Viele Premieren: Erste Nacht alleine für Ella, erstes echtes Churrasco

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Jede Menge Attraktionen für die Kinder.

Da stand sie nun, unsere Große. Mit ihrem pinken Rollköfferchen. Sie hatte sich schick gemacht mit ihrem Lieblingstop. Gleich würde sie abgeholt werden. Ihre Klassenkameradin Susanna hat sie eingeladen, zu ihrem Geburtstag, zu einer Pyjamaparty im Wochenendhaus der Familie. In Itaipava, ca. 90 Kilometer außerhalb Rios. Kindergeburtstage werden hier immer etwas größer gefeiert. Aber das war nochmal eine deutliche Nummer größer als alles bisher Dagewesene. Es ist ganz normal, die ganze Schulklasse nebst Eltern einzuladen.

Noch nie hat Ella eine Nacht alleine verbracht, ohne uns, ohne ihren Bruder Edgar. Entsprechend schwer fiel ihr der Abschied. Und ihm auch. Und auch uns. Das erste Mal alleine weg, über Nacht, und das gleich so weit. Zum Glück würden wir sie knapp 24 Stunden später wiedersehen. Der Rest der Familie war von Susanna Eltern für Samstagmorgen zu einem Churrasco, einem Grillfest, eingeladen.

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Ein eigener Bolzplatz.

Darum hatten wir beschlossen, aus dem Kurztrip einen ganzen Wochenendausflug zu machen. Kurzerhand mieteten wir ein Zimmer auf einer Fazenda in der Nähe (gesonderter Bericht).

Los ging es gegen 13 Uhr für Ella. Der Gag an der Sache: Die Kinder wurden mit einer pinken Strechlimousine von der Schule abgeholt und nach Itaipava chauffiert. Sofias Eltern und ein paar Mütter waren auch dabei. Kein Grund zur Sorge also. Als ich die Limousine vorfahren sah, schlichen Edgar und ich uns weg. Wir wollten Ella den Abschied nicht unnötig schwer machen.

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Kinderspaß im Pool.

Als die Einladung vor ein paar Wochen kam, hatte Ella erst einmal abgelehnt. „Ich bin doch ganz neu hier in Brasilien, da kann ich doch nicht alleine mitfahren“, war ihre erste Reaktion. Doch der Schrecken wich der Neugier und so willigte sie doch kurz drauf ein. Damit sie sich nicht alleine fühlen musste, besorgten wir uns ein Zimmer in der Nähe. Für alle Fälle. Ich nehme es vorweg: Die Fälle traten nicht ein.

Kaum unterwegs erhielten wir die erste Nachricht per Whatsapp. Darin ein Link zu einem Video. Das zeigte die Bande im Innern der Limousine, Popcorn mümmeln und fröhlich lärmend. Alles prima, alle amüsieren sich.

Maria, Susannas Mutter, hatte sich viel Mühe bei den Vorbereitungen gegeben. Das Motto der Party hier „Wilder Westen“ und so sollten die Kinder in kleinen Tipis im Haus übernachten – jedes Kind durfte sich vorher sein eigenes Nachthemd bemalen, außerdem bekam jedes Mädchen eine hübsche Schlafbrille.

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Die Erwachsenen blieben beim Grillpavillon.

Gegen 11 Uhr am nächsten Morgen trafen Wiebke, Edgar und ich am Wochenendhaus der Familie ein. Eigentlich ist es der Wohnsitz der Großeltern, an dem sich am Wochenende die gesamte Familie – und die ist groß – tummelt. Entsprechend beeindruckend ist auch das Areal: Ein geräumiges Wohnhaus, ein Pool, ein Grillpavillon, zwei Gästehäuser gibt es, ebenso einen eigenen Tennis- bzw. Bolzplatz einen Garten in dem sich die 70 bis 80 Gäste locker verliefen und jede Menge Parkmöglichkeiten.

Als wir ankamen, hatten die Kinder auf dem leicht abschüssigen Rasen mit dicker blauer Teichfolie eine Wasserrutschbahn gebaut. Wir hörten schon von Weitem Ellas amüsiertes Gequiecke. Sie hatte die Nacht ganz offensichtlich bestens überstanden. Neben der Zufahrt wurde die nächste Attraktion vorbereitet: eine Rollbahn, 25 Meter lang – der Traum aller Kinder. Ausgestattet mit Klettergeschirr sausten die Kinder kopfüber herum.

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Lecker Gegrilltes mit Salat und Feijoada, einem Bohneneintopf.

Die Erwachsenen sammelten sich eher am Grillpavillon. Es war zwar erst 11 Uhr, aber der Grill lieb bereits, der Grillmeister hantierte virtuos mit diversen Fleischspießen und Knoblauchbrot – Rindfleisch, frische Bratwurst, Schwein, Hühnerherzen, das alles wurde einem immer wieder auf Tabletts unter die Nase gehalten. Man nimmt sich ein Stück, während man sich nett unterhält. 5 Minuten später ist wieder jemand da. Mit Getränken das selbe. Und um die Kinder kümmerte sich eine ganze Reihe von Animateuren. So blieb Zeit, auch einmal mit den anderen Eltern der Klasse ins Gespräch zu kommen.

Gegen 15 Uhr der Höhepunkt jedes Kindergeburtstags. Alle versammeln sich um den Tisch, auf dem bereits die ganze Zeit die Torte und etliche weitere Süßigkeiten ausgestellt sind. Bis zu diesem Zeitpunkt bleibt der Süßkram unangetastet. Das Geburtstagskind und die Eltern stellen sich hinter den Tisch, alle Gäste singen zur Melodie von Happy Birthday „Parabens pra voce“, klatschen dabei und sind fröhlich. Erst danach wird der Kuchen angeschnitten und gegessen und auch der Rest des Tischs –Brigadeiros, also Pralinen – wird geplündert. Was meist recht schnell geht.

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Der Geburtstagstisch mit Torten.

Danach beginnt sich allmählich die Feier aufzulösen. Auch wir machten uns los, Ella war ziemlich müde, Edgar hatte ohne seine Schwester auch nicht sonderlich gut geschlafen. Wir Großen waren satt und hatten und gut unterhalten. Zum Abschied gibt es, wie in Deutschland auch, noch eine Kleinigkeit mit auf den Weg: Eine kleine Basilikumpflanze (unsere erste Balkonpflanze) und ein paar Gläschen mit selbstgemachten Süßigkeiten.