7 Dinge an denen ich sehe, dass die Kinder groß geworden sind

Die Kinder wachsen schnell. Nie ist mir das so bewusst geworden, wie in den vergangenen drei Monaten. Gut, nie habe ich so viel Zeit mit ihnen verbringen dürfen, sie so aus der Nähe erlebt. Am Anfang schon, aber das war anders, da ging es um das Stillen elementarer Grundbedürfnisse (Nahrung, Schlaf etc.). Aber jetzt werden die Kinder jeden Tag etwas selbständiger.

1.) Beide schlafen nun ihn ihrem eigenen Zimmer. Bis zu unserem Umzug haben sie sich immer ein Bett geteilt. Wir überlegten: Hochbett kaufen? Aber zuletzt wurde es immer schwieriger mit dem Einschlafen, weil sie sich gegenseitig störte und wachhielten. Es endete fast jeden Abend in Geplärre. Aus der Not heraus – die jetzigen Kinderzimmer sind zu klein für zwei Betten nebeneinander – beschlossen wir, es einmal getrennt zu versuchen. Die Wohnung ist klein, alle sind nah beisammen, niemand muss sich abschoben oder ausgestoßen fühlen. Und siehe da: es klappt auf Anhieb. Abends kein Gezänk mehr, beide liegen friedlich im Bett und lesen noch, bis sie meist selbständig das Licht löschen.

2.) Sie werden selbständiger, bewegen sich in ihrem trotzdem engeren Rahmen (im Vergleich zu Frankfurt) schon freier. Wir wohnen im 8. Stock, der Play (Pool, Spielplatz etc.) ist im ersten. Nun wird nicht mehr lange gewartet, bis Papa oder Mama mit runterkommen. Badebuxe an, Handtuch mit, ab die Treppe runtergeflitzt. Der Rest lässt sich über das Interfone regeln. Im Schwimmbad kommen sie auch prima alleine klar, können ja schwimmen. Außerdem gibt es einen Bademeister. Aber mit Papa und Maman macht das Plantschen am meisten Spaß.

3.)Heute fahren Ella und Edgar erstmals ganz alleine mit zu einem Klassenkameraden zum spielen. Wir mussten es nur in das Logbuch eintragen. Der Rest geht von selbst. Sie werden mit dem Jungen gemeinsam den Schulbus nach Ipanema nehmen. Dort werden sie vor dem Haus abgesetzt und von der Mutter abgeholt. Wir fahren später mit der Metro rüber und holen sie ab. Bin überzeugt, es wird funktionieren. Wahnsinn: Ella und Edgar gondeln schon alleine durch Rio. Nein, Angst haben wir dabei nicht. Sicherer, als mit dem Schulbus ist es auch nicht, wenn wir im Taxi gemeinsam fahren. Die Schulbusse haben neben dem Fahrer noch eine Begleitperson, die die Kinder der Route kennt und diese bis in das Haus begleitet. Ich habe aber dennoch der Mutter eine Whatsapp geschickt um zu fragen, ob alle heil angekommen sind.

4.) Neues Land, neue Sprache. Das was für die beiden anfangs eine ziemliche Umstellung, zumal sie die einzigen deutschen Muttersprachler der an sich deutschen Klasse sind. Doch auch wenn sie sich manchmal etwas beklagen. Das Sprachverständnis ist schon ziemlich groß und nun ist auch der aktive Sprachgebrauch dran.

Neulich war ich mit Ella in der Markthalle Kobal, wo wir ganz zu Beginn die ersten Kokosnüsse tranken. Wir wollten unserem Freund einen Besuch abstatten und eine Nuss schlürfen. Ich hatte mir noch nicht den Hocker zurechtgerückt, da hatte Ella auch schon bestellt: „Dois cocos gelados, por favor!“ Zwei gekühlte Kokosnüsse, bitte. Wer sagt es denn: geht doch. Bei Edgar ist es ähnlich. Noch etwas zurückhaltend, springt er über seinen Schatten, wenn er es für angebracht hält. So bestellt er in der Schulkantine, wo wir montags mittags vor dem Sprachkurs immer gemeinsam essen, dann auch gerne mal einen frisch gepressten Orangensaft. Watt mutt, datt mutt. Und dann geht es auch.

5.) Beim Essen nimmt die Experimentierfreude zu. Ganz am Anfang aßen die beiden alles. Dann kam die Puristenphase: trockene Nudeln, Soße wenn nur am Rand, möglichst nichts dazu, nichts probieren, jeden Tag dasselbe. Das hat sich geändert. Ich staunte nicht schlecht, als Ella nach der Einschulung vorschlug, ob wir nicht Sushi essen gehen könnten. Und Edgar hatte nicht einmal was dagegen! Entweder war die Erleichterung über die absolvierte Einschulung so groß, dass alles egal war, oder der Futterselektionismus war im Begriff sich zurückzubilden. Gut: Als Getränk war eine Cola in Aussicht gestellt. Aber: die hätte es woanders auch gegeben. Aber egal, ob Käse vom Grill am Strand, merkwürdige Gemüse (Chuchu, Maxixe, Süßkartoffeln), Tapiokapfannkuchen oder exotische Früchte. Überall wird erst einmal probiert.

6.) Ella und Edgar sind richtige Leseratten. Wie gut, dass die Schule eine toll sortierte Bibliothek hat und Bücher auch entliehen werden dürfen. Wie gut auch, dass davon sonst so gut wie niemand Gebrauch zu machen scheint. So kommen die beiden einmal pro Woche mit einer Baumwolltasche voller Erstlesebücher aus der Schule zurück. Die werden dann in Rekordzeit verarbeitet. Manchmal zwei oder drei am Tag. Aber immer auch abends vor dem Einschlafen.

7.) Dafür scheinen Ella und Edgar in letzter Zeit mehr miteinander zu streiten. Beruhigend, was das Portal Urbia zum Thema schreibt:  „Kaum etwas kostet im Familienalltag mehr Nerven, als wenn sich Geschwister wegen jeder Kleinigkeit in den Haaren liegen. Oft fragt man sich, was zu Hause wohl falsch läuft, dass die Kinder so streitsüchtig sind. Zu solchen Sorgen besteht in der Regel kein Anlass. Wenn sich Geschwister oft streiten, ist das eher ein Indiz dafür, dass sie sich geliebt und geborgen fühlen. Weil Reibereien mit Bruder oder Schwester das soziale Kompetenztraining schlechthin sind, steiten sich liebevoll betreute Geschwister im Durchschnitt 30 Prozent ihrer gemeinsam verbrachten Zeit. Fühlen sie sich hingegen unsicher oder werden ihnen harte Strafen angedroht, halten Geschwister fast immer zusammen. Wenn die Kinder ein Herz und eine Seele sind, ist das zwar für die Eltern angenehm, aber es ist gesund und natürlich, dass sie sich aneinander reiben.“ Na hoffen wir mal, dass das so stimmt.