Zu doof zum Dosenöffnen

Chili con Carne sollte es geben. Bohnen gibt es hier nur getrocknet, Hackfleisch (carne moida) hatte ich im Supermarkt besorgt, nur: wie sollte ich die verdammte Büchse mit dem Mais aufkriegen? Denn die hatte keinen Aufziehring, wie inzwischen an vielen Konserven zu finden – was ich sehr begrüße. Vor allem, weil wir bis dato fast alles hatten in der Küche. Alles, außer einem Büchsenöffner.

Hätte der nicht noch irgendwo zwischen die Socken gepasst, Herrschaftszeiten? Hätte hätte Fahrradkette! Klar, ich könnte auch auf den Mais verzichten. Aber ist Kapitulation nicht zu billig? Vor allem vor eine Dose Mais? Ich bitte Dich!

Also nochmal in den Supermarkt – war ja nicht weit – und nach Dosenöffnern gesucht. Icherwartete eine gewisse Auswahl. Diese Einarmhebeldinger, die mit einem Rädchen und pumpender Bewegung das Blech teilen, oder – noch besser – die Zangenöffner, bei denen man einen Flügelgriff dreht. So was, dachte, ich gäbe es auch hier. Vielleicht, aber nicht im Pão de Açucar-Supermarkt. Dort gab es nur ein merkwürdiges Blechteil. An der einen Seite ein Flaschenöffner (das braucht nun wirklich keine Sau), an einer Ecke einen runden Dorn (für Dosenmilch, nehme ich an) und dann einen Dorn, der aussah, wie eine Haifischflosse. Das musste es sein. Abernix zum drehen oder hebeln. Ein mehr oder weniger flaches Stück Metall. Ich fühlte mich entfernt an Campingurlaub erinnert.

?

Keine Kompromisse.

Und ein scharfkantiges, wie sich später herausstellte, beim ersten Einsatz. Den Haifischdorn hatte ich ins Blech gedrückt, ein Anfang war gemacht. Und jetzt? Was gäbe ich für ein schweizer Taschenmesser! Aber dieser Dorn musste es doch sein. Mit unverhältnismäßig großem Kraftaufwand (wo ist da die Hilfe eines solchen Geräts) und verhältnismäßig großem Zeitaufwand gelang es mir irgendwie, den Deckel aufzuhebeln – zumindest soweit, dass ich den Mais entnehmen konnte.

In der Gewissheit, die Bedienung des Öffners nicht ansatzweise zu beherrschen fragte ich unsere Allzweckwaffe in solchen Fällen, Sprachlehrerin Kora. Tatsächlich! Sie hatte auch so ein Teil. Etwas komfortabler, wie sie sagt, und weniger scharfkantig, aber das selbe Prinzip.

Grundsätzlich war ich auf dem richtigen Weg gewesen. Eines hatte ich jedoch übersehen – eine kleine, kreisrunde Aussparung in der Nähe des Haifischdorns. Und die war der Schlüssel. Das Teil muss nämlich so platziert werden, dass diese Aussparung um den Dosenrand sitz und so eine Art Hebelfläche herstellt. So lässt sich der Dorn langsam vorantreiben – aber immer noch mit viel Kraftaufwand.

Dass das keine Dauerlösung sein konnte, war klar. Die 8 Reais Investitionssumme war für die Füße gewesen. Ein anderes, vertrauteres Gerät musste her. Glücklicherweise musste kurz darauf die Schulleiterin nach Deutschland. Wir baten sie kurzerhand, uns einen Dosenöffner mitzubringen. Einen anderen – zum drehen –erstanden wir in einem Möbelhaus (nicht Ikea, aber so ähnlich: Tok&Stok).

Jetzt haben wir drei Öffner. Zwei zum Benutzen, einen als Souvenir und sind damit völlig overequipped. Denn eigentlich benutzen wir kaum Konserven. Und die Tomatendosen haben meistens einen Zugring. Tja.