Brot-S.O.S. – Das kriegen wir schon gebacken

Natürlich ist es möglich, in Rio vernünftiges Brot zu kaufen. Im Café Bicyclette im  Botanischen Garten etwa, gibt es tolle Baguettes und Brot mit Feige. Auch im kleinen Feinkostsupermarkt Farinha Pura haben wir, als wir noch in Humaitá wohnten schönes italienisches Brot kaufen können. Es gibt auch einen Bestelldienst für Sauerteigbrote über die deutsche Gemeinde. Und gar nicht so weit weg auf der Rua Voluntarios de Patria bekommen wir am Wochenende warme Brötchen.

Doch: Muss es mal schnell gehen mit dem Einkaufen, oder bin ich eben mal nicht zufällig in der Nähe des Botanischen Gartens (liegt eigentlich auf keinem unserer Wege), greift man halt doch im Supermarkt zur Industrieware, meist in Form von Toastbrot oder Ähnlichem. Da gibt es in zigfacher Ausfertigung und auch in Abstufungen – „integral“ = vollkorn, „preto“ = Schwarzbrot, „multigroes“ = mehrkorn – aber unter dem Strich sind die Brote doch ähnlich, langweilig und verdächtig lange haltbar (wie übrigens das Hackfleisch in der Kühltheke auch. 10 oder 12 Tage sind da nix).

Und natürlich auch, weil wir aus Frankfurt Rödelheim mit den beiden besten Bäckern der Stadt (Huck und Graff) gesegnet waren, letzterer sogar ganz offiziell zweitbester Bäcker Deutschlands, ist das mit dem Brot hier so eine Sache. Man merkt es auch an den Kindern, die an sich gerne Brot essen. Gibt es die frischen Brötchen, hauen sie ordentlich rein, gibt es Toast, gibt es Gemaule.

Da wundert es mich inzwischen nicht mehr, wenn ein Großteil von Wiebkes Kollegen, die schon länger in Rio sind, inzwischen ihr Brot teilweise selbst backen. Sei es ganz ausgeklügelt mit selbstgezüchtetem Sauerteig, einer Brotbackmaschine wie sie Anfang der 90er-Jahre in Deutschland hip waren, oder konventionell mit selbstkneten und so.

Wiebkes Freundin Imke hat zwischen den Zeilen unser Brot-S.O.S. vernnommen. Und so hatte ich eines Morgens ein Rezept in meinem Messenger-Postfach:

http://www.culturefood.org/bauernbrot-ohne-kneten-das-no-knead-bread-der-ny-times/

Auch meine Mama schien Mitleid zu haben und googelte für uns ein Sauerteigrezept und schickte den Hinweis darauf per Mail.

Und weil es so einfach klang, habe ich es auch gleich ausprobiert, als das Bauernbrot erst einmal. Vollkornmehl hatte ich noch, hatte ich neulich mal für Pfannkuchen gekauft, aus Versehen. Und weil das nicht so gut angekommen war, wartete es seither im Schrank auf eine weitere Verwendung oder die Motten.

Das Schwierigste war, eine geeignete Schüssel zu finden. Wir haben allerhand Krempel, aber Schüsseln – eher nicht. Dann ging es los: Mehl rein, Salz und Zucker wie im Rezept. Die Hefe löste ich im warmen Wasser auf und goss den Sud zum Mehl. Schnell mit den Fingern leicht verrühren (soll ja, laut Rezept, nicht nötig sein und warten. Gut 20 Stunden ließ ich den Teig gehen. Aber weil es mein erstes selbstgebackenes Brot war, lunste ich regelmäßig unter den Deckel der Gärbox.

Kleines Problem gab es auch beim Backen. Einen Stahltopf haben wir nicht, also nahm ich zwei Auflaufformen und funktionierte sie zu Backform und Deckel um. Jedoch: Das Konstrukt war etwas sperrig für den Gasbackofen –es rumpelte beim Schließen der Klappe. Ich ignorierte es. Dem Brot, das nehme ich vorweg, hat es nicht geschadet. Einmal Abendessen und Pausenbrote am nächsten Morgen – schwuppdiwupp weg war es.

Kleiner Anfängerfehler: Beim nächsten Mal lese ich die Angaben auf der Trockenhefepackung, dann werde ich feststellen, dass ich für 800 Gramm Mehl zwei Päckchen Hefe brauche. Könnte mir vorstellen, dass der Teig dann auch etwas besser aufgeht. So war das Brot eher kompakt, aber auch lecker. Machen wir wieder!

Aktualisierung 30.4.: Inzwischen ist das zweite Brot entstanden, diesmal mit Walnüssen. Norbert das Nussbrot.