Kindergeburtstag oder Disco mit Scoobydoo und Riesentorte

 

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Kinderdisco mit Scoobydoo

Plötzlich geht das Licht aus. Diskomusik. Die Türe am Ende des Raumes öffnet sich einen Spalt. Ein Schlauch speiht Diskonebel auf die Tanzfläche. Das Publikum hüpft aufgeregt auf und ab. Da öffnet sich die Tür ganz und im Raum steht der Star des Tages: Eine lebensgroße Scoopydoo-Figur. Das Publikum, etwa 25 Sechs- bis Siebenjährige sind außer sich und stürmen begeistert herbei.

Dass es erst 15 Uhr am Nachmittag ist stört niemand. Warum auch? Schließlich wird hier auch ein Kindergeburtstag gefeiert. Der kleine Joaquim wird sieben und seine Großeltern schmeißen eine Riesensause. Eingeladen sind neben den Kindern seiner Klasse auch die der gesamten Parallelklasse sowie die Eltern und –falls sie auch Lust haben – die kleineren Geschwister.

„Arche der Träume“ lautet der Name des Feierhauses, das auf Kindergeburtstage spezialisiert ist. Es ist bei weitem nicht das einzige in Rio de Janeiro. Dass die Brasilianer gerne feiern, hat sich inzwischen weltweit herumgesprochen. Aber nicht nur im Karneval geht die Post ab. Wir der Filius oder der Enkel ein Jahr älter, lässt man es ebenfalls gerne krachen. Der Scoobydoo ist nicht zu beneiden.

Doch er ist professionell: Er hüpft und tanzt, und alle Nase lang zieht ihm jemand am Schwanz oder zerrt ihn durch das Spieleparadies. Doch er macht brav mit – ist ja auch ein gutes Geschäft. Rund 4 Stunden feiert die Gesellschaft in der „Arche der Träume“. Ein paar Tausend Reais blättert man dafür schnell hin.

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Ziemlich groß, der Scoobydoo.

 

Dafür ist auch alles geboten, was man sich so vorstellen kann: Das komplette Obergeschoss ist zum Indoorspielplatz ausgebaut. Dort gibt es einen Raum mit drei Videospielkonsolen, einen Verkleidungsraum, einen Bauraum, einen Malraum. Eine wii mit diversen interaktiven Sportspielen ist auch dort, ebenso, wie zwei, drei Videospielstationen. Es gibt eine große Kletterlandschaft, von deren oberen Ende die Kinder durch eine Tunnelrutsche in ein Bällebad sausen. Außerdem ein kleines Karussell und ein kleiner Bolzplatz, der ebenfalls nur über die Klettergerüste erreichbar ist. Überall stehen Tabletts mit Plastikbechern, gefüllt mit Fruchtsaftgetränken, Limonaden, Wasser. Daneben Teller und Tabletts mit Knabbereien.

Während sich der Nachwuchs austobt, sitzen die Eltern im Erdgeschoss beisammen und schnacken. Viele kennen sich bereits aus der Kindergartenzeit. Die Gespräche kämpfen gegen die wummernden Disco-Kinderlieder an – immerhin keine Helene Fischer. Kellner flitzen durch die Reihen, bringen Softdrinks und frisch gezapftes Bier. Auf anderen Tabletts kommen diverse Salgados im Miniformat vorbei. Salgados, das sind die meist frittierten gefüllten Teigdinger, die in der Stadt an jeder Ecke in Kombination mit einem Becher Softdrink angeboten werden. Echtes Carioca-Streetfood.

Ich wollte schon immer mal damit begonnen haben, alle der Reihe nach zu probieren. Nach dieser Feier bin ich weitestgehend durch mit dem Thema. Auch kleine Becher mit Erbsensuppe kommen vorbei, mit Nudeln und Tomatensoße oder – mein Favorit –gerollte Pastaschnecken mit Ricotta-Spinatfüllung. Aber nicht zu viel essen: Gleich kommt noch ein Hauptgang: Geschnetzeltes mit Reis oderkleinen Kroketten, dazu Gartengemüse. Ich muss passen, die Salgados hatten mich auf Trab gehalten.

Was fehlt zur gelungenen Geburtstagssause? Klar, die Torte! Die stand von Beginn an im Raum, dreistöckig, mit Verzierung einen guten Meter hoch, ganz im Scoobydoo-Design – dem Party-Motto. Angeschnitten wird sie aber erst zum Ende, als Höhepunkt des Festes. Zunächst ein Ständchen, das mit Inbrunst von allen Anwesenden geschmettert wird, dann geht es dem Backwerk an den Kragen. Kurz drauf kommen die Kellner mit Kuchentellern herum. Auch der ganze Tisch, auf dem der Kuchen bislang thronte, und der mit Süßkram verziert war, steht nun zur Plünderung bereit.

Nach vier Stunden gehen alle zufrieden und abgekämpft heim, in der Hand ein kleines Abschiedsgeschenk, ähnlich, wie es auch in Deutschland zuletzt in Mode gekommen ist. Zwischen dem ganzen Posieren für Fotos hatten die Eltern kaum Zeit, ein paar Worte mit den Gästen zu wechseln – das ist auch bei dieser durchorganisierten Feier leider so. Aber nicht so schlimm: In ein paar Tagen gibt es für die Eltern noch eine ausführliche Fotodokumentation mit Video. Das gehörte zum Partypacket mit dazu.