Cliente mais? Rechnungen bequem in der Lottobude bezahlen

Ich hatte mich ja hier schon häufiger gewundert, wie umständlich manche Dinge hier geregelt sind. Manche Handlungen sind total überbürokratisiert. Jetzt kommt mal eine Sache, die erstaunlich gut fluppt: das Bezahlen von Rechnungen.

Ja, über Geld freut sich jeder, klar. Umso schöner, wenn die Flocken schnell auf dem Konto landen. In Deutschland gibt es mehrere Möglichkeiten: bar zahlen, mit der Karte zahlen, Einzugsermächtigung erteilen – etwa bei Versorgern – und überweisen.

Erstere Möglichkeiten existieren hier auch, logisch. Von Einzugsermächtigungen habe ich hier noch nichts gehört, scheinen unüblich zu sein. Wohl auch, weil man niemandem gerne den Zugriff auf ein Konto ermöglicht. Wenn man denn eines hat. Überweisungen sind da schon eher üblich, setzen aber ebenfalls ein Konto voraus.

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In der Lottobude ist immer Betrieb.

Das haben viele Brasilianer nicht und wir ja auch noch nicht. Deshalb finde ich es um so cooler, dass man z.B. die Stromrechnung per Bareinzahlung tätigen kann. Welch Sensation? Nun ja schon, wenn man bedenkt, dass dafür nicht nur Banken infrage kommen. Hier kann man seine Rechnungen auch bequem an der Supermarktkasse bezahlen, oder am Lottobüdchen. Darum sieht man dort zum Monatsende schlangenweise Leute stehen. Brasilianer sind nicht lottosüchtig (vielleicht auch, aber nicht in dem Maße). Sie zahlen ihre Strom-, Gas-, Wasser- oder Sonstwas-Rechnung an der Lottobude. Vorausgesetzt, der Betrag ist nicht höher als 500 Reais, was aber nicht vorkommt.

Das habe ich heute auch mal ausprobiert. Mit der Gasrechnung hin. „Pagamento de conta“ heißt das dann. Die Rechnung rübergereicht. An einer Seite der Zettels ist ein Abschnitt, der wird abgetrennt. Auf dem befindet sich ein Badcode. Einscannen, zack, Kohledurchreichen, Quittung an die Rechnung getackert, Danke schön, auf Wiedersehen. Ähnlich habe ich es mit einer Hotelanzahlung gemacht, wobei ich da nur die Kontodaten hatte. Nach 4 Minuten, inklusive Wartens war ich durch.

An der Supermarktkasse zu bezahlen habe ich mich bislang noch nicht getraut. Da bin ich noch mit der „Cliente mais“-Frage überfordert, die stets am Anfang des Kassiervorgangs kommt. „Cliente mais“ sind Treueboni für Dauerkunden, vergleichbar mit Payback. Dazu muss man sich registrieren. Ich tat das ganz analog mit einem Papierzettel beim Bezahlen der Einkäufe. Da man ja sowieso warten muss, macht es die Minute auch nicht mehr. Allerhand Fragen zum Hausstand beantworten und, ganz wichtig, die Steuernummer CPF angeben. Dieselernt man am besten auswendig oder, wenn man sich das nicht merken kann, lässt sie sich auf die Handfläche tätowieren. Würde sich lohnen, denn anders als der Name der Freundin oder des Freundes bleibt eine CPF tatsächlich ein Leben lang.

Nach ein paar Tagen kann man dann die Frage „Cliente mais?“ souverän mit „sou“ – bin ich – beantworten. CPF reinhacken und schon beginnt der Sparspaß.