Game, Set, Match für das Raquete

Manche Dinge entdeckt man im Geschäft und man fragt sich sofort, wie ein Leben ohne dieses Teil bislang überhaupt möglich war. Das mag im extremen Einzelfall auch für ein paar Schuhe gelten, doch ich rede von wirklich lebensrettenden Accessoires.

Ob das Teil, das Wiebke gestern in einem Multi Coisas-Laden in Ipanema entdeckte, das Prädikat „unverzichtbar“ erlangen wird, wird sich zeigen. Ich bin skeptisch. Die Rede ist vom „Raquete Mata Mosquito“ (gesprochen „Rakätsch“), eine Art Plastiktennisschläger. Die Bespannung ist aber nicht aus Katzendarm, sondern besteht aus kleinen, elektrisch geladenen Drähten. Kommt diesem Netz ein Moskito zu nah, macht es britzelbratzel (danke für den Ausdruck, Mauri).

Technische Daten: 127-220 V, also auch in Mitteleuropa einsetzbar, 0,3-0,6 Watt, 60 Hertz. Die Ladung ist also überschaubar, jedoch wird auf der Verpackung ausdrücklich davor gewarnt, das Drahtgeflecht mit einem Metallgegenstand zu berühren. Man könnte einen gezoppt kriegen.  Gut, mit knapp 43 Reais (rund 10 Euro) Investitionsvolumen hält sich das Risiko einer Fehlinvestition in Grenzen.

?

Tote Tigermücke.

Außerdem möchten wir nichts unversucht lassen, das Risiko eines Moskitostichs zu minimieren. Ich sage nur: Zika-Virus. Darum ist es in letzter Zeit etwas ruhiger geworden – die Staatskrise um das Amtsenthebungsverfahren von Prasidentin Dilma Rousseff überdeckt doch zurzeit so vieles. Kleines Update dazu: Die erste Abstimmung hat den Weg für die Parlamentsdebatte freigemacht. Sonntag, also morgen, ist landesweit mit Protestkundgebungen zu rechnen. Auch in Rio, dort am Strand von Copacabana.

Glücklicherweise ist die Gegend, in der wir leben, keine Moskitohochburg. Aber was heißt das schon, bei fliegenden Tieren? Drum ist sprühen angesagt. Morgens, vor der Schule, abends, vor dem Schlafengehen ist Pflicht, auch die Klamotten. Dazwischen am besten auch noch mal. Eine ganze Rabatte der gängigen Repellentes haben wir inzwischen ausprobiert. Auf Empfehlung einiger Bekannter sind wir inzwischen bei Exposis gelandet. Das ist zwar teurer als die anderen und nur in Apotheken erhältlich, falls nicht mal wieder vergriffen, aber dafür verspricht es einen 10-stündigen Schutz vor den Tigermücken.

Wenn wir jetzt noch abends wild den Schläger schwingend durch die Wohnung laufen, sollte das doch halbwegs Mückenschutz versprechen, oder? Für jeden Volleystop gibt es dann auch eine Beckerfaust.

?

Energie tanken für neue Taten.

Werden wir uns wohl dran gewöhnen müssen, denn im Kampf gegen Zika wirkt das öffentliche Vorgehen doch recht hilflos. Zwar werden Medienwirksam Menschen mit Sprühkanonen durch einzelne Straßen geschickt – vor allem um potenzielle Olympiatouristen zu beruhigen. Doch realistisch sind die Erfolgsaussichten nicht. Die Tigermücke, die auch das Denguefieber überträgt, das zunächst ähnliche Symptome ausweist, brühet ihre Larven in der kleinsten Pfütze aus. Im Untersetzer bei Topfpflanzen, im Schlagloch, in Abdeckfolien, auf denen sich Pfützen bilden, auf den Flachdächern der Hochhäuser. Ein großes Problem sind auch die Pfützen, an die kein Mückenbekämpfer herankommt. Sie liegen in verfallenen Fabrikgeländen oder anderen verlassenen und verfallenen Ruinen, meist hinter verschlossenen Toren und hohen Bretterzäunen. Von diesen gibt es eine ganze Menge. Und die liegen teilweise mitten in der Stadt, direkt neben einem Wohngebiet.

Ehe Insektenbekämpfer auf die Grundstücke dürfen, einfach Schloss knacken geht nicht, muss der Eigentümer um Erlaubnis gefragt werden. Man kann sich vorstellen, dass dies ein mühsames Geschäft ist.

Zusätzlich versucht die Verwaltung, die Menschen für die Problematik zu sensibilisieren. Es gibt Infoaktionen an den Stränden, im Internet per Twitter. Doch es wirkt ein wenig hilflos. Es erinnert an das Vorgehen der südafrikanischen Regierung in Sachen AIDS-Prävention in den späten 90er-Jahren, als fast jeder dritte Erwachsene mit dem HI-Virus infiziert war und eine Gesundheitsministerin allen Ernstes empfahl, man solle rote Beete essen und heiß duschen, um sich zu schützen.