Köpenickiade um die Olympia-Tickets

Bald ist Olympia. Hier in Rio. Die Cariocas juckt es bislang kaum. Viele werden die Stadt verlassen im August und hoffen, ihre Wohnung über Portale wie Airbnb vermieten zu können. In der Krise kann man jeden Centavo gebrauchen. Da verzichtet man auch auf das größte Sportereignis, das je in Rio stattgefunden hat, die ersten olympischen Spiele auf südamerikanischem Boden.

Große Kartenkontingente sind nach wie vor auf dem Markt. Vor einem Monat schrieben die Zeitungen, dass 50% der Tickets noch unverkauft seien. Doch daranzukommen ist alles andere als leicht.

Voraussetzung, um an Karten zu kommen: Eine Adresse in Brasilien, eine CPF (Steuernummer), Mobilfunknummer, Festnetznummer und eine Kreditkarte. Das alles sollte bereitliegen, um sich durch die Registrierung auf www.rio2016.com zu wühlen.

Visa ist einer der Hauptsponsoren der Jogos, neben dem Versicherungskonzern Bradesco und natürlich den üblichen Verdächtigen, drum ist auch eine Visa-Karte Voraussetzung. Doch als ich dachte, es würde reichen, meine Visa-Karte, die über die Frankfurter Sparkasse läuft, würde ausreichen – weit gefehlt. Natürlich muss die Visa-Karte in Brasilien ausgestellt sein.

Und das setzt weitere Schritte voraus. Etwa das Vorhandensein eines Girokontos bei einer brasilianischen Bank. So etwas haben wir nicht. Kann man auch erst eröffnen, wenn die Policia Federal die Aufenthaltserlaubnis bestätigt hat. Außerdem Wiebke bekommt ihr Geld von einer deutschen Stelle auf das deutsche Konto. In Euro. Wenn wir Bargeld brauchen, ziehen wir es mit der Kreditkarte von der DKB (das ist kein Affiliate-Link). Die haben hier fast alle Deutsche, da sie kostenloses Bargeldabheben im Ausland ermöglicht. Es gibt aber noch einige andere (Comdirekt oder IngDiba). Insofern ist kein brasilianisches Konto von nöten – denn Überweisungen von Deutschland kosten ein Schweinegeld.

Der Vorgang gleicht einer Köpenickiade: Keine Aufenthaltserlaubnis, kein Konto. Kein Konto, keine Kreditkarte. Keine Kreditkarte, kein Ticket usw.

Doch wir müssen doch Miete zahlen, und Rechnungen für Gas, Strom, Internet? Richtig. Für Letztere hatte ich zuletzt ja die Lottobüdchen entdeckt. Dort geht man mit Bargeld hin, reicht die Rechnung über die Theke und die Banane ist geschält.

12805659_959494514119401_4725416919342893812_nBleiben Miete und Condominio (Nebenkosten). Der Betrag ist zu hoch, um ihn der Lottobude zu zahlen (Limit dort ist maximal 500 Reais). Also was tun? Eine Möglichkeit wäre regelmäßig zum Geldautomaten rennen, die höchstens 1000 Reais pro Tag abheben, das Geld daheim sammeln und gebündelt bar einzahlen.

Oder: Man fragt die Kollegen. Solche nämlich, die ein brasilianisches Konto einrichten müssen, weil sie direkt von der Schule bezahlt werden. Bei den Ortskräften ist das der Fall. Anders als die ADLK-Lehrer sind sie direkt bei der Schule angestellt und nicht über eine „Ausleihe“. Manch einer hat in Deutschland noch Rechnungen, die vom dortigen Girokonto abgehen (Versicherungen, Krankenkasse, Sparpläne etc.).

Damit das Girokonto weiter gedeckt ist und sie keine teuren Auslandsüberweisungen nach Deutschland tätigen müssen (inklusive Kurswechsel), haben wir mit einigen einen Ringtausch vereinbart: Sie bezahlen unsere Miete von ihrem hiesigen Girokonto. Dafür überweisen wir den Betrag in Euro auf deren deutsches Girokonto. Die Vorteile liegen auf der Hand: Keine lästigen Abhebemararthons, keine Auslandsüberweisung, die Konten in Deutschland bleiben gedeckt und auf dem brasilianischen Konto wird kein übermäßiges Guthaben angehäuft, das ja irgendwann auch abgebaut sein will, wenn es wieder heimwärts geht. Vom Inflationsschutz gar nicht zu reden. Kurzum eine win-win-win-win-win-Situation für alle Beteiligten, wenn halt umständlich und mit viel Mailerei verbunden.

Ein ähnlicher Ringtausch schwebte mir auch für den Kauf der Olympiatickets vor. Ein Kollege kauft sie mit seiner Karte, wir überweisen das Geld nach Deutschland, fertig. Doch offenbar hat man dazugelernt (oder ich hatte die Option anfangs übersehen). Inzwischen kann man eine virtuelle brasilianische Visa-Karte erwerben.

Einfach beantragen (kostet nichts) und dann mit einer anderen Kreditkarte von außen mit Guthaben füllen. Der Vorgang dauert circa 2-3 Tage. Danach kann diese Kreditkarte ganz normal zum Zahlen eingesetzt werden. Das Gute daran: Man kann Restguthaben auch für andere Zahlungen nutzen – es gibt genauso eine Kartennummer, ein Verfallsdatum und eine Sicherheitszahl wie bei einer physischen Karte.

Ich testete es, zunächst mit kleinem Kontingent, um den Verlust, für den Fall, dass es doch nicht klappt, gering zu halten. Doch es klappte reibungslos. Ich musste nur nochmal meine Prepaidnummer ausgraben – denn dorthin wird die TAN-Nummer per SMS geschickt (deshalb ist auch ein Mobiltelefon nötig). Aber sonst ging es. Nun geht es also zum Hockey der Herren (Spiel um Platz 3) und zum Modernen Fünfkampf. Das Wiederbeladen dauert allerdings.