Kälteeinbruch in Rio! Nur noch 24 Grad

Der Herbst ist da – hier in Rio offiziell, oder besser meteorologisch, seit dem 21. März. Analog zum Frühlingsbeginn in Deutschland. Südhalbkugel halt. Doch das hatte der Jahreszeit bislang wenig ausgemacht. Nasskaltes Schmuddelwetter, wie in Deutschland üblich, würdeman hier ohnehin vergeblich suchen. Aber viel vergangenen vier Wochen waren einheitlich: sonnig und warm. Gestern dann plötzlich das: erste Wolken ziehen auf. Wind nimmt zu. Abends, bei unserer obligatorischen Varandarunde fröstelt mich. Es sind 28 Grad. Dennoch beschließe ich mit T-Shirt und Laken zu schlafen – will mir ja keine Erkältung holen. Das Fenster bleibt mehr geschlossen als sonst.

Meine Sprachlehrerin Kora kommt gegen acht. “Na, ist das nicht erfrischend?” begrüßt sie mich. Sie hat schon länger auf kühleres Wetter gewartet und sich immer wieder über die anhaltende Hitze gewundert. Ich weiß nicht so recht. Zwar trage ich, wie immer, Shorts und T-Shirts, doch später, wenn ich das Haus verlassen werde, werde ich Socken und Sneakers tragen. Auch, weil ich einen halbwegs offiziellen Termin haben werde (dazu mehr bei Gelegenheit), sondern in erster Linie – ja, genau, mich fröstelt.

Heute Morgen gehe ich gegen 10 aus dem Haus. Ich laufe zur Abwechslung mal nicht beim verlassen des Hauses aus dem heruntergekühlten Foyer gegen eine Warmluftwand. Der Porteiro, sonst im kurzärmeligem Hemd, trägt ein schwarzes Blouson. “Está frio?” frage ich ihn beim herausgehen. “Frierst du, oder was?” Er lacht. “Ja, ist doch echt kalt heute.” An der Metrostation sehe ich: 26 Grad. Aber durch den bedeckten Himmel kommt es einem echt kühler vor. Ich sehe Menschen in Wollpullis, mit Jacken, manche sogar mit Schals.Ich hatte vorhin noch mein etwas dickeres Rugby-Shirt gesucht (kurzärmelig), aber nicht gefunden. Also im T-Shirt raus. Damit fällt man heute im Stadtbild von Rio fast schon auf. Dafür könnte tatsächlich mal das Deo bis zum Abend durchhalten.

Abends, 18 Uhr, ich fahre mit der Metro zurück von Gloria nach Botafogo. Gut, in der Metro zieht es immer wie Hechtsuppe. Wer regelmäßig Metro fährt, sollte tatsächlich überlegen, ein Jäckchen mitzuführen, aber heute war es auch nicht kälter als sonst. Der Temperaturunterschied zwischen draußen und drinnen war geringer. Doch: In der gesamten Metro war ich an diesem Abend der einzige Mensch mit kurzen Hosen und kurzen Ärmeln. Stattdessen Parkas, Daunenjacken (!) oder mindestens eine Kaputzenjacke. 23 Grad in der Metro. Rio é frio.

Bei diesem Anblick frage ich mich: Was wird wohl dann erst im Winter sein. Also im Juli und August. Schließlich hat die Wohnung keine Heizung (dafür haben eben viele eine Ar Condicionado) und Einfachverglasung. Zudem haben wir in der Küche ein Fenster, das permanent geöffnet ist wegen der Gastherme. Und in allen Schlafzimmern quadratische Löcher in den Wänden, 50 x 50 cm groß, nur mit Pappe gefüllt, weil je eigentlich dort die Klimaanlage reinsoll. Werden wir bei geöffneter Backofentür sitzen müssen? Haben wir genügend warme Sachen dabei? Gott sein dank, haben wir vor einigen Wochen die Wolldecken reinigen lassen. Die warten im Kleiderschrank auf ihren ersten Einsatz. Und so wie es ausschaut, werden sie nicht mehr lange warten müssen.

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