Super, Markt!

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Je leuchtender, desto scharf.

Ob in Europa oder Südamerika – Samstag ist der Tag für den Großeinkauf. Wir gönnen uns den Lieferservice des Supermarkts und kaufen Waren in großen Gebinden, etwa Milch oder Wasser.

Bei meinem Besuch auf dem Friedhof Sao Joao Batista war ich über den Prezunic-Supermarkt gestolpert. Es liegt gleich gegenüber des Haupteingangs und ist echt groß. Das verspricht ein Einkaufserlebnis!

Der Weg dorthin führt uns durch kleinere Nebenstraßen. Und: Siehe da! Eine Fata Morgana? Ist das nicht ein Wochenmarkt? Tatsächlich! Unter alten Bäumen das Ganze Endstück der Rua Dona Mariana zwischen Rua Mena Bareto und der General Polidorio. Der Supermarkt kann erst mal warten.

An einem Stand gibt es fertiges Suppengemüse, frisch, gewürfelt in diversen Größen abgepackt. Ein paar Meter weiter ein Stand mit diversen rot, gelb und grün leuchtenden Schoten. Hier wird es scharf! In kleinen Flaschen finden wir die bunten Schoten eingelegt, in Essig und Öl, wie der Verkäufer sagt, also schon fertiges Dressing. Für uns aber wohl zu scharf. Zum Probieren dürfen wir mal an einer grünen Schote knabbern. Geht.

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Pastel mit Fleisch. Frisch gebacken. Klassisches Streetfood.

Hier gibt es echt alles – Gemüse, Obst, Eier, selbst schlachtfrische Hühner baumeln traurig vom Rahmen des Verkaufsstands. Hier kaufen also die Einheimischen ihre Sachen ein. Oder essen dort gleich zu Mittag. Am Ende der Straße ist ein Imbissstand. Dort gibt es Pastel („paschteju“) in Fett gebackene Teigtaschen, gefüllt mit Fleisch, Käse, Schinken und Käse und diversem anderen. Wir entscheiden uns für Fleisch und Trockenfleisch als Füllung. Solche Salgados, also Salzgebäck, werden in der Stadt an jeder Ecke angeboten. Lancheonettes nennen sich die Büdchen, meist ein wenig schmierig, aber stets gut besucht. Auch die Saftbars, an den übrigen noch freien Ecken gelegen, bieten diese Knabbereien an, die zu jeder Mahlzeit oder zwischendurch eingeschoben werden.

Schön heiß sind die, die ich kaufe. Heiß bedeutet hier: frisch. Das Öl suppt durch das dünne Einwickelpapier.

Lecker: Frisch gepresster Zuckerrohrsaft!

Dazu gibt es einen Becher Caldo de Cano, Zuckerrohrsaft. Im VW-Bus hinter dem Stand rattert schon der Kompressor, der die Zuckerrohrpresse befeuert. Und die hatte zwar das Renteneintrittsalter schon im letzten Jahrtausend hinter sich gelassen, zwigt sich aber ausßerordentlich lauffreudig und hat ordentlich Bums. In nullkommanix saugt sie den fast armdicken Stab ein und lässt den grünlich schäumenden Saft in eine verbeulte Blechkanne laufen. Mit einem ähnlichen Teil, hoch über den Kopfgereckt, läuft sein Kollege durchs Karree und preist die herrlich erfrischende Brühe an:“Caldo de Cano! Caldo de Cano!“

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Der Tapiocafladen mit Schoko schmeckt auch Edgar.

Wiebke hat sich inzwischen in einen anderen Stand verguckt. Dort gibt es Pfannkuchen aus Tapoicamehl. Das weiße Mehl wird einfach in eine heiße Pfanne gestreut. Wegen seiner Klebestoffe braucht es weder Ei noch sonstwas für die Bindung. Die Hitze des Herdes genügt, um einen blassen, weißen Pfannkuchen entstehen zu lassen. Auf das noch warme Gebäck kommt nun noch Schokocreme. Perfekt. Der zähe, leicht gummiartige Teigfladen schmeckt auch Edgar.

Ella in Gespräch vertieft

Wo ist Ella? Sie hat hinter dem Stand einen Mann entdeckt, der vor einer großen Plastikschüssel steht. Durch ein feines Netz siebt er das Tandiocamehl, das roh aus dicken Klumpen besteht. Sie schaut ihm neugierig zu. Gleichzeitig fragt sie ihm Löcher in den Bauch. Sprachbarriere? Nicht, wenn die Neugierde größer ist.

Frisch gestärkt machen wir uns auf den Heimweg. Glücklich, endlich einen schönen Wochenmarkt mit toller Atmosphäre gefunden zu haben. Kein Friedberger Platz-Ballermann-Markt. Nein, ein Markt, wo wir uns für die Woche mit frischem Obst und Gemüse eindecken können. Denn dort werden wir jetzt häufiger hingehen.