssen ist. Und der kennt sich aus im Bereich Fundraising und Geldbeschaffung. In New York ist er Geschäftsführer des Investmentunternehmens Genesis NY. Man investiert unter anderem im Zuckeranbau in Brasilien, wo man eigene Plantagen besitzt und ist im Rohölhandel aktiv.

Janssen trat vor einigen Jahren bereits in Deutschland in Erscheinung. Bei Babenhausen, zwischen Aschaffenburg und Dieburg gab es einmal vage Pläne, auf einer alten Kaserne einen Bibel-Freizeitpark zu errichten.

Ausgedacht hatte sich dies die schweizerische Genesis-Land AG. Mann dahinter ist Luca Carigiet, der Vorsitzende des Vereins Pro Genesis. Für die Geldbeschaffung war auch dort Herald A.M.A. Janssen zuständig.

Keine “theologische Diskussion” geplant

Damals wie heute war die Idee, die Bibel auch jenen Menschen näher zu bringen, die dem christlichen Glauben weniger nahe stehen. „Wir wollen auch die Menschen für die Arche als historisches Objekt begeistern“,sagt Janssen. Immerhin komme das Thema der großen Sintflut in vielen Kulturen vor, nicht nur im Christentum. Man wolle keine theologische Diskussion anstoßen, so Janssen. „Jeder ist eingeladen. Ja, wir sind Christen, aber alle Leute sind eingeladen, sich auf der Arche einen schönen Tag zu machen.“

Speziell die Menschen aus den Favelas hat man als Besucher im Blick. Ihnen will man sogar ermöglichen, sich die Arche kostenlos anzuschauen. Auch dafür sollen die Gläubigen der Noah’s Ark Foundation kräftig spenden – und beten. In jedem zweiten Absatz werden die Menschen auf der Internetseite angehalten, für das Gelingen des Projekts zu beden. Und natürlich zu spenden. Das geht kinderleicht, mit nur einem Klick auf einen der vielen Spendenbuttons.

Missionarischer Effekt ist auch geplant

Ein gewisser missionarischer Effekt ist auch vorgesehen, vorausgesetzt, das Projekt läuft gut. Kommt genügend Geld durch Spenden und Eintrittsgelder zusammen, soll es dazu verwendet werden, in Favela kleine so genannte Ark of Hope-Centres zu bauen. Das sind kleine Gemeindezentrum in Archeform, die von den Communidades genutzt werden können, als Kindergarten, Klassenraum, oder Versammlungsraum, wo über Hygiene, Gesundheit oder Ernährung Bildungsarbeit betrieben werden soll.

Zwei Jahre lang darf die Arche vor der Küste Brasiliens liegen. Nach Rio (vier bis fünf Monate Liegezeit sind eingeplant) sollen auch andere Küstenstädte die frohe Botschaft erfahren dürfen. Danach soll es weitergehen über Montevideo, Buenos Aires bis zur Westküste der USA nach San Diego, San Francisco und Seattle.

 

Update: 29. August 2016: Die geplante Reise der Arche wurde laut Medienberichten abgesagt.

 

 

Die Archen im Internet:

Ark of Noah Foundation:

http://www.arkofnoah.org

 

Aad Peters, Puppenspieler:

http://diearchenoah.com/