Fischmarkt Sao Pedro Niteroi: Hier würde Fischers Fritze kaufen

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Petrus, der Schutzpatron der Fischer.

Petrus, oder wie er in Brasilien heißt, São Pedro, ist der Schutzpatron der Fischer. Da ist es nur recht und billig, dass die Herrschaften, die ihren Lebensunterhalt mit dem Fang und Verkauf von essbarem Meeresgetier ihrem Standesheiligen eine Statue aufgestellt haben. Direkt beim Betreten des Fischmarkts São Pedro in Niteroi läuft man darauf zu.

Petrus spaltet den langen Gang, der links und rechts von Verkaufsboxen gesäumt ist. In jeder Box stapeln sich auf dicken Eisschichten Edelfische, ganze Thunfische, filetierte Fische, Hummer, Langusten, Camarão, Krabben, Oktupusse – kurz: alles, was das Fischesserherz begehrt. In nie so gesehener Auswahl und Frische. Will man im Großraum Rio de Janeiro den frischesten Fisch kaufen, hier dürfte man richtig sein.

Wir hatten gehört, dass man sich den Fisch bei den Händler kaufen kann und anschließend im Geschoss darüber in den Gaststuben frisch zubereiten lassen kann. Das wollten wir natürlich ausprobieren. Doch weil die Auswahl so riesig und unüberschaubar ist und wir uns auch gar nicht vorstellen können, dass die Gaststätten tatsächlich den gekauften Fisch für einen zubereiten, gehenn wir erst einmal hinauf.

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Vielversprechend: Die Kalamares kamen als Erste.

Dort laufen wir gleich ein paar Herren in blauen bzw. weißen Hemden in die Arme. Sie wedeln aufgeregt mit ihren Speisekarten, versuchen uns gleich, an einen ihrer Tische zu locken. Nur kurz habe ich Zeit, mit einem Blick den gesamten Raum zu erfassen. Im Oberdeck  sind fast so viele Gaststätten wie unten Fischbuden. 50 bis 70 Tische á vier Personen sehen dort, immer vier bis fünf vor der jeweiligen Pinte. Sie alle verkaufen Fischgerichte. Sie alle braten Dir, was Du ihnen in Deiner Plastiktüte vor die Nase hältst.

Fisch selbst kaufen und braten lassen

20 Reais würde es kosten, den selbst mitgebrachten Fisch zuzubereiten, sagt der Mann im weißen Hemd. „Ich brate ihn Euch für 15“, raunt ein anderer in Blau und erntet von seinem Kollegen, der bereits ein Geschäft witterte, einen bösen Blick. Vielleicht ist es aber auch nur Show, eine gespielte Konkurrenz, um den Stammgästen und wenigen Touristen das Gefühl zu geben, sich dem richtigen anzuvertrauen. Mal ist der eine billiger, mal der andere. Am Ende kommen sie alle über die Runde. Ich versuche mitzuspielen und signalisiere dem blauen Herren, dass er in unserer Gunst vorne liegt – wir alten Schnäppchenjäger, wir.

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Auch lecker: DasFilet.

Doch zunächst brauchen wir Ware. Also wieder runter. Die Auslagen sind üppig bestückt. Wir sind noch relativ früh dran. Kurz nach elf am Vormittag. Zwar ist der Markt ab 6 Uhr in der Frühe geöffnet. Doch in den frühen Morgenstunden trudeln hier vor allem institutionelle Abnehmer ein: Küchenchefs und Einkäufer der Restaurants und andere Großabnehmer. Wenn die Laufkundschaft kommt, sind sie längst wieder weg und grübeln über der Tageskarte.

Ich entschließe mich, zwei Sepia zu kaufen, um daraus Calamares machen zu lassen. Edgar träumt von paniertem Fisch (welch ein Frevel, aber egal!), deshalb kaufen wir zwei größere Filets. Das ganze übrigens spottbillig. Die Filets kosten umgerechnet gerade mal knappe 3 Euro, die Sepia zwei. Ella ist besonders mutig. Sie möchte einen Oktopus probieren. Also rein mit dem Ding in den Beutel, umgerechnet 2,50 Euro gezahlt und ab damit hinauf.

Wir landen dann doch bei einer anderen Gaststube – der weitere Durchgang war durch speisende Männer versperrt. Egal, auch recht. Für 10 Reais pro Portion könne er unseren Fisch zubereiten, versichert der Koch. Er schaut in die Tüte. „Den Sepia würde ich frittieren, den Fisch backen und den Oktopus grillen.“ Prima, so ist’s recht. Wir ordern als Beilagen Salat, Reis und Katoffelpüree und warten. Und warten. Und warten…

Man braucht Zeit

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Der Favorit: Der Oktopus.

Obwohl nicht nur der Laden, sondern alle Läden weitestgehend leer sind und die Kellner aus Langeweile die Tische nochmal zurechtrücken und an den Papiertischdecken zuppeln, dauert es eine ganze Weile, bis es losgeht. Ein Phänomen, das wir schon beobachtet hatten. Beim Essen und beim Zubereiten des selbigen, lässt man sich hier gerne Zeit.

Als erstes kommen die Calamares. Danach lange nichts. Sie sind längst auf dem Weg in den Verdauungstrakt, als der Salat kommt. Weniger dicht gefolgt vom Backfisch. Die Kindersind schon ziemlich durch, als der schön gegrillte Oktopus gebracht wird. Den Reis, inzwischen zwischen Oktopus und mir platziert, wird eigentlich nur aus Höflichkeit noch angerührt, weil man ja irgendwann einmal gelernt hat, man solle doch möglichst aufessen. Kannste aber knicken hier. Die Kinder probieren noch das Kartoffelpüree und befinden es für gut.

Es wird aber leider ebenfalls zu großen Teilen zurückgehen. Dafür ist am Ende aber alles Meeresgetier vertilgt. Und ich muss zugeben:  War ich anfangs skeptisch, ob man Ella tatsächlich den Oktopus kaufen lassen sollte; am Ende war die Entscheidung goldrichtig. Nicht nur, dass Ella tapfer zwei große Tentakeln aß. Ich hätte mir so ein Tier nie bestellt, fand aber am Ende richtig Gefallen daran. Schön fest war das Fleisch, guter Biss, frischer Geschmack, gut gewürzt. Das passte. Und als wir am Ende wieder am São Pedro vorbei zufrieden und satt in Richtung Ausgang schlenderten, war ich doch zum kleinen Oktopus-Fan geworden.